Der Bizeps wohlgeformt, das Sixpack straff, der Bauch flach, mehr Muskelmasse als Fettpolster: Wohl kaum jemand wäre darüber traurig. Dass ein gestählter Body harte Arbeit bedeutet? Geschenkt. Aber selbst wer die Disziplin für tägliches Kraft- und Ausdauertraining sowie eine eiserne Sportlerdiät aufbringt, bekommt nicht zwangsläufig seinen Traumbody. Geschlecht, Alter, die Gene und andere Faktoren beeinflussen stark, wie stark und wie schnell der Körper eines Menschen sich durch Training und Ernährung formen lässt. Genau hier kommt der Wunsch ins Spiel, der Natur ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. 

Dass nicht nur Sportlerinnen und Sportler im Profibereich zuweilen dopen, sondern Anabolika und andere nicht dafür zugelassene Medikamente und Hormone zur Leistungssteigerung auch unter Amateuren verbreitet sind, hat sich zuletzt bei einer europaweiten Razzia gezeigt. Wie viele Menschen im Freizeitsport regelmäßig zu solchen Mitteln greifen, ist schwer einzuschätzen. Es gibt einige Umfragen zu dem Thema, die Dunkelziffer ist wahrscheinlich groß. Beispielsweise gaben Sportmediziner der Universität Tübingen nach einer Befragung im Jahr 2016 an, dass mindestens jedes zehnte deutsche Fitnessstudiomitglied schon einmal Arzneimittel zur Leistungssteigerung oder zum Muskelaufbau eingenommen hat (Pharmakon: Nieß et al., 2016).

Anabolika wirken ähnlich wie Testosteron

Ganz oben auf der Liste stehen anabol-androgene Steroide (AAS), die bekannten Anabolika (European Journal of Clinical Pharmacology: Eklöf et al., 2003). Damit sind viele verschiedene Substanzen gemeint, deren chemische Struktur der des männlichen Sexualhormons Testosteron ähnelt und die deshalb auch ähnlich wirken. Anabolikapräparate sind deshalb recht verbreitet, weil sie tatsächlich beim Kraftsport für einen beträchtlichen Muskelzuwachs sorgen können. Gleichzeitig haben sie erhebliche Nebenwirkungen – insbesondere auf Dauer. Zu den Medikamenten, die anabole Steroidhormone enthalten, zählen zum Beispiel Präparate, die gegen Blutarmut eingesetzt werden.

Mario Thevis ist Chemiker und forscht am Zentrum für Präventive Dopingforschung der Sporthochschule Köln unter anderem dazu, wie sich leistungssteigernde Mittel auf den Körper von Frauen und Männern auswirken. Seiner Einschätzung nach zeigen sich die Nachteile von Anabolika oft erst, wenn sie lange und wiederholt eingenommen werden: "Anabole Steroide stellen kein akutes Gesundheitsrisiko dar, sofern sie von pharmazeutischer Qualität sind. Langfristig können sie aber gravierende gesundheitliche Probleme verursachen."

Männer bekommen Brüste, Frauen eine dunkle Stimme

Männer, die über längere Zeit Anabolika nehmen, müssen mit Potenzstörungen, einer Vergrößerung der Brustdrüsen, Stimmungsschwankungen, Akne, einer gesteigerten Aggressivität und sogar ernsten Depressionen rechnen – wobei bei manchen psychologischen Symptomen nicht klar ist, ob sie eine Folge des Anabolikamissbrauchs sind, oder ob Menschen mit einer bestimmten Disposition für diese Erkrankungen auch eher dazu neigen, solche Mittel zu nehmen (European Journal of Clinical Pharmacology: Eklöf et al., 2003).