Die Zahlen sind erschreckend: Drei Menschen sterben jeden Tag in Deutschland, weil sie keine Organspende erhalten – und das, obwohl ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger Organspenden befürworten. Drei von vier Deutschen sind sogar bereit, selbst zu spenden (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: 2016). Trotzdem warten derzeit etwa 10.000 Menschen auf eine baldige Spende. Diesen 10.000 stehen gerade einmal 955 gegenüber: 955 verstorbene Spenderinnen und Spender, denen im vergangenen Jahr insgesamt 3.113 Organe entnommen wurden.

Wie sich diese Lücke schließen lassen könnte, darüber wird derzeit erneut im Bundestag diskutiert. Anfang April 2019 haben der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen Gesetzentwurf zur sogenannten Widerspruchslösung vorgestellt. Demnach würde jeder und jede Deutsche, der oder die zu Lebzeiten einer eventuellen Organspende nicht widersprochen hat, für eine Spende infrage kommen. In Polen, Tschechien, Österreich, Frankreich, Spanien und vielen weiteren Ländern ist diese Regelung bereits Praxis. In Deutschland hingegen müssen sich Freiwillige explizit zu einer Spende bereit erklären.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte möchten wir Sie gern nach Ihrer Einstellung fragen. Besitzen Sie einen Organspendeausweis – oder kommt diese Möglichkeit für Sie gar nicht infrage? Was hält Sie von einer Organspende ab? Haben Sie Angst? Worin besteht diese Angst? Haben Sie ein konkretes Szenario vor Augen? Haben Sie in Ihrem Umfeld bereits eine Organtransplantation miterlebt?

Kritische Stimmen in Deutschland beklagen, dass der Charakter einer Spende verloren ginge, wenn man ihr nicht mehr explizit zustimmen müsse. Die Widerspruchslösung, befürchten viele, setze darauf, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger sich nicht mit der Entscheidung auseinandersetzen – und damit einwilligen würden. Jeder Fünfte, der sich aktiv gegen eine Spende entschieden hat, gab an, das liege an der Angst vor Organhandel. Ungefähr genauso viele sagten, sie hätten Angst, bei der Entnahme der Organe Schmerzen zu haben oder fälschlicherweise für tot erklärt zu werden (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: 2016). Zudem verhindert die Unentschlossenheit vieler Menschen Organtransplantationen. Als wichtigsten Grund für diese fehlende Entscheidung geben über 40 Prozent der Befragten an, dass sie sich bislang zu wenig mit dem Thema beschäftigt haben.

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