Ein Piecks, ein Tropfen Blut, eine Laboranalyse – nur wenige Tage dauert es, dann lässt sich ohne einen Eingriff in den Mutterleib mit großer Sicherheit sagen, ob das im Bauch heranwachsende Kind das Down-Syndrom hat. Und das schon lange bevor die Schwangerschaft sichtbar ist. Nicht nur das: Der Test kann weitere Trisomien anzeigen, bei der ein Chromosom dreifach statt zweifach in Körperzellen vorliegt. Im 13. oder 18. Chromosomenpaar etwa. Für Schwangere mit besonderen Risiken soll die Untersuchung künftig kostenfrei sein. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss am Donnerstag beschlossen.  

Die Aufregung um den Bluttest, der bereits seit 2012 in Deutschland zugelassen ist, ist groß. Führt er dazu, dass mehr Kinder mit Besonderheiten in ihrem Erbgut schon lange vor der Geburt abgetrieben werden? Stürzt er Eltern in ethische und moralische Krisen, weil sie entscheiden, ob sie ihr Kind wollen? Und sind sie gut genug vorbereitet, um im Falle des Falles mit dem Ergebnis des Tests umgehen zu können?

Aus medizinischer Sicht ist die heutige Entscheidung die einzig richtige; bestenfalls hätten sich die Fachleute des Gemeinsamen Bundesausschusses dazu durchgerungen, den Test sogar für alle Schwangeren verfügbar zu machen. Besonders früh und rasch zeigt er nämlich nicht nur ziemlich genau, ob eine Erbgutanomalie vorliegt. Er liefert zudem seltener falsch-positive Ergebnisse als das freiwillige Ersttrimesterscreening und vermeidet so unnötige Sorgen. Auch ist er schonender als bisherige invasive Verfahren, wie die seit 30 Jahren übliche Fruchtwasseruntersuchung, die bereits Kassenleistung ist. Weil der werdenden Mutter bloß Blut abgenommen werden muss, statt etwa die Fruchtblase anzustechen, ist die Zahl möglicher Fehlgeburten geringer. Wieso also sollte der bestmögliche Test nicht allen kostenlos zur Verfügung stehen, statt weiterhin eine individuelle Gesundheitsleistung zu sein und damit nur für jene eine Möglichkeit, welche ihn sich leisten können? 

Ob jemand ein Baby mit Down-Syndrom möchte, ist allerdings keine rein medizinische oder finanzielle Frage, sondern zugleich eine moralische: Darf man sich sein Kind aussuchen? Inwiefern der Beschluss also ethisch vertretbar ist, hängt auch davon ab, wie frei sich Menschen für oder gegen den Test entscheiden können. Wie unvoreingenommen begegnen Frauenärzte ihren Patientinnen und wie einfühlsam, umfassend und sachlich können Krankenkassen, Ärztinnen und Pränatalmediziner werdende Eltern und Mütter überhaupt informieren? Hört man den Betroffenen zu, zeigt sich: Hier gibt es noch viel zu tun.

Niemand muss den Test machen, nur weil er kostenlos ist. Das gilt auch in Zukunft. Die Möglichkeit, zu testen, verpflichtet erst einmal zu nichts. Glücklicherweise heißt es im Beschluss des GBA ganz klar: Die Beratung durch den Arzt soll "ausdrücklich ergebnisoffen" sein. Dabei soll auch auf das jederzeitige "Recht auf Nichtwissen" von Testergebnissen hingewiesen werden. Das ist wichtig. Vor allem, weil der Bluttest einen Zustand feststellt, der sich nicht ändern lässt. Wenn die Frauenärztin die Schwangere auf Bakterien oder ein Gynäkologe die werdende Mutter auf den Rhesusfaktor testet, dient das der Vorsorge – stimmt in diesen Fällen etwas nicht, lässt es sich zumeist behandeln. Anders sieht es aber aus, wenn eine Trisomie festgestellt wird. Das zusätzliche Chromosom lässt sich derzeit weder entfernen noch unwirksam machen. 

Letztlich trifft jeder für sich die Entscheidung

Wer auf den vorgeburtlichen Bluttest verzichtet, akzeptiert die Möglichkeit, dass das Kind mit einer Chromosomenveränderung zur Welt kommt. Ebenso wer das Ersttrimesterscreening oder die Fruchtwasseruntersuchung nicht in Anspruch nimmt. Diese Entscheidung kann jede werdende Mutter letztlich nur für sich treffen. Frauen, die älter als 35 Jahre sind, machen sich womöglich eher Gedanken darüber als jüngere. Denn mit dem Alter erhöht sich das Risiko für die Geburt eines Kindes mit Trisomie. Das ist erwiesen. Das Risiko ist auch erhöht, wenn die Eltern zusammen älter als 70 Jahre sind.

Wer den Test hingegen nutzt, ist sich eventuell noch unsicher, ob er bereit für ein Kind mit einer Trisomie ist, will sich darauf vorbereiten können oder hat für sich beschlossen, so ein Kind nicht zu wollen. Auch dafür kann sich jede und jeder Einzelne ausschließlich allein entscheiden.