Es ist Erkältungszeit. Der Sitznachbar im Bus niest, das Kind hustet. Die Arbeitskollegin klagt über ihre laufende Nase. Viele Menschen wollen vor allem eines: sich nicht anstecken. Aber wie gefährlich sind Krankheitserreger im Alltag? Kann uns der Haltegriff im Bus wirklich krank machen? Und sollten wir die Tastatur und den Schreibtisch desinfizieren, wenn jemand anderes dort gearbeitet hat?

Sobald die Temperaturen sinken und das Immunsystem schwächelt, stecken Menschen sich besonders leicht mit Erkältungs- und Grippeviren an. Neben den klassischen Influenzaviren unterscheiden Medizinerinnen und Mediziner mehr als 200 Typen von Erkältungsviren. Dabei wird jeder zweite Schnupfen durch Rhinoviren verursacht.

Beim Husten und Niesen gelangen die Erreger in Form von kleinen, virushaltigen Tröpfchen in die Luft – und werden womöglich von Mitmenschen eingeatmet. Neben dieser Tröpfcheninfektion können Viren aber auch per Schmierinfektion weitergegeben werden. Wer einen befallenen Gegenstand berührt und sich anschließend ins Gesicht fasst, macht es den Erregern leicht, über die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund in den Körper einzudringen.

Ob an Türklinken, Einkaufswagen, auf Handläufen von Rolltreppen oder in Verkehrsmitteln: Keime lauern überall. Im Jahr 2016 untersuchte eine Gruppe von amerikanischen Forschern, welche Mikroorganismen auf Oberflächen etwa in Bostoner U-Bahnen mitreisen. Die meisten Mikroorganismen fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Griffen, etwas weniger auf Sitzen und auf den Bildschirmen von Fahrkartenautomaten (The American Society of Microbiology Journals: Hsu et al., 2016).

Der Großteil der entdeckten Keime waren harmlose Hautbewohner des Menschen, die schon öfter an öffentlichen, viel frequentierten Orten nachgewiesen worden waren (Cell Reports: Kang et al., 2018). An den Sitzen fand das Forschungsteam außerdem Bakterien aus der Darmflora. Ähnlich wie die Hautkeime sind auch Darmkeime in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Seltenheit. Klingt eklig, aber wird man wirklich krank, wenn man einen verkeimten Haltegriff in der U-Bahn benutzt?

Bakterien lieben Krümel auf der Tastatur

Ernst Tabori ist ärztlicher Direktor am Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg. Er kennt sich aus mit mikrobiellen Funden an öffentlichen Orten. "Wo viele Menschen sind, sind auch viele Keime. Nicht die Gesamtzahl an Mikroorganismen als solches entscheidet über eine mögliche Infektion, sondern primär um welche Keime es sich handelt", sagt der Hygieniker. Ausschlaggebend sei, ob sich unter den Mikroben Infektionen verursachende, also pathogene Erreger befänden.

Die meisten Keime und Darmkeime sind weitgehend unbedenklich. Mitunter verbreiten sich aber auch Durchfallerreger wie Noroviren oder Rotaviren über Griffe, Displays oder Treppengeländer (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Und bei Noroviren gilt: Schon eine winzige Dosis kann krank machen (Krankenhaushygiene up2date: Kleines, 2018).

Auch der eigene Arbeitsplatz ist ein Tummelplatz für Keime. Das zeigt eine Studie, die Forscher der University of Arizona für den Hygienehersteller Kimberly-Clark durchgeführt hatten, der – das muss man berücksichtigen – ein Geschäftsinteresse daran haben dürfte, verkeimte Orte ausfindig zu machen. Laut der Studie finden sich die meisten Keime auf Telefonen. Knapp 4.000 sind es durchschnittlich pro Quadratzentimeter. Auf Tastaturen sind es hingegen nur 510, fast schon sauber also.

Dabei stammen die meisten Keime ohnehin vom eigenen Körper, zumindest wenn man den Schreibtisch nicht mit Kolleginnen und Kollegen teilt. Dennoch raten Fachleute dazu, Bürogegenstände in regelmäßigen Abständen zu reinigen. Besonders auch von etwaigen Überbleibseln des Frühstücksbrötchens. Denn Lebensmittelreste können das Wachstum von Bakterien fördern (American Journal of Infection Control: Messina et al., 2011).