Privat und gesetzlich Krankenversicherte müssen in etwa gleich viel Wartezeit für einen Arzttermin aufbringen. Das geht aus einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen hervor, die im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erstellt wurde. Demnach mussten 29 Prozent der gesetzlich und 30 Prozent der Privatversicherten bei ihrem letzten Arztbesuch überhaupt keine Wartezeit in Kauf nehmen.

Während laut der Umfrage jeder vierte gesetzlich Versicherte innerhalb von einem Tag bis zu einer Woche einen Termin bekam, war es unter den Privatversicherten jeder Dritte. Etwa jeder sechste gesetzlich Versicherte musste länger als drei Wochen auf einen Termin warten, bei den Privatversicherten war es nur jeder Achte.

Dass sich die Wartezeiten weitgehend angeglichen haben, liege vor allem daran, dass auch Privatversicherte häufiger als früher längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssten, erklärte KBV-Chef Andreas Gassen. Grund sei die immer knapper werdende Zeit, die ein Arzt für die Patienten zur Verfügung habe, etwa aufgrund von Bürokratie oder Teilzeitarbeit. "Die Tatsache, dass wir einen nahezu barrierefreien Zugang zu ärztlichen Leistungen haben, ohne Steuerung, bei gleichzeitig steigendem medizinischen Bedarf, führt dabei auch noch zwangsläufig zu einer höheren Nachfrage."

Wie lange ein Patient auf seinen Termin warten muss, hängt laut der Umfrage auch von seinem Anliegen ab. Termine für Impfungen dauerten länger, als wenn ein aktuelles Problem oder eine chronische Krankheit der Grund für den Arztbesuch war. Diese Bewertung fiel dabei aber oft sehr subjektiv aus. Laut Umfrage schätzten 36 Prozent auch Anlässe wie Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen als eilig oder sehr eilig ein. Zwei Drittel stuften ihren letzten Arztbesuch als dringend oder sehr dringend ein.

Nach Ansicht von KBV-Chef Gassen sei es daher wichtig, bei der Dringlichkeit von Terminen zu unterscheiden. "Auf eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung muss ich als Patient im Zweifel tatsächlich länger warten, als wenn ich eine Grippe habe."

Weiterhin lange Wartezeiten für Facharzttermine

Die Umfrage ergab außerdem, dass sich die Wartezeiten für einen Termin beim Facharzt nur geringfügig verkürzt haben. 30 Prozent der Befragten mussten demnach mehr als drei Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten – das sind zwei Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Sofort einen Termin beim Facharzt bekamen 16 Prozent der Befragten, das sind drei Prozent weniger als im Vorjahr.

Um die Durchschnittswartezeit zu verkürzen, hatte Bundesgesundheitsminister Spahn im Frühjahr das sogenannte Terminservicegesetz auf den Weg gebracht. Dieses wurde im April vom Bundesrat beschlossen. Die Neuregelung sieht unter anderem vor, dass Ärzte mindestens 25 Sprechstunden pro Woche anbieten statt wie bisher 20; Fachmediziner sollen pro Woche fünf offene Sprechstunden für Patienten ohne Termin anbieten. Im Gegenzug erhalten die Ärzte höhere Vergütungen. Außerdem sollen Hausärzte Zuschüsse dafür erhalten, wenn sie Patienten einen dringenden Facharzttermin vermitteln. Kritiker kritisierten das Gesetz allerdings bereits als unzureichend.

Für die Umfrage hat die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV von Mitte März bis Ende April etwa 6.100 Versicherte ab 18 Jahren befragt.