Erst Keime in Fleischwaren, nun schädliche Bakterien in der Frischmilch: Eine defekte Dichtung ist womöglich die Ursache für verunreinigte Chargen fettarmer Frischmilch in deutschen Supermärkten. Der Hersteller Deutsches Milchkontor (DMK) warnt seit Freitagfrüh vor dem Inhalt einiger seiner Milchpackungen: Supermärkte wie Rewe, Lidl, Aldi, Real und Metro sind betroffen. Es gilt eine bundesweite Lebensmittelwarnung.

ZEIT ONLINE hat für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt:

Welche Produkte sind betroffen?

Betroffen sind ausschließlich Ein-Liter-Verpackungen von Milch mit 1,5 Prozent Fettgehalt und dem Identitätskennzeichen DE NW 508 EG, die bis zum 20.10.2019 oder früher haltbar sind. Hergestellt haben sie das DMK und die Fude + Serrahn Milchprodukte GmbH. Zu den Marken zählen Aro, Milsani, Milfina, K-Classic, Milbona, Tip, Hofgut, Gut & Günstig, Gutes Land sowie Ja!, wie einer online verfügbaren Liste zu entnehmen ist. Die Informationen finden Sie auch in der Box unten.

Geliefert wurde die Milch an fast alle großen Lebensmittelhändler in Deutschland. Sie haben die betreffenden Packungen aus dem Handel genommen. Lidl teilte auf Anfrage mit, die Ware sei ausschließlich in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verkauft worden. Für andere Supermarktketten gab es zunächst keine Angaben zum Verkaufsgebiet.

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Welche Bakterien sind in der Milch?

Die Gattung Aeromonas gehört zur Familie der Aeromonadaceae. Die stäbchenförmigen Bakterien leben üblicherweise in Süß- und Brackwasser. Sie halten Temperaturen von 1 bis 45 Grad Celsius Celsius aus, was bedeutet: Sowohl im Kühlschrank als auch leicht erwärmt können sie überleben. Ist die Flüssigkeit heißer, sterben sie ab. Forscher haben die Bakterien schon in Fisch-, Fleisch- und Milchprodukten sowie frischem Gemüse gefunden. Dennoch sind weltweit nur wenige Krankheitsausbrüche dokumentiert
(Scientific World Journal: Igbinosa et al., 2012).

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Wie krank machen die Keime?

Aeromonas können beim Menschen zu Magen-Darm-Erkrankungen sowie Wundinfektionen führen. Kinder wie Erwachsene können davon betroffen sein. Zwei Formen von Magen-Darm-Entzündungen sind durch Aeromonas hydrophila möglich: Einerseits eine choleraähnliche Form mit wässrigem Durchfall, andererseits eine Form, die blutig-schleimigen Durchfall verursacht.

Zumeist verlaufen die Infektionen leicht. Besonders wichtig, wer erkrankt ist: Viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, wie die Schweizer Gesundheitsdirektion schreibt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen zudem eine Behandlung mit Antibiotika. 

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem müssen besonders auf sich achten: Ist die körpereigene Abwehr bereits kraftloser als üblich, sind auch schwere Krankheitsverläufe möglich. Dazu zählen auch Haut- oder Weichteilinfektionen sowie Entzündungen des Knochens oder Knochenmarks, etwa wenn die Keime in eine Wunde gelangen. In seltenen unbehandelten Fällen kam es zu einer Blutvergiftung (Sepsis).

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Was sollten Verbraucher nun beachten?

"Verbraucherinnen und Verbraucher sollten die Milch auf keinen Fall trinken und können die gekauften Verpackungen im Laden zurückgeben", sagt die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen, Sonja Pannenbecker. Der Kaufpreis wird auch ohne Vorlage des Kassenbons erstattet.

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Wie kamen die Keime überhaupt in die Milch?

Die Erreger, die Durchfall auslösen können, seien über eine defekte Dichtung in die Produktion des Werks Everswinkel im Münsterland in Nordrhein-Westfalen gelangt. Das sagte ein DMK-Sprecher am Freitag in Bremen. Das Problem sei bei einer Routinekontrolle bekannt geworden und nun behoben.

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