Esst mehr grünes A und weniger rotes E! So einfach kann es sein, sich gesünder zu ernähren – folgt man beim Einkaufen künftig dem Nutri-Score, einer simplen Lebensmittelampel, für deren Einführung sich Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) nun ausgesprochen hat.

Hinter den Buchstaben A bis E, die von Grün über Orange nach Rot verlaufen, steckt kein großes Geheimnis der Ernährungswissenschaft. Grob gesagt, bestimmen Fett-, Zucker- und Salzgehalt, Vitamine, Ballaststoffe und noch ein paar andere Parameter, ob ein Lebensmittel eher im grünen, gelben oder roten Bereich einsortiert wird. Grünes sollte man täglich essen, Rotes eher die Ausnahme sein, so das einfache Prinzip. 

Dass Obst und Gemüse gesünder sind als fettige Chips oder süße Cola, ist jetzt keine Überraschung. Nur was bringt uns dazu, auch gesund einzukaufen? Darüber wurde jahrelang gestritten. Das offensichtlich Gute, die Ampel, schien Julia Klöckner nicht zu überzeugen. Also veranlasste sie eine Befragung unter Verbraucherinnen und Verbrauchern, die über mehrere Kennzeichnungssysteme entscheiden sollte. Und in der gewann, wenig überraschend: der Nutri-Score! Im kommenden Jahr soll er eingeführt werden – wenn die Bedingungen dafür geschaffen sind.

Auch wenn es unnötig lange gedauert hat: Dass der Nutri-Score jetzt kommen soll, ist gut – aus mehreren Gründen.

Es ist gut für Verbraucher: In der Umfrage hat das Kennzeichnungssystem am besten abgeschnitten, das auch am besten ist. Denn der Nutri-Score ist eine Kennzeichnung, die nachgewiesenermaßen beim Einkaufen hilft. So leicht und schnell verständlich ist er, dass sich Menschen bei ihrem Einkauf auch wirklich danach richten – und Lebensmittel wählen, die zusammengerechnet weniger Kalorien enthalten und insgesamt gesünder sind. Studien haben das gezeigt, zuletzt etwa im British Medical Journal (Ednell. et al., 2019).

Wer Rotes will, kann Rotes haben

Der Nutri-Score könnte also dazu führen, dass die Menschen sich besser ernähren, und das ohne dabei besonders bevormundet zu werden. Denn natürlich können sie sich immer noch frei entscheiden, auch für das ungesündere, also rot gekennzeichnete Produkt.

Aber auch für Julia Klöckner und ihr Ministerium ist das Ergebnis der Umfrage gut. Klöckner wollte den jahrelangen Streit um das richtige Lebensmittellabel durch ein Votum der Verbraucherinnen und Verbraucher beenden lassen, also durch die Umfrage. Das hätte auch schiefgehen können. Denn Umfragen sind anfällig für Fehler, abhängig von Stimmungen, beeinflussbar durch äußere Faktoren – viel eher, als es gute wissenschaftliche Studien sind.