Sie verbluten innerlich, sind hochgradig ansteckend: Menschen, die sich mit Ebola angesteckt haben. Das Virus, das die Krankheit verursacht, ist eines der tödlichsten der Erde – mehr als die Hälfte aller, die es infiziert, stirbt. Seit August 2018 geht es wieder in der Demokratischen Republik Kongo um. Die Behörden haben rund 1.400 Fälle registriert, mehr als 950 Menschen sind bereits gestorben.

Längst ist der Ausbruch der zweitgrößte der Geschichte (siehe Infobox). Und ein Ende der Epidemie ist nicht in Sicht. Zuletzt nahm die Zahl der Neuinfizierten stark zu, allein im April gab es fast 400 neue Fälle. Experten befürchten, dass sich das Virus bald auf Nachbarländer ausbreitet und es aus dem von Rebellengruppen umkämpften Gebiet im Ostkongo nie mehr verschwindet.

Und doch ist dieser Ausbruch anders als frühere: Die Medizin steht Ebola nicht mehr mit leeren Händen gegenüber wie noch vor fünf Jahren, als die Seuche zur staatenübergreifenden Bedrohung wurde. Dieses Mal gibt es einen Impfstoff, bessere Aufklärung, eine koordinierte Eindämmung: Erfolge, die nur möglich wurden, weil Mediziner und Seuchenschützerinnen aus dem verheerendsten Ebola-Ausbruch der Geschichte lernen und währenddessen an Impfungen forschen konnten.

Der Fortschritt zeigt sich nun während des aktuellen Ausbruchs im Kongo: Mehr als 100.000 Menschen haben bereits einen Impfstoff erhalten, der ersten Analysen zufolge fast jeden Geimpften schützt (Lancet: Henao-Restrepo et al., 2016). Er sei sich sehr sicher, dass die Zahl der Infizierten und Toten noch viel, viel höher läge, gäbe es diesen Impfstoff nicht, sagte Tedros Adhanom, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO im Januar.

Noch wichtiger als das Serum selbst könnte jedoch sein, wie es gefunden wurde. Denn daraus ergeben sich Lehren für die Entwicklung weiterer Impfstoffe und Behandlungsstrategien, die in Zukunft bekannte – und sogar unbekannte – Seuchen in Schach halten könnten.

Um zu verstehen, wie schwierig es ist, Impfstoffe gegen unbekannte Erreger zu finden, muss man sich vor Augen führen, wie es bei einem Ausbruch zugeht: Lokale Helferinnen und Helfer und internationale Katastropheneinsatzkräfte bauen Notstationen auf, schaffen Medikamente und Tests heran. Sie versuchen, Kranke zu behandeln und die Ansteckung Gesunder zu verhindern – und oft sind sie damit vollkommen überfordert. Sie suchen nach Infizierten, bei denen die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist, klären die Bevölkerung über Risiken auf oder – wie im Falle von Ebola – darüber, wie man Verstorbene beerdigen sollte, um sich dabei nicht anzustecken. Epidemiologen machen Personen ausfindig, die Kontakt zu Infizierten hatten und sich womöglich infiziert haben. So versuchen die Einsatzkräfte, die Übertragungskette zu unterbrechen. 

Angesichts all dieser akuten Probleme in einem Seuchengebiet scheint wenig Platz für die wissenschaftliche Erforschung eines Erregers zu sein. Dafür, Proben zu nehmen und zu archivieren, nach potenziellen Überträgern wie Fledermäusen und Mücken zu suchen oder nach Übertragungswegen. Auch dafür, die Schäden im Körper der Infizierten genauer zu analysieren, zu dokumentieren und zu erforschen, fehlt oft die Zeit. Im schlimmsten Fall können Forscher sogar die Nothilfe behindern, denn ihre Arbeit braucht zusätzliche Absprachen und kostet zusätzlich Geld.

"Zu wenig aus Ausbrüchen gelernt"

Und doch ist Forschung in der Notlage sehr wichtig, erklärt Jeremy Farrar: "Oftmals ist die einzige Chance, etwas über einen Erreger zu lernen, der Ausbruch selbst." Farrar ist Arzt und Leiter des Wellcome Trusts, der weltweit zweitgrößten philanthropischen Stiftung, die sich stark im Bereich der globalen Gesundheit engagiert. "In der Vergangenheit haben wir viel zu wenig aus Ausbrüchen gelernt." Als Negativbeispiel nennt Farrar Sars. Das Sars-Virus, das schwere, tödlich verlaufende Lungenentzündungen auslösen kann, hatte sich in den Jahren 2002 und 2003 von Südchina ausgehend über den ganzen Globus ausgebreitet. Knapp 1.000 Menschen starben an der ersten Pandemie des Jahrtausends. Dass es nicht mehr waren, sei Glück gewesen, sagt Farrar. Aber weil Helfer und Medizinerinnen derart damit beschäftigt waren, das Virus in Schach zu halten, blieb für die Forschung keine Zeit. Wenn das Sars-Virus, das noch immer in Flughunden schlummert, die in Höhlen in China leben, wiederkehre, stehe man mit leeren Händen da. "Wir haben keinen diagnostischen Test, keine Medikamente, keinen Impfstoff."

Gut zehn Jahre später lief es dann schon bedeutend besser. Inmitten der großen westafrikanischen Ebola-Pandemie erprobte man den Impfstoff, der heute flächendeckend genutzt wird. Das gelang nur, weil Katastrophenhelfer und Wissenschaftlerinnen begannen, enger zusammenzuarbeiten. Ebola habe gezeigt, dass die "Forschung die humanitäre Antwort nicht negativ beeinflussen muss", sagt Farrar. In anderen Worten: Es gelang, einerseits die Krankheit einzudämmen und andererseits genug über das Virus zu lernen, um auf einen nächsten Ausbruch besser vorbereitet zu sein. Die WHO, ihre Partnerorganisationen und nationale Regierungen hatten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.