EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat nur wenig Verständnis für Impfgegner: "Während in einigen Teilen der Welt Menschen wegen Impfstoffmangels sterben, bringen manche hier ihr Leben und das Leben anderer in Gefahr, indem sie Impfungen ablehnen", sagte der Luxemburger zu Beginn des Weltimpfgipfels in Brüssel, den die EU-Kommission zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausrichtet.

Juncker verwies auf die Zunahme von Krankheiten wie Masern. Die Zahl der durch Masern verursachten Todesfälle habe sich in Europa versechsfacht. "Und diese Fälle betreffen vor allem nicht geimpfte Menschen."

"In Europa sterben Kinder an vermeidbaren Krankheiten", sagte der Generaldirektorder der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Nach WHO-Angaben wurden in der ersten Jahreshälfte 2019 weltweit fast dreimal so viele Masernfälle registriert wie im gesamten Jahr 2018. Ausschlaggebend dafür ist ein gewachsenes Misstrauen gegen Impfstoffe, ausgelöst durch die Verbreitung von Fehlinformationen.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis plädierte für eine Impfpflicht in Ländern mit sinkenden Impfraten. "Wenn man sich das epidemiologische Bild anschaut und sieht, dass man keine Chance auf einen raschen umfassenden Impfschutz hat, sollte man es verpflichtend machen", sagte er in Brüssel. Kinder hätten das Recht zu leben, das könne man nicht ignorieren. "Wenn Eltern das nicht verstehen, müssen wir uns fragen, wer Verantwortung übernimmt. Natürlich ist das Parlament verantwortlich und die Regierung."

Weltweit Desinformationskampagnen

Laut des WHO-Generaldirektors Tedros Adhanom Ghebreyesus würden sich Lügen über Impfstoffe nicht nur in Europa, den USA und Kanada ausbreiten, sondern auch in Ländern wie Pakistan oder der Demokratischen Republik Kongo. Das behindere auch "den Kampf gegen Kinderlähmung, Ebola und andere Krankheiten, denen mit Impfstoffen begegnet werden kann".

EU und WHO wollen dem gemeinsam entgegenwirken und arbeiten deshalb auch mit digitalen Plattformen und sozialen Netzwerken zusammen, um dort gezielt gegen Desinformation vorzugehen. Ghebreyesus nannte die beginnende Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Pinterest und Facebook "einen guten Anfang", aber es müsse noch deutlich mehr getan werden.