ZEIT ONLINE: Die Substanzen, die Sie den Probanden gegeben haben, können Nebenwirkungen haben. So gibt es Studien, die zeigen, dass Tiere die wenig Wachstumshormone im Blut haben im Schnitt länger leben (Frontiers in Endocrinology: Vitale et al., 2019). Haben Sie keine Sorge, dass ihre Therapie, die Wachstumshormone enthält, Probleme machen könnte?

Fahy: Viele dieser Studien wurden an genetisch veränderten Mäusen durchgeführt. Die Ergebnisse sind so nicht auf Menschen übertragbar. Außerdem zeigen Studien, dass Tiere, denen man im hohen Alter Wachstumshormone gibt, nicht an Krebs sterben. Und letztlich legen weiter Arbeiten nahe, dass die negativen Effekte des Wachstumshormons eher durch eine Insulinresistenz zu erklären sind, die die Hormone verursachen.

ZEIT ONLINE: Eine längerfristige Gabe von Wachstumshormonen könnte trotzdem schädlich sein.

Fahy: Wir wollen keine Dauertherapie. Das Ziel der Studie war es, den Thymus zu regenerieren, damit er den Körper mit frischen T-Helferzellen versorgt. Und T-Zellen überleben viele Jahre. Deshalb wollen wir die Behandlung alle fünf oder zehn Jahre wiederholen, wenn die T-Zellen aufgebraucht sind.

ZEIT ONLINE: Trotzdem: Studien zeigen, dass Wachstumshormone zum Beispiel dafür sorgen, dass sich Brustkrebszellen schneller teilen und mehr Gefäße in den Tumor einsprießen (Endocrinology: Subramani et al., 2017). Manche Brustkrebszellen haben sogar besonders viele Rezeptoren für diese Hormone (American Journal of Pathology: Medhin et al., 2001). Könnte eine Therapie nicht einen bisher versteckten Krebs zum Wachsen anregen und die Verjüngung zunichtemachen?

Fahy: Wir nehmen das sehr ernst. Wir wollen deshalb in zukünftigen Studien Menschen nicht mit einbeziehen, die in ihrem Leben schon einmal Krebs hatten. Letztlich kommt es auf die Kombination der drei Medikamente an, die wir geben. DHEA zum Beispiel kann dazu führen, dass die Prostata wächst. Gibt man es aber mit Wachstumshormonen zusammen, passiert das nicht. Wir glauben nicht, dass das Krebsrisiko unter der Therapie steigt. Eher ist das Gegenteil der Fall. 

Meine Botschaft an Ihre Leser: Bitte probieren Sie die Therapie nicht allein aus!

In unserer Studie sank ein entscheidender Marker für Prostatakrebs. Außerdem stieg, wie schon erwähnt, das Verhältnis von Monozyten zu Lymphozyten im Blut. Je höher dieses Verhältnis ist, desto geringer das Krebsrisiko. Und zuletzt sanken die Blutspiegel von PD-1. PD-1 bremst das Immunsystem und hält den Körper davon ab, gegen Krebszellen vorzugehen. Ein niedriger PD-1-Spiegel schützt also vor Krebs. Das alles zeigt, dass das Krebsrisiko aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Therapie eher sinkt. 

Und es deckt sich auch mit dem, was die US-Arzneimittelbehörde sagt: Dass Menschen, die wegen anderer Erkrankungen Wachstumshormone nehmen, nicht häufiger an Krebs erkranken.

ZEIT ONLINE: Haben Sie denn andere Nebenwirkungen beobachtet?

Fahy: Ja, aber nur ungefährliche: Wassereinlagerung, Gelenkschmerzen, Brustwachstum bei Männern und Karpaltunnelsyndrom. Sobald man das Wachstumshormon absetzt, verschwinden diese Nebenwirkungen. Wir haben die Dosis nur einmal anpassen müssen. Der Proband, um den es geht, joggt regelmäßig die steilen Hügel von San Francisco hinauf und plötzlich taten ihm dabei die Muskeln weh. Ein anderer Versuchsteilnehmer hat Ängste entwickelt – aber wir sind uns sehr sicher, dass das andere Gründe hatte.

ZEIT ONLINE: Sie glauben also, die Therapie ist sicher?

Fahy: Ja, aber natürlich müssen die Probanden medizinisch überwacht werden. Das ist auch meine Botschaft an Ihre Leser: Bitte probieren Sie die Therapie nicht allein aus!