In den USA sind in diesem Jahr 695 Masernfälle registriert worden – die höchste Zahl seit der offiziellen Ausrottung der Krankheit im Jahr 2000. Dies teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Der bisherige Rekord seitdem hatte bei 667 Fällen im gesamten Jahr 2014 gelegen.

Dieses Jahr wurden aus 22 Bundesstaaten Fälle gemeldet; mit Abstand die meisten Infektionen gab es in New York und Washington. Der Masernausbruch in New York ist der größte seit 1991 und betrifft vor allem die jüdisch-orthodoxe Gemeinde in Williamsburg. Bürgermeister Bill de Blasio rief daraufhin für diese Teile des Bezirks Brooklyn den Gesundheitsnotstand aus und führte eine Impfpflicht ein. Zuvor war es bereits Religionsschulen und Kindertagesstätten der betroffenen Gemeinden verboten, ungeimpfte Kinder zu betreuen.

Im Bezirk Clark im nordöstlichen Bundesstaat Washington konzentrierte sich der Masern-Ausbruch auf russischsprachige Einwohner. Ein Kind hatte das Virus im Dezember aus der Ukraine mitgebracht. Auch in Washington wurde der Notstand ausgerufen.

Impfgegner gut organisiert

Die Masern verbreiten sich vor allem unter Schulkindern, deren Eltern das Impfen ablehnen. Viele davon berufen sich auf philosophische oder religiöse Gründe. So lassen sich laut der New York Times unter anderem viele ultraorthodoxe Jüdinnen und Juden nicht impfen, in einigen Gemeinschaften wird zudem immer wieder vor den Gefahren von Schutzimpfungen gewarnt. Antiimpfliteratur und die Aufrufe von Rabbis erschwerten es zudem den Behörden, Impfgegnerinnen und -gegner zu erreichen.

Demonstration von Impfgegnern in Washington – für mehr Selbstbestimmung und gegen eine Impfpflicht © Lindsey Wasson/Reuters

Die impffeindliche Bewegung der sogenannten Anti-Vaxxer ist in den USA besonders stark. Sie macht sich vor allem die sozialen Netzwerke zu nutze, um medizinisch nicht belegte Behauptungen in Umlauf zu bringen. Für die Weltgesundheitsorganisation WHO sind solche Antiimpfkampagnen eine der großen Bedrohungen für die weltweite Gesundheit.

US-Gesundheitsminister Alex Azar sah sich durch die hohen Masern-Zahlen veranlasst zu betonen, dass Masern-Impfstoffe "zu den am umfassendsten erprobten Medizinprodukten" gehörten und sich ihre Sicherheit "über viele Jahre" bestätigt habe. Während der Nationalen Kinder-Immunisierungswoche ab kommenden Montag werde sein Ministerium mit einer groß angelegten Kampagne deutlich machen, "dass Impfungen sicher und effektiv sind".

Auch in Deutschland und anderen westlichen Ländern treten die Masern wieder verstärkt auf. Auch hier haben Impfgegner entsprechende Kampagnen gestartet. Ärzte und verantwortliche Politiker sprachen sich deshalb für eine Impfpflicht aus.

Masern können zu schwerem Durchfall, Sehschäden sowie Lungen- und Hirnhautentzündungen führen und sogar tödlich sein.

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