Umweltgefahren wie Luftverschmutzung oder extreme Temperaturen treffen in der EU Menschen in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und niedrigem Einkommen besonders schwer. Zu diesem Schluss kommt ein aktueller Bericht der Europäischen Umweltagentur. Besonders betroffen sind demnach Gegenden im Süden und Südosten Europas, aber auch einige Stadtviertel in westlichen Mitgliedsstaaten.

Die Umweltagentur nennt dafür in ihrem Bericht mehrere Gründe. So lebten sozioökonomisch schlechter gestellte Menschen wegen günstigerer Mieten häufig in Regionen mit viel Verkehr und Industrie. Dort sei unter anderem die Feinstaubbelastung größer, was zu entzündeten Atemwegen (Bronchitis) und anderen Lungenkrankheiten führen kann. Ähnliches gilt auch für die Stickoxide, die in Deutschland gegenwärtig erneut stark diskutiert werden. So wurden etwa in 20 Prozent der einkommensschwachen Städte Italiens Stickoxidwerte ermittelt, die über dem europäischen Grenzwert liegen.

Außerdem haben Menschen in den ärmeren Regionen laut der Behörde weniger Geld für eine Klimaanlage oder Sonnenschutz. Extreme Kälte sei ebenso gefährlich. In Ländern wie Griechenland und Bulgarien könnten rund 60 Prozent der Menschen mit einem Einkommen unter dem Länderdurchschnitt ihre Wohnung im Winter nicht richtig heizen. Zudem würden die Menschen in den ärmeren Regionen Europas nicht ausreichend über Umweltgefahren aufgeklärt.

Die Expertinnen und Experten fordern, dass besonders Alte und Kinder vor Umweltgefahren geschützt werden. Hitze, Lärm und Dreck würden den Schwächsten gefährlich zusetzen. "Außerdem sind sie üblicherweise auch diejenigen, die am wenigstens selbst bestimmen können, wie und wo sie leben, arbeiten oder zur Schule gehen", heißt es in dem Bericht, für den Daten über Feinstaub, bodennahes Ozon, Lärmbelastung und Klima ausgewertet wurden.

Konkret schlägt die Umweltagentur etwa vor, Fußgänger und Radfahrer in der Verkehrsplanung zu priorisieren. Zusätzlich könne es helfen, mehr Bäume in den Städten zu pflanzen und besseren Wohnraum für Arme zu schaffen. Sinnvoll sei außerdem, konkrete Hilfspläne für Hitzeperioden und Kältewellen auszuarbeiten.