Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat verlangt, dass Pharmahersteller Warnhinweise zu sexuellen Störungen in die Beipackzettel von Antidepressiva aufnehmen. Das geht aus Informationen hervor, die dem ZDF vorliegen.

Dass Antidepressiva mit bestimmten Wirkstoffgruppen sexuelle Störungen hervorrufen können, die möglicherweise auch Jahre nach Absetzen des Medikaments anhalten, ist schon seit Jahren bekannt. 2012 warnte das niederländische Pharmakovigilanz-Zentrum Lareb vor möglichen Spätfolgen. Jetzt reagierte die EMA und forderte die Hersteller auf, auf solche Nebenwirkungen in den Produktinformationen hinzuweisen. Seit Juni erkennt die Agentur an, dass es einen Zusammenhang zwischen Sexualstörungen und Antidepressiva gibt.

Die EMA teilte mit, dass sie in der Vergangenheit die Studien geprüft habe, aber bis dahin "die Datenlage nicht eindeutig" gewesen sei. Neuere Forschung und Hinweise aus der Wissenschaft gäben nun Anlass, die Produktinformationen ändern zu lassen, um Risiken zu minimieren.

Dauerhaft verminderte Libido, Orgasmus- und Ejakulationsstörungen sowie Impotenz sowohl bei Männern als auch bei Frauen könnten die Langzeitfolgen nach Einnahme von Antidepressiva sein. Experten gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Allein in Deutschland sollen täglich mehr als 1,5 Millionen Tagesdosen von sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) verschrieben werden.

Fallstudien weisen schon seit 2006 auf solche lang anhaltenden sexuellen Funktionsstörungen durch die Antidepressiva hin. In den USA verpflichtete die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA bereits 2011 den Hersteller des Fluoxetin-Präparates Prozac dazu, in der Produktinformation auf sexuelle Funktionsstörungen auch nach Absetzen des Antidepressivums hinzuweisen.