Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts zu Drogen im Alltag. Dazu hat ZEIT ONLINE exklusiv Ergebnisse des Global Drug Survey veröffentlicht, der weltweit größten Drogenumfrage, an der rund 35.000 Leserinnen und Leser teilgenommen haben.

Am Ende der Party liegt ein Mädchen mit Überdosis im Krankenhaus. Moritz, der 17-jährige CEO seines eigenen Onlinedrogenshops, muss sich vor den Zuschauern verteidigen: "Mir ist schon klar, was ihr von mir hören wollt. Es tut mir leid, was mit Gerda passiert ist, das war meine Schuld." Gerda ist Moritz' Mitschülerin und hat MDMA in Pillenform, auch bekannt als Ecstasy, auf seiner Plattform MyDrugs gekauft. "Außerdem habe ich nie behauptet, dass Drogennehmen harmlos ist. Wenn man das Zeug schon im Darknet bestellt, könnte man auch nebenbei recherchieren, wie man es nimmt, so kompliziert ist das schließlich nicht", verteidigt sich Moritz halbherzig. Dann gefriert das Bild der bewusstlosen Gerda im Krankenhausbett, während eine abgehackte Computerstimme den Wikipedia-Eintrag zu MDMA herunterrattert.

Allein das Intro der Ende Mai veröffentlichten deutschen Netflix-Serie How to Sell Drugs Online (Fast), kurz HtSDO(F), reicht aus, um den Puls vieler Eltern hochzujagen: Bunte Pillen zersetzen sich in Sekundenschnelle in einem Farbenrausch. Die Geschichte basiert auf den Erfahrungen des jugendlichen Drogendealers Maximilian S., der als Shiny Flakes von seinem Leipziger Kinderzimmer aus einen der weltweit größten Onlineshops für Drogen betrieb, ohne dass seine Mutter etwas davon mitbekam. In der Serienadaption heißt Maximilian Moritz und will seine (Ex-)Freundin Lisa, die im Auslandsjahr in den USA erste Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen gesammelt hat, beeindrucken. Er eröffnet mit seinem Freund Lenny einen Shop für MDMA im Darknet, der sehr schnell sehr erfolgreich wird. Obwohl diese Coming-of-Age-Geschichte in den Kinderzimmern und Elternhäusern einer Kleinstadt spielt, werfen unverhältnismäßig viele Charaktere Pillen ein: Lisa, um der Sinnkrise zu entfliehen, Gerda, um es einfach mal auszuprobieren, und Lenny, um seine Ware zu testen. Drogen sind in dieser Serie allgegenwärtig.

Auf dem Plakat, mit dem gerade geworben wird, sehen die Pillen aus wie Emojis. Wenig überraschend, dass einigen der Erziehungsberechtigten bei der Serie mulmig zumute wird, die überall als erfrischend und kreativ gelobt wird. Ist dieses Breaking Bad für Teens gefährlich? Verführt die Serie nicht etwa Jugendliche dazu, ebenfalls mit Pillen zu experimentieren?

Es stimmt: Die Serie, kreiert von der Kölner bildundtonfabrik, die auch Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale produziert, suggeriert, dass Drogenkonsum zur Pubertät dazugehört. In HtSDO(F) wird konsumiert – und das nicht zu knapp. Oft kommen die jungen Protagonistinnen ohne spürbare Konsequenzen davon. Die Serie verteufelt Konsum nicht kategorisch, sondern bildet in vielen Szenen die Anziehungskraft chemischer Aufputschmittel ab. Lisa und ihre beste Freundin liegen zugedröhnt grinsend auf dem Sofa oder feiern – bunte Teile auf der Zunge – ausgelassen im Whirlpool.