Nach Jahren mit großen Überschüssen könnten die gesetzlichen Krankenkassen bis 2040 ein Defizit von annähernd 50 Milliarden Euro angesammelt haben. Das geht aus einer Studie des Iges-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Demnach müsste der Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent schrittweise auf 16,9 Prozent steigen, um die vorausberechneten künftigen Ausgabensteigerungen zu finanzieren.

Es zeichne sich ab, dass sich spätestens ab Mitte der 2020er-Jahre die Schere zwischen Gesundheitsausgaben und Beitragseinnahmen "wieder in Richtung Defizit" öffnen werde. Ein wesentlicher Treiber sei die demografische Entwicklung – mit einem steigenden Anteil älterer Menschen, die eher Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Vor allem aber sinke mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter deren Beitrag zu den GKV-Einnahmen.

Auf wichtige Einflussfaktoren für die Finanzsituation der GKV wie die Entwicklung der Beschäftigung, des Einkommens oder die Preisentwicklung im Gesundheitswesen habe die Politik keinen direkten Einfluss, sagte Stiftungsexperte Stefan Etgeton. Es gebe aber wirkungsvolle politische Instrumente, um einem Defizit entgegenzuwirken: So könnten etwa Überkapazitäten im Klinikbereich abgebaut werden, um Kosten zu sparen.

Eine Frage des "sozialen Zusammenhalts"

Der Bundeszuschuss, also Steuermittel, für die GKV von aktuell jährlich 14,5 Milliarden Euro solle stufenweise steigen, empfiehlt die Stiftung. Wolle man den allgemeinen Beitragssatz (ohne Zusatzbeitrag) stabil auf rund 15 Prozent halten, müsse der Zuschuss ab 2028 alle zwei Jahre erhöht werden – dieser würde laut Studie im Jahr 2040 rund 70 Milliarden Euro betragen. Derzeit liegt der Beitragssatz bei 14,6 Prozent.  

Die Kassen können zudem individuell einen Zusatzbeitrag festlegen. Vergangenes Jahr hatte das Bundesgesundheitsministerium für die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von zwei Milliarden Euro gemeldet, 2017 waren es drei Milliarden gewesen. Ende 2018 betrugen die Rücklagen der Kassen 21 Milliarden Euro. 

Die Studie empfahl unter anderem eine "tabulose" Debatte über das Verhältnis von gesetzlichen und privaten Kassen. Die wohlhabenderen und im Durchschnitt gesünderen Teile der Bevölkerung sollten sich nicht aus dem Solidarausgleich verabschieden dürfen. Dies sei eine Frage des "sozialen Zusammenhalts".