Diese Analyse ist Teil des Schwerpunkts zu Drogen im Alltag. Dazu hat ZEIT ONLINE exklusiv Ergebnisse des Global Drug Survey (GDS) veröffentlicht, der weltweit größten Drogenumfrage.

Cannabis ist beliebt. Mit Tabak vermischt, in der Wasserpfeife geraucht, als hochkonzentriertes Öl oder Tinktur geschluckt, eingebacken in Brownies. Rund sieben Prozent der 18- bis 59-jährigen Deutschen haben in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis genommen, zeigt der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018. Und unter den Teilnehmern des diesjährigen Global Drug Survey ist Cannabis wie bereits im Vorjahr das beliebteste illegale Rauschmittel. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist: 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Deutschland haben es schon einmal probiert und mehr als die Hälfte hat in den vergangenen zwölf Monaten gekifft oder dergleichen.

Weil Cannabis nicht ohne Gefahren ist, ist es in Deutschland illegal. An immer mehr Orten auf der Welt sieht die Lage aber anders aus. Die Niederlande, Spanien und einige US-amerikanische Bundesstaaten erlauben unter bestimmten Auflagen, die psychoaktive Substanz zu konsumieren. Noch liberaler sind Kanada und Uruguay, dort ist der Anbau und Verkauf landesweit legal. In Kanada prangen seitdem auf den Cannabispackungen, die ein wenig an blick- und aromadichte Espressotüten erinnern, Warnhinweise, die die Gefahren des Konsums ausbuchstabieren: psychische Probleme, Gedächtnisstörungen, Schizophrenie, Gefahren für die ungeborenen Kinder Schwangerer.

Erstmals haben wir im Global Drug Survey gefragt, was Sie von derartigen Warnhinweisen halten. Unter anderem haben wir Ihnen diese vier Warnhinweise gezeigt: Cannabis für Jugendliche ist besonders schlimm; jeder Zehnte, der Cannabis konsumiert, wird abhängig; Cannabis führt zu tödlichen Autounfällen; Cannabisrauch schadet wie Zigarettenrauch.

Dann haben wir gefragt: Glauben Sie, was auf dem Label steht? Ist die Info neu für Sie? Und vor allem: Würde es Sie dazu bringen, selbst weniger zu konsumieren? Natürlich sind das für die meisten GDS-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer hypothetische Fragen. Denn bevor Cannabisprodukte nicht legal sind, werden auf den Grastütchen auch keine gelben Warnhinweise geklebt. Trotzdem ist die Reaktion der Teilnehmer interessant, denn sie zeigt, wie die Informationen wahrgenommen werden, was Konsumierende noch nicht wissen und welcher Hinweis sie dazu bewegt, das eigene Verhalten zu überdenken. Schauen wir uns also an, was die Befragten von den einzelnen Warnhinweisen halten.

Bei Jugendlichen unter 21 Jahren erhöht der regelmäßige Cannabiskonsum das Risiko für Abhängigkeit und psychische Störungen mehr als bei Erwachsenen.

© Alessandro Zambon/unsplash.com

81 Prozent der befragten Cannabis-Konsumenten gaben an, diese Warnhinweis-Information zu glauben.

Diese Information glaubten besonders viele der befragten Cannabiskonsumenten. Fast jeden Dritten der unter 20-Jährigen lässt es sogar darüber nachdenken, den eigenen Konsum zu verringern. Dass Teilnehmer genau diese Information für besonders glaubwürdig hielten, ist gut. Denn das Risiko, durch den Konsum von Cannabis Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen zu entwickeln sowie psychische Erkrankungen, ist bei Jugendlichen besonders hoch (PNAS: Meier et al., 2012).

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Ungefähr eine von zehn Personen, die THC-haltiges Cannabis konsumieren, entwickeln eine Abhängigkeit. Das Risiko, abhängig zu werden, ist am höchsten, wenn man Cannabis mit Tabak raucht oder als hochwirksames Konzentrat konsumiert.

© GRAS GRÜN/unsplash.com

Für 28 Prozent der befragten Konsumenten war diese Warnhinweis-Information neu.

Die eigenen Grenzen zu kennen und den Konsum zu regulieren, ist schwierig, auch dann, wenn man es gerne möchte. Denn Cannabis macht, genauso wie Alkohol, Rauchen und andere psychoaktive Substanzen, abhängig. Nur leider wussten fast 30 Prozent der Konsumenten nicht, dass eine von zehn Personen, die THC-haltiges Cannabis konsumiert, abhängig wird. Und dass dieses Risiko dann am größten ist, wenn man den Stoff mit Tabak raucht oder als hochwirksames Konzentrat konsumiert. Gleichzeitig zeigte die Befragung: Nur elf Prozent würden das eigene Verhalten aber durch diesen Hinweis überdenken.

