Euphorie gibt es inmitten eines Ebola-Ausbruchs selten. Warum auch? Menschen verbluten innerlich, Familien werden auseinandergerissen, Angst geht um. Denn die Mehrheit derer, die sich mit Ebola anstecken, stirbt. Und doch gab es schon im vergangenen Jahr im Kongo Hoffnung – dort, wo das Virus gerade Menschen tötet. Sie könnte nun zur Gewissheit werden: Neue Medikamente sind möglich, die fast allen Infizierten das Leben retten, wie Experten am Montag mitteilten. Plötzlich scheint Ebola von einer der tödlichsten aller Seuchen zu einer behandelbaren Krankheit zu werden.

Der aktuelle Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist zum zweitgrößten der Geschichte des Virus geworden. Fast 2.000 Menschen sind bereits gestorben – ein Ende ist nicht in Sicht. Und obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Internationalen Gesundheitsnotstand ausrief, schauten nur wenige Regierungen hin. Expertinnen und Experten bemängeln, dass zu wenig Geld in die Krisenantwort fließt und das Vertrauen in das Gesundheitssystem und die Helfer miserabel ist. Mythen verbreiten sich mindestens so schnell wie das Virus selbst und immer wieder werden Ärztinnen, Krankenpfleger und Impfteams angegriffen. Eine Umfrage unter Menschen in der betroffenen Region im September vergangenen Jahres ergab, dass ein Viertel aller Befragten glaubte, der Ausbruch sei nicht real (Lancet Infectious Diseases: Vinck et al., 2019).

Erst ein Impfstoff, nun Medikamente für bereits Erkrankte

Und trotzdem ist vieles besser als bei früheren Ausbrüchen (Einen ausführlichen Bericht darüber, was Forscherinnen und Forscher aus vergangenen Epidemien gelernt haben, finden Sie hier). Weit mehr als 100.000 Menschen haben einen anscheinend hochgradig wirksamen Impfstoff bekommen (Lancet: Henao-Restrepo et al., 2017). Und seit November 2018 werden im Kongo Medikamente getestet, vier an der Zahl, die den Verlauf der Erkrankung nach einer Infektion abschwächen sollen.

Erste Ergebnisse, wie gut sie wirken, stellte eine Expertengruppe der WHO nun vor. Sie zeigen, dass alle vier Medikamente wirken, zwei davon sogar besonders gut. Beim aktuellen Ausbruch sterben im Schnitt mehr als 60 Prozent der Infizierten. Bekamen die Ebola-Erkrankten jedoch den Antikörper mAb114 (Lancet: Gaudinsky et al., 2019), starb nur ein Drittel an der Infektion. Bekamen sie REGN-EB3, eine Kombination aus drei verschiedenen Antikörpern, waren es sogar nur 29 Prozent.* Das allein ist beeindruckend, auch wenn die Ergebnisse vorläufig sind und bislang erst 500 Menschen überhaupt einen der Wirkstoffe bekommen haben. Die Daten zeigen aber auch: Wenn die Patientinnen und Patienten die Mittel früh bekommen, das Virus sich in ihrem Körper also noch nicht so stark vermehrt hat, wirken die Mittel noch einmal besser. Dann sterben nämlich nur noch zwischen sechs und elf Prozent der Infizierten.

Ein solch erfolgreicher Medikamententest ist äußerst selten. Er sei sehr euphorisch über die Ergebnisse, sagte der Arzt Jeremy Farrar ZEIT ONLINE. Farrar ist Co-Vorsitzender der Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation, die die Therapiestudie begleitet. Die Ergebnisse der Studie, der ersten überhaupt, die Ebola-Medikamente testet und miteinander vergleicht, würden "zweifellos Leben retten". Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten der USA und Vorsitzender der Expertengruppe, erklärte in einer Pressekonferenz am Montag, wie es nun weitergeht: Fortan werde man nur noch die beiden überlegenen Mittel, also mAb 114 und REGN-EB3, benutzen. Sie sollen nun allen Infizierten zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse der Medikamentenstudie würden, nachdem weitere Daten gesammelt seien, in Kürze auch bei einem Fachjournal eingereicht und von Kollegen begutachtet. Noch sei alles vorläufig, betonte auch Fauci, die endgültige Wirksamkeit könne sich natürlich noch ändern.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, das Medikament heiße "Regeneron". Das ist jedoch der Name des Biotech-Unternehmens, das die Therapie herstellt. Das Medikament heißt REGN-EB3. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen.