Gletscher im Himalaya schmelzen, die Eispanzer der Arktis schmelzen – und der Mensch? Schmilzt der auch irgendwann?

Zum dritten Mal in diesem Sommer ist es ordentlich heiß in Deutschland. Zwar nicht so heiß wie Ende Juli in Lingen. Doch das schweißtreibende Wetter dieser Tage erlaubt einen Blick in die Zukunft. Denn wenn die Menschheit den Klimawandel nicht bremst, werden Hitzewellen künftig immer häufiger. Da sind sich Klimaforscherinnen und Meteorologen weitgehend einig.

Nicht nur das: Manche Regionen der Erde könnten sogar so heiß werden, dass sie – zumindest zeitweise – unbewohnbar wären (PNAS: Sherwood & Huber, 2010). Im Süden Indiens (Science Advances: Im et al., 2017) oder am Arabischen Golf (Nature Climate Change: Pal & Eltahir, 2015) könnte es in wenigen Jahrzehnten Tage geben, an denen jeder, der längere Zeit draußen verbringt, den Hitzetod stirbt. Und auch in den USA würde es immer häufiger unerträglich, wie der Klimawissenschaftler Robert Kopp in einem Meinungsbeitrag für die New York Times warnte. Extreme Hitze bei hoher Luftfeuchte brächte den Menschen an seinen Siedepunkt.

Um zu verstehen, wann ein Mensch seinen Siedepunkt erreicht, muss man sich vergegenwärtigen, wie der Körper seine Temperatur reguliert. Jeder von uns hat ein natürliches Thermostat, das die Körperkerntemperatur, die in den Organen der Brust, des Bauches und im Kopf herrscht, recht penibel auf 37 Grad Celsius einstellt. Es sitzt im Hypothalamus, einem Teil des Gehirns, das über den Zustand des Körpers wacht. Der Hypothalamus macht uns durstig, wenn wir dehydriert sind, er macht uns müde, wenn wir Schlaf brauchen. Und er lässt uns schwitzen, wenn wir zu warm werden.

Der Körper leistet beim Herumliegen so viel wie ein Kühlschrank

Natürlich darf die Temperatur für kurze Zeit auch einmal etwas höher liegen – beim Leistungssport etwa wärmt sich der Körper mitunter auf 39 oder 40 Grad auf, ohne dass es Probleme gibt (Annals Academy of Medicine: Lim et al., 2008). Und wenn wir Fieber haben, stellt der Hypothalamus den Thermostat sogar gezielt ein paar Grad höher als normal, um Immunzellen zu aktivieren. Riskant wird es erst, wenn der Körper zu lange warm bleibt oder extreme Temperaturen erreicht.

Um nicht zu überhitzen, muss sich der Körper kühlen. Sonnenstrahlen und die warme Luft, die ihn umhüllt, erwärmen ihn ständig. Dazu kommt die Wärme, die der Körper dauerhaft selbst erzeugt. Sie entsteht, weil der menschliche Körper fortwährend Energie verbraucht: beim Bewegen der Muskeln, beim Verdauen oder wenn wir die Nervenzellen des Gehirns beim Nachdenken anstrengen. Schon beim Herumliegen oder Zeitunglesen, erklärt Pontus Persson, Professor für Vegetative Physiologie an der Charité Berlin, kommt der Körper so auf eine Leistung von circa 75 Watt – was ungefähr einem kleinen, energiesparenden Kühlschrank entspricht. Bei körperlicher Arbeit kann er ein Vielfaches erreichen, inklusive all der Wärme, die dabei entsteht.

Um Wärme loszuwerden, strahlt der Körper sie ab oder gibt sie an Gegenstände weiter. Wirklich meisterhaft aber beherrscht er eine andere Technik: Schwitzen (siehe Infobox). Je mehr er schwitzt, desto stärker belastet das jedoch seinen Kreislauf. Und irgendwann stößt der Körper an seine Grenze.

Eine hohe Temperatur allein reicht nicht, um den Körper zu schaffen. Ob Menschen Hitzewellen mit über 40 Grad, wie Deutschland sie im Juli erlebte, noch aushalten, hängt maßgeblich von der Luftfeuchtigkeit ab. Denn je feuchter die Luft wird, desto weniger Wasser verdunstet und desto weniger kühlt schwitzen den Körper herunter. Schwüle Hitze wie in den Tropen ist daher viel belastender als trockene Wüstenhitze.

Wer sich dem Siedepunkt des Menschen nähern will, muss sein Thermometer also in ein nasses Handtuch wickeln. So bestimmt man die Feuchtkugeltemperatur, jenen Wert, der bei vollständig mit Wasser gesättigter Luft herrscht. Ein paar Stunden bei Feuchtkugeltemperaturen von 35 Grad Celsius führen zum Tod, auch bei den fittesten Menschen (PNAS: Sherwood & Huber, 2010).