E-Zigaretten stehen stark in der Kritik. Nicht in Europa, wohl aber in den USA werden immer mehr Lungenschädigungen und Todesfälle bekannt, die Wissenschaftlerinnen und Ärzte mit dem Gebrauch von E-Zigaretten in Verbindung bringen. Bis zum 1. Oktober zählte die zuständige Behörde mehr als 1.000 Patienten mit Lungenschäden und 18 Todesfälle, wie die Centers for Disease and Control and Prevention (CDC) mitteilte. Die Ursache ist unklar. Der Verdacht: Es könnte am Dampfen oder Vaping liegen. Dabei galt es bislang als weniger schädlich, mit den Geräten zu dampfen als herkömmlich Tabak zu rauchen. E-Zigaretten werden als Methode zur Rauchentwöhnung diskutiert. 

In Deutschland hat ein Gericht unterdessen dem US-Hersteller Juul den Verkauf seiner Kartuschen untersagt – eine Entscheidung, die nicht im Zusammenhang mit den Lungenerkrankungen in den USA steht. Warum wurde also gerade Juul bei uns jetzt aus dem Handel genommen? Und besteht generell für deutsche E-Zigaretten-Nutzer ein Risiko, Lungenprobleme zu bekommen, wie sie sich in den USA häufen? Das Wichtigste im Überblick:

Was ist über die Fälle in den USA bekannt?

Die genaue Ursache ist bisher nicht gefunden. Fest steht: In den USA zählt die Gesundheitsbehörde des Landes mittlerweile 1.080 Patienten mit Lungenschäden und 18 Todesfälle. Vor allem Nutzerinnen und Nutzer, die jünger als 35 Jahre sind, und größtenteils männliche Nutzer von E-Zigaretten und Vaping-Produkten sind nach derzeitiger Kenntnis betroffen. Das Durchschnittsalter aller Fälle liegt laut CDC bei 23 Jahren, das der Toten bei 49,5 Jahren. Mitte September tauchte außerdem ein erster Fall in Kanada auf.

Viele Betroffene haben Husten, Atemnot und Thoraxschmerzen, häufig in Verbindung mit Magen-Darm-Problemen. In einigen Fällen war die Lunge der Erkrankten so stark geschädigt, dass sie künstlich beatmet werden mussten, in anderen führte ein Lungenversagen zum Tod (New England Journal of Medicine: Layden et. al, 2019). Welche Inhaltsstoffe genau die Symptome auslösen, ist bisher nicht bekannt. Häufig haben die Betroffenen E-Zigaretten mit dem Cannabinoid THC konsumiert. Deshalb stehen bisher vor allem THC-haltige Vaping-Öle im Verdacht, für die Lungenschädigungen mit verantwortlich zu sein. Auch gibt es Hinweise, dass viele ihre Liquids bei nicht lizenzierten Händlern gekauft hatten. Weil in den USA Vaping-Produkte mit höheren Nikotingehalten kursieren als in Europa und diese Produkte häufig von Schwarzmärkten stammen, ist derzeit fraglich, inwiefern die Situation auf Europa übertragbar ist. Außerdem werden E-Zigaretten in den USA wahrscheinlich von viel mehr Jugendlichen verwendet als in Europa beziehungsweise Deutschland.

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Warum wurde Juul vom deutschen Markt genommen?

Mit zwei einstweiligen Verfügungen hat eine Düsseldorfer Richterin dem Hersteller Juul den Verkauf seiner Kartuschen hierzulande vorerst verboten. Das Gericht bestätigte am Montag gegenüber ZEIT ONLINE Medienberichte vom Wochenende. Doch dieser Beschluss hat nichts mit den Krankheitsfällen in den USA zu tun, die mutmaßlich mit Vaping in Verbindung stehen. In den Verfügungen geht es um fehlerhafte Kennzeichnungen auf den Kartuschen, den sogenannten Juul-Pods. Sie enthalten die Flüssigkeit, die in den E-Zigaretten verdampft wird. Nach Ansicht des Gerichtes fehlte auf den Pods das Symbol mit einer durchgestrichenen Mülltonne, das die Kartuschen für die Entsorgung im Elektroschrott kennzeichnet – denn sie gehören nicht in den Hausmüll.

Außerdem enthielten Kartuschen der Marke Juul teilweise nicht so viel Nikotin, wie auf der Verpackung angegeben wurde. Auch wenn das sogar weniger schädlich sein dürfte als Produkte mit höherem Nikotingehalt: Was auf einer Packung draufsteht, muss laut deutschem Kennzeichnungsgesetz stimmen. Ein Juul-Sprecher kündigte an, der Hersteller werde das Urteil anfechten. Bis auf Weiteres dürfen Händler in Deutschland nicht beliefert werden. Der internationale Vertrieb über Onlineshops ist von dem Urteil nicht betroffen.

