Im September 2018 stellte Appple-Manager Jeff Williams in Cupertino in Kalifornien eine neue Apple Watch mit EKG vor. Dieses neue Modell war aber noch nicht Gegenstand der Studie zum Vorhofflimmern. © Justin Sullivan/Getty Images

Finanziert von Apple hat die Universität Stanford eine Studie mit insgesamt 400.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt, die zeigen sollte, wie gut die Apple Watch als medizinisches Hinweismittel funktioniert. Ziel war es, herauszufinden, ob das sogenannte Vorhofflimmern mit der Apple Watch entdeckt werden kann. Da potenziell Betroffene oft keine Symptome zeigen, ist die Erkennung dieser Art von Herzrhythmusstörung sehr schwer, berichten Medizinerinnen und Mediziner der Stanford University. Mittlerweile liegen vorläufige Ergebnisse vor.

Gestartet wurde die Studie im November 2017, also zu einer Zeit, als die Apple Watch 3 auf den Markt kam. Das integrierte Elektrokardiogramm (EKG) der neueren Apple Watch 4 fehlt dementsprechend in der Bewertung. Die ersten beiden Generationen der Uhr waren hingegen Teil der Untersuchung. Insgesamt hat die Apple Watch 0,5 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewarnt, dass sie einen unregelmäßigen Herzrhythmus haben. Das ist zunächst nur ein Hinweis auf die Möglichkeit eines Vorhofflimmerns. Laut der Forscherinnen und Forscher ist das eine wichtige Erkenntnis. Offenbar wurde befürchtet, dass die Apple Watch zu viele Nutzerinnen und Nutzer alarmieren könnte, also auch Menschen, die keine Herzerkrankung zu erwarten haben.

Mit der Apple Watch 4 können Menschen ihre Gesundheitsdaten überwachen und ihren Herzschlag messen. Die US-Zulassungsbehörde FDA hatte das eingebaute EKG-Messsystem zugelassen. Deutsche Herzspezialisten warnen davor, sich auf das Gerät zu verlassen. © Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Dass der Hinweis tatsächlich nur als Hinweis zu verstehen ist, zeigen weitere Zahlen. Immerhin 34 Prozent der Anwender, die sich nach der Warnung eine Woche lang einem EKG – also einer Aufzeichnung der Aktivität der Herzmuskelfasern – unterzogen, zeigten tatsächlich bisher nicht entdecktes Vorhofflimmern. Festgestellt wurde das mit einem zugesandten EKG-Patch, der eine Woche lang den Herzrhythmus der Probandinnen und Probanden aufzeichnete. Da Vorhofflimmern aber nicht immer auftritt, ist laut Team der Uni Stanford zu erwarten, dass es sich nicht zwangsläufig während einer EKG-Testphase zeigt. Generell warnen Herzspezialisten schon länger davor, sich auf Messgeräte wie die Apple Watch oder andere Wearables zu verlassen: Ein solches Gerät ersetze keinen Arztbesuch.

Um herauszufinden, wie gut der Herzschlagsensor in der Uhr funktioniert, wurden in der Stanford-Studie auch Tests parallel mit einem EKG-Gerät durchgeführt. Dabei kam heraus, dass in 84 Prozent der Fälle bei einer Apple-Watch-Warnung auch gleichzeitig Vorhofflimmern im EKG festgestellt wurde. Das heißt, von den 66 Prozent, die per EKG nicht mehr entdeckt wurden, dürften noch einige Anwender dabei sein, die während der Testphase keine Symptome zeigten. Vermutlich werden die finalen Resultate der Studie hierzu mehr Aufschluss geben.

Apple-Watch-Besitzer machten freiwillig mit

Laut der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind die vorläufigen Ergebnisse interessant für die Forschung daran, inwieweit sich Erkrankungen prognostizieren oder früh erkennen lassen, insbesondere mit Technologien in Wearabels, also am Körper tragbaren Geräten. Diese Studie ist aber zunächst nur eine Grundlage für weitere Forschungen. Und die Studie ist eine Auftragsarbeit der Firma Apple mit dem Ziel, die positiven Effekte der Apple Watch zu belegen – es ist also keine unabhängige Forschungsarbeit von nicht befangenen Wissenschaftlern.

Wertvoll an der Studie ist allerdings die hohe Anzahl an Teilnehmenden. Ähnliche Arbeiten müssen meist mit einigen Tausend Probandinnen und Probanden auskommen, nicht zuletzt wegen des hohen finanziellen Aufwands. Der dürfte sich in diesem Fall in Grenzen gehalten haben, da die Hardware von den Nutzern gekauft wurde, die sich freiwillig meldeten. Erst im Verdachtsfall wurde medizinisches Equipment verwendet.