So zu tun, als müsste man die Erforschung unseres Essens so wie die von Medikamenten behandeln, ist also wenig hilfreich.* Irreführend ist außerdem, dass die fünf Arbeiten im Abstract als "Empfehlungen für Ernährungsleitlinien" (Dietary Guideline Recommendations) bezeichnet werden, als sei hier eine echte Leitlinie für Mediziner und Gesundheitsbehörden erarbeitet worden. Tatsächlich handelt es sich nicht um ein Gremium von Fachgesellschaften, wie dies für Leitlinienempfehlungen üblich ist.

In den Medien untergegangen ist auch, dass sich die Autorengruppe selbst nicht einig war: Von den 14 Mitgliedern des Entscheidungsgremiums waren immerhin drei der Ansicht, man müsse den Menschen empfehlen, weniger Fleisch zu essen. Der Empfehlung, so weiterzumachen wie bisher, liegt außerdem ein logischer Fehler zugrunde: Denn wie soll eine schlechte, nicht ausreichende Studienlage – wie die Autoren sie als Argument heranziehen – diese Empfehlung untermauern? Richtig wäre in so einem Fall gewesen, gar nichts zu empfehlen. Tatsächlich bewerteten die Forscher den Evidenzgrad dieser Empfehlung selbst als "gering". Kein Wunder also, dass unmittelbar nach der Veröffentlichung zahlreiche Gegendarstellungen namhafter Wissenschaftlerinnen und Institutionen erschienen, unter anderem vom World Cancer Research Fund und vom deutschen Max-Rubner-Institut.

Überhaupt nicht untersucht wurde, wie sich eine vegane oder vegetarische Ernährung auswirkt. Nur zu schauen, was dreimal Fleisch pro Woche weniger ausmacht, ist so, als würde man untersuchen, ob es das Krebsrisiko eines Kettenrauchers senkt, wenn er drei Zigaretten pro Tag weniger raucht. Selbst wenn sich dabei ein Unterschied feststellen ließe, wäre dieser wohl minimal. Wäre das Grund genug, zu behaupten, Rauchen sei gar nicht so schädlich? Und Rauchern zu empfehlen, weiterzumachen?

Viel Fleisch ist ganz sicher nicht gesund

Ab welchem Grad von Evidenz jeder Einzelne sein Verhalten ändert, ist eine persönliche Entscheidung. Und Gründe, auf Fleisch zu verzichten, gibt es neben den Gesundheitsrisiken genug: das Klima zum Beispiel. Oder die Qualen der Massentierhaltung.

Der Autor dieses Artikels bloggt auf ernaehrungsmedizin.blog. Dieser Artikel ist eine redigierte Version einer seiner Blogbeiträge.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde ein Interessenkonflikt angedeutet, da die Texas A&M von Geldern aus der Agrarwirtschaft gefördert wird. Dies ist zwar richtig, betrifft aber nur einen der 19 Autorinnen und Autoren. Alle anderen forschen an unzweifelhaft unabhängigen Einrichtungen, etwa dem Cochrane-Zentrum Barcelona, der Uni Freiburg oder der Harvard-Universität.