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Warum steht hierzulande Juul so im Fokus?

Auch wenn hinter dem Verkaufsstopp keine gesundheitlichen Bedenken stehen, schürt die Entscheidung des Gerichtes in Deutschland eine Diskussion um die Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten und besonders Juul-Produkten. Der E-Zigarettenhersteller ist der beliebteste in den USA und gerade unter Schülerinnen und Schülern im Highschool-Alter verbreitet, obwohl die Verdampfer dort wie hierzulande nur an Personen ab 18 Jahren verkauft werden dürfen. In den sozialen Medien kursieren regelmäßig Videos, in denen sich Teenager auf Partys mit den handlichen Juul-Verdampfern inszenieren. Die E-Zigaretten von Juul, die es in vielen Geschmacksrichtungen wie etwa Mango oder Gurke gibt, sind optisch und geschmacklich so designt, dass sie sich gezielt an Jugendliche richten.

Hinzu kommt, dass die Juul-Verdampfer in den USA verglichen mit den Produkten anderer Hersteller sehr stark sind: Die Kartuschen enthalten dort zum Teil mehr als 50 Milligramm Nikotin pro Milliliter Liquid. In der EU sind maximal 20 Milligramm pro Milliliter erlaubt. Nikotin macht stark abhängig und ist in hohen Dosen extrem ungesund: Es wirkt sich Studien zufolge negativ auf die Hirnentwicklung von Jugendlichen aus (Brain Research: Slotkin et al., 2003) und es gibt immer wieder Hinweise dafür, dass es die Entstehung von Krebs begünstigt (Indian Journal of Medical and Paediatric Oncology: Mishra et al., 2015).

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Wer kontrolliert E-Zigaretten generell?

Welche Inhaltsstoffe in E-Zigaretten verkauft werden dürfen und wie sie gekennzeichnet werden sollten, ist in der EU streng geregelt, und zwar strenger als in den USA. Vor allem in Deutschland sind deutlich mehr potenziell gefährliche Inhaltsstoffe verboten, die in den USA in E-Zigaretten verwendet werden. Ob die Hersteller diese Regelungen einhalten, kontrollieren die Verbraucherschutzbehörden der Bundesländer. 2017 stellte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Ergebnisse einer Kontrolle von E-Zigaretten vor. Es zeigte sich, dass viele Kennzeichnungen auf E-Zigaretten und deren Zubehör falsch waren. Beispielsweise fehlten Warnhinweise für Kinder und Jugendliche und die Kennzeichnung der Kartuschen war zum Teil irreführend.

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Wie schaffen es falsch gekennzeichnete Produkte in den Verkauf?

Da es sehr viele Produkte gibt, die laufend auf den Markt kommen, prüfen die Behörden nur stichprobenartig und vor allem dann, wenn es bereits Hinweise dafür gibt, dass etwa gefährliche Stoffe in E-Zigaretten enthalten sind. So kann es passieren, dass Kartuschen zunächst in den Handel kommen, obwohl darin nicht die Menge an Nikotin enthalten ist, die auf der Verpackung angegeben ist. Hinzu kommt, dass die Gesetzeslage für E-Zigaretten nicht ganz eindeutig ist. Das heißt: Wenn sie Nikotin enthalten, gelten die Gesetze, die auch für normale Zigaretten gelten. Für die Kartuschen mit den E-Liquids gilt aber auch das Chemikalienrecht. Beide stellen jeweils unterschiedliche Anforderungen an die Kennzeichnungen. Ein Hersteller, dessen Kennzeichnung nach dem Tabakrecht korrekt ist, kann nach dem Chemikalienrecht immer noch falsch handeln.

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Was, wenn Pods im falschen Mülleimer landen?

Juul-Pods gehören in den Elektroschrott. Das liegt daran, dass in jeder Kartusche des Herstellers direkt ein Verdampfer verbaut ist – ein metallenes Bauteil, in dem das Liquid mit Wirkstoffen und Aromen erhitzt wird. Wenn jemand eine Kartusche in den Hausmüll wirft, können die Rohstoffe darin nicht recycelt werden. Außerdem soll die getrennte Sammlung von Elektrogeräten verhindern, dass Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Im Falle der Kartuschen wäre das zum Beispiel das Nikotin in den Liquid-Resten.

Mehr Informationen zu den Fällen von Lungenkrankheiten in den USA können Sie hier nachlesen.

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