Kassenarztchef Andreas Gassen fordert von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Kassenfinanzierung homöopathischer Mittel zu beenden. "Wir brauchen ein gesetzliches Erstattungsverbot für Homöopathie", sagte Gassen der Neuen Osnabrücker Zeitung. Spahn und die Gesundheitspolitiker im Parlament müssten in dieser Frage Farbe bekennen.

"Auf der einen Seite gibt es extrem harte Maßstäbe für die Bewilligung von Therapien für lebensbedrohlich kranke Menschen", begründete er seine Position. "Auf der anderen Seite wird Geld rausgeworfen. Für mich als Arzt ist das unerträglich." Wenn Patienten an die Wirkung von Homöopathie glaubten, "dann müssen sie es selbst zahlen", sagte der Kassenarztchef. "Die solidarisch finanzierte Krankenversicherung darf dafür nicht länger missbraucht werden." Gassen bezweifelt die Wirkung von Homöopathie schon länger in öffentlichen Äußerungen.

In Frankreich reduzieren die Kassen ab kommendem Jahr die Kostenübernahme, in Großbritannien gab es die Diskussion vor einigen Jahren. In Deutschland wird schon länger diskutiert, auch unter Koalitionspolitikern

Die Homöopathie, die mit Milliardstelverdünnungen von vermeintlich wirksamen Substanzen arbeitet, habe es nach wissenschaftlichen Standards nicht geschafft, irgendeinen Nutzen nachzuweisen, sagte Gassen. Homöopathische Mittel stünden deswegen auch nicht im gesetzlichen Leistungskatalog. Das Problem liegt seiner Ansicht nach bei Gesetzgeber und Kassen gleichermaßen: "Solange sich der Gesetzgeber einen schlanken Fuß macht und es den Kassen ermöglicht, Homöopathie durch die Hintertür zu erstatten, werden sie das tun, sonst verlieren sie ihre Kunden", sagte Gassen.

Nach Angaben der KBV kostet die Erstattung von Homöopathie die Allgemeinheit der Beitragszahler jährlich rund 70 Millionen Euro. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen betrugen allein 2018 insgesamt 3.300-mal mehr: 234 Milliarden Euro, die Tendenz ist seit Jahren steigend

Die Kassen übernehmen die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen. Dazu zählt eine ärztliche Verordnung. Grenzen ziehen sie etwa bei lebensbedrohlichen Erkrankungen. Hinsichtlich des Nutzens heißt es etwa bei der AOK: "Eine rein naturwissenschaftliche Erklärung zur Wirkungsweise der Homöopathie ist noch nicht vorhanden." Was nicht bedeutet, dass beim Patienten gar kein Nutzen feststellbar wäre. Krankenkassen begründen ihr homöopathisches Angebot auch damit, dass sie ihren Versicherten die freie Wahl bieten möchten, wie sie Krankheiten behandeln lassen.