Jedes sechste Kind wird innerhalb eines Jahres wegen einer Unfallverletzung ärztlich behandelt. Knapp 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zeigen Symptome einer Essstörung. Die Beweglichkeit und Motorik stagniert auf niedrigem Niveau. Und 36 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen haben in den letzten sieben Tagen mindestens ein Arzneimittel oder ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Dies sind nur einige der Ergebnisse aus Deutschlands Langzeitstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die jetzt im Bundesgesundheitsblatt, der offiziellen Fachzeitschrift für Deutschlands Gesundheitswesen, veröffentlicht wurden.

Seit mehr als 15 Jahren führt das Robert Koch-Institut (RKI) die Langzeitstudie durch, die auch als Kinder- und Jugend-Gesundheitssurvey, abgekürzt KiGGS, bekannt ist. Die Basiserhebung von 2003 bis 2006 lieferte erstmalig belastbare Aussagen über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in allen Altersgruppen, nicht nur aus Befragungen, sondern auch aus körperlichen Untersuchungen. In einer ersten Welle wurden von 2009 bis 2012 die Daten von knapp 13.000 Kindern und Jugendlichen erhoben, in einer zweiten Welle von 2014 bis 2017 die von gut 15.000.

Den meisten Kindern geht es gut

Zunächst lässt sich feststellen, dass es den meisten Kindern in Deutschland gesundheitlich gut geht. So sind – nach Auswertung der Daten aus der zweiten Welle der Erhebung – nur rund 4,3 Prozent aller Drei- bis 17-Jährigen von dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen betroffen: Mit 4,6 Prozent trifft es Jungen etwas häufiger als Mädchen (3,9 Prozent).

Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Armut ein entscheidender Faktor ist (Bundesgesundheitsblatt: Lampertz & Kuntz, 2019) – auch hierzulande: So litten Kinder aus armen Familien im Schnitt doppelt so häufig an dauerhaften Gesundheitsproblemen wie Gleichaltrige, deren Eltern nicht arm sind. Den Autoren zufolge lebten im Jahr 2017 mehr als 2,7 Millionen Kinder und Jugendliche in Familien, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Damit sind 20 Prozent aller Unter-18-Jährigen in Deutschland arm – ein höherer Anteil als unter Erwachsenen: Unter ihnen machen die Ärmsten nur 15 Prozent der Bevölkerung aus. Auch was die Bewegung angeht, schnitten Heranwachsende aus Familien mit wenig Einkommen schlechter ab: Sie bewegen sich im Durchschnitt weniger und nehmen ihre Gesundheit allgemein als schlechter wahr.

Übergewicht und Bewegungsmangel bleiben ein Problem

Seit Jahren wird diskutiert, ob in Deutschland immer mehr Heranwachsende übergewichtig sind. Die Auswertung der zweiten Welle der KiGGS-Erhebung konnte das nicht bestätigen (Bundesgesundheitsblatt: Schienkiewitz et al., 2019). Zunächst einmal haben 70 Prozent aller Kinder hierzulande den Daten zufolge Normalgewicht.

Unter den in den Jahren 2014 bis 2017 befragten und untersuchten Kindern und Jugendlichen waren 15,4 Prozent übergewichtig, davon 5,9 Prozent fettleibig, was Medizinerinnen als Adipositas bezeichnen. Die Autoren der Studie schreiben: "Seit der KiGGS-Basiserhebung 2003 bis 2006 scheinen Untergewichts- , Übergewichts- und Adipositasprävalenzen insgesamt in beiden Geschlechtern und in allen Altersgruppen [...] zu stagnieren." Untergewichtig waren zuletzt 7,6 Prozent, davon 2,4 Prozent stark.