Die Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesundheit der Menschen sind bereits heute spürbar. Besonders betroffen vom Klimawandel sind Kinder. Das geht aus einer Studie im Fachjournal The Lancet hervor. Bei einem Weiterwirtschaften wie bisher "wird das Leben jedes heute geborenen Kindes tiefgreifend vom Klimawandel beeinträchtigt werden", teilt das Konsortium The Lancet Countdown mit. Gehe der CO2-Ausstoß weiter wie bisher, werde ein derzeit geborenes Kind an seinem 71. Geburtstag im Schnitt in einer um vier Grad wärmeren Welt leben.

Kinder seien von den Auswirkungen des Klimawandel am stärksten betroffen, sagte Nick Watts, der Chef des Lancet-Konsortiums. Ihr Körper und ihr Immunsystem entwickele sich noch und Schäden in der Kindheit könnten bleiben.  

Auch Ernterückgänge durch den Klimawandel und infolgedessen Unterernährung träfen sie schlimmer als Erwachsene. Sie litten stärker an Durchfall und an von Mücken übertragenen Erkrankungen wie Dengue. Seit 2000 gab es neun von zehn Jahren mit besten Bedingungen für Dengue-Mücken. Auch die Bedingungen für den Cholera-Erreger hätten sich seit Anfang der Achtzigerjahre verbessert.

Auch über 65-Jährige besonders betroffen

Eine Gruppe von Bakterien, die Vibrionen, werde ebenfalls eine zunehmende Gefahr, auch in der Ostsee, heißt es in dem Lancet-Report. Die Erreger können Magen-Darm- und Wundinfektionen verursachen. Seit den Achtzigerjahren habe sich aufgrund höherer Wassertemperaturen die Anzahl der Tage verdoppelt, an denen man sich mit Vibrionen in der Ostsee anstecken kann. 2018 waren es 107 Tage.

Auch ältere Menschen belastet die Erderwärmung. Vergangenes Jahr erlebten über 65-Jährige in Deutschland mehr Hitzewellen als im Schnitt der Jahre 1986 bis 2005. Das geht aus einer gesonderten Mitteilung des Lancet-Teams hervor, die Daten für Deutschland zusammenfasst. Im Jahr 2016 trug demnach die Feinstaubbelastung zu über 44.800 frühzeitigen Todesfällen in der Bundesrepublik bei, 8.000 davon seien auf die Verbrennung von Kohle zurückzuführen. Insgesamt habe die Luftverschmutzung 2016 weltweit zu sieben Millionen Todesfällen geführt, 2,9 Millionen davon habe Feinstaub verursacht. 

Schneller Kohleausstieg essenziell

"Eine nie dagewesene Herausforderung verlangt eine nie dagewesene Reaktion und es benötigt die Mitarbeit der 7,5 Milliarden derzeit lebenden Menschen, um sicherzustellen, dass ein heute geborenes Kind nicht durch ein sich wandelndes Klima bestimmt wird", heißt es in dem Bericht.

Die Autorinnen und Autoren fordern daher eine schnelle und komplette Abkehr vom Kohlestrom weltweit. Außerdem müssten die reichen Staaten wie bereits zugesagt auch wirklich den ärmeren ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar an Klimaunterstützung zu geben. Zugleich müsste der öffentliche Verkehr sowie das Gehen und Radfahren gefördert werden, etwa mit mehr Radwegen. Damit durch die Erderwärmung geschädigten Menschen geholfen werden kann, müsse außerdem in Gesundheitssysteme investiert werden.

Würde die Erderwärmung wie im Pariser Klimaabkommen gewünscht auf 1,5 Grad begrenzt und Versprechen der Länder eingehalten, sähe es um die Zukunft der Kinder besser aus. Ein Kind in England könnte dann mit sechs Jahren den Kohleausstieg erleben, in Frankreich mit 21 Jahren den Abschied von Benzin- und Dieselautos und alle heute Geborenen weltweit könnten mit 31 Jahren erleben, dass nur noch so viel CO2 produziert wird, wie von der Natur oder mit technischen Mitteln aufgenommen werden kann. Zugleich könnte die Luft reiner und die Infrastruktur besser sein.

An der Studie sind Forschende aus 35 Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Universitäten beteiligt.

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