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Fahren Sie nicht bekifft Auto. Cannabiskonsum verlängert Ihre Reaktionszeit und verdoppelt das Risiko tödlicher Autounfälle.

© Duncan Shaffer/unsplash.com

50 Prozent der befragten Cannabiskonsumenten würde das eigene Fahrverhalten nach diesem Warnhinweis überdenken.

Der Hinweis darauf, dass der Konsum von Cannabis unsere Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, wirkt. Die Hälfte der weltweit Befragten würde das eigene Verhalten überdenken. Für jede zehnte Person war diese Information neu. "Drogentests am Straßenrand reichen allein nicht aus, um zu verhindert, dass die Leute berauscht Auto fahren", sagt der britische Mediziner und Initiator des Global Drug Survey Adam Winstock.

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Cannabisrauch schadet. Die schädlichen Chemikalien, die im Tabakrauch enthalten sind, finden sich auch im Cannabisrauch. Am sichersten ist es, Cannabis in geringer Dosierung in der E-Zigarette oder im Essen zu konsumieren.

© Dani Ramos/unsplash.com

20 Prozent der befragten Cannabiskonsumenten würden den eigenen Konsum nach diesem Warnhinweis überdenken.

Cannabis kann auf unterschiedliche Art und Weise konsumiert werden: In Deutschland mischen es die meisten Konsumenten mit Tabak. Beim Kiffen entstehen dann, genau wie beim Rauchen, Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid, Stoffe also, die unsere Lunge schädigen und abhängig machen. Die sicherste Art der Anwendung ist darum das Vaping oder das Essen in geringer Dosierung. Diese Information, gedruckt auf ein Warnlabel, glaubten drei von vier Befragten. Für einen von vier Befragten war die Information neu. Und immerhin 20 Prozent gaben an, das eigene Verhalten durch diesen Hinweis verändern zu wollen.


"Labels können ein wirksames Mittel sein, um das Bewusstsein für die Gefahren zu schärfen und positive Verhaltensänderungen zu fördern", glaubt Adam Winstock angesichts der Ergebnisse. Wirksamer könnten sie sogar noch sein, wenn man sie mit Bildern kombiniert, die die Konsequenzen des Konsums auf drastische Weise zeigen. Das weiß man von Tabakpackungen, auf denen blasse Menschen wiederbelebt werden und blutende Krebsgeschwüre im Mund abgebildet sind (Deutsches Krebsforschungszentrum, 2009, PDF).

Labels wie die in Kanada können zudem dabei helfen, den Rausch besser zu kontrollieren. Dann nämlich, wenn auf der Tüte steht, wie viel der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) und der vermutlich schmerzlindernden, aus dem weiblichen Hanf gewonnenen Substanz Cannabidiol (CBD) die Droge genau enthält. In einem unkontrollierten Markt, wie es ihn in Deutschland gibt, ist das nicht möglich – was Gefahren hat. Seit Jahren nimmt hierzulande die Konzentration an THC im verkauften Cannabis zu.

Auch Ihnen ist all das bewusst: Vor Nebenwirkungen zu warnen und die Inhaltsstoffe aufzuführen, finden 60 Prozent der 55.000 Befragten, die dazu Angaben machten, gut. Wahrscheinlich auch die 31 Prozent der befragten Deutschen, die gern weniger Cannabis konsumieren wollen.

© Christopher Furlong/Getty Images
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Legal oder nicht, viele Leute kiffen. Sie sollten die Risiken wenigstens gut kennen. 12 Hinweise für den Konsum und was Sie lassen sollten.

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Cannabis-Tipps

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ZEIT ONLINE arbeitet mit dem Global Drug Survey zusammen, der weltweit größten Umfrage unter Drogennutzern. Fast 40.000 Cannabiskonsumenten gaben an, wie sie negative Folgen zu verringern versuchen. Zusammen mit Suchtexperten sind daraus Tipps zum Gebrauch entstanden.

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#1 – Nicht anfangen

Ohne Risiko

Jede Droge schadet, Cannabis ist keine Ausnahme. Trotzdem ist Gras der am häufigsten konsumierte verbotene Stoff. Nur zu sagen, dass man es besser lassen sollte, schreckt nicht alle ab. Sicher kiffen? Unmöglich. Weniger schädlich geht aber schon.

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