ZEIT ONLINE: Ihre bisherigen Probanden kommen aus der kalifornischen Anti-Aging-Szene. Es dürfte sich also um Menschen handeln, die der Therapie offen und erwartungsvoll gegenüberstanden. Gleichzeitig hatte ihre Studie keine Placebo-Kontrollgruppe. Können die Effekte, die Sie beobachtet haben, komplett oder in Teilen auf den Placeboeffekt zurückzuführen sein?

Fahy: Die Studie, die wir durchgeführt haben, sollte erst einmal zeigen, dass die Therapie sicher ist und uns helfen, die richtige Dosis der Medikamente zu finden. Deshalb nahmen nur neun Probanden teil und es gab keinen Placebo-Kontrollarm. Trotzdem: Ein Thymus wächst nicht allein durch ein Placebo nach. Und die biologische Uhr dreht sich nicht allein durch ein Placebo zurück. So etwas gibt es einfach nicht.

ZEIT ONLINE: Planen Sie trotzdem, den Einfluss von Placebo in zukünftigen Studien auszuschließen?

Fahy: Ja, wir denken darüber nach. Am ehesten in der Form, dass ein Teil der Probanden ein Jahr lang ein Placebo bekommt und dann ein Jahr die richtige Therapie, bei einem anderen Teil der Probanden läuft es genau anders herum: erst Therapie, dann Placebo.

Ich kann nicht von Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe laufen und darum bitten, dass jemand unsere Studienergebnisse repliziert.

ZEIT ONLINE: Ob sich wirklich bewahrheitet, was Sie gefunden haben, müssen weitere Studien zeigen. Studien, in denen man danach forscht, ob Menschen, die Ihre Therapie bekommen haben, wirklich länger gesund sind und älter werden.

Fahy: Ja, die Ergebnisse, die wir jetzt veröffentlicht haben, sind erst der Anfang. Wir planen gerade eine Studie mit deutlich mehr Probanden, mindestens 50, lieber 200. Darunter sollen auch Frauen und verschiedene Ethnizitäten sein. Außerdem wollen wir die Altersspanne erweitern. Die Probanden der aktuellen Studie waren zwischen 51 und 65 Jahre alt, für die neuere Studie hätten wir gern ältere und jüngere Patienten. Denn ich kann mir beispielsweise vorstellen, dass ab einem gewissen Alter die Effekte der Therapie nicht mehr so groß sind.

ZEIT ONLINE: Und nach der Studie? 

Fahy: Am Ende wollen wir die Behandlung natürlich klinisch bereitstellen. Die drei Substanzen sind relativ ungefährlich und von der Arzneimittelbehörde bereits zugelassen. Wir glauben deshalb, dass es keine großen Probleme gibt, eine Zulassung für unsere Dreierkombination zu bekommen.

ZEIT ONLINE: Wer eine Therapie gegen das Altern findet, könnte damit Milliarden verdienen. Wissenschaftlich muss bei Studien wie Ihrer deshalb alles besonders sauber sein. Am besten wäre es, wenn eine unabhängige Arbeitsgruppe Ihre Ergebnisse replizieren würde. Gibt es Pläne in diese Richtung?

Fahy: Ich bin ganz Ihrer Meinung. Wenn jemand auf uns zukommt, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um zu helfen. Aber ich kann nicht von Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe laufen und darum bitten, dass jemand unsere Studienergebnisse repliziert. So wird es nicht funktionieren.