Der Hersteller des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat hat auch in Deutschland verdeckt Studien zum Nutzen des Herbizids mitfinanziert. Dies ergeben Recherchen der Organisation Lobbycontrol sowie der ARD-Sendung Monitor und der Süddeutschen Zeitung. Betroffen ist demnach einer der führenden deutschen Agrarwissenschaftler, der in zwei Studien die positiven Wirkungen von Glyphosat herausgestrichen hatte – mithilfe von Monsanto.

Den Berichten zufolge handelt es sich bei dem Experten um Professor Dr. Dr. h.c. Michael Schmitz, der bis 2015 an der Universität Gießen lehrte. Zudem arbeitete er als Gutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und war 20 Jahre lang als Sachverständiger für das Bundeslandwirtschaftsministerium tätig. Konfrontiert mit den Vorwürfen, möchte der Agrarökonom zur verdeckten Finanzierung keine Stellung beziehen, sondern verweist auf die wissenschaftliche Korrektheit seiner Arbeiten. "Die Unabhängigkeit der Wissenschaft ist am Output zu messen, also an den Veröffentlichungen und deren Qualität", zitiert ihn die ARD.

"Wohlstandsverlust" und gut für die Ackerböden

Im Einzelnen geht es zunächst um eine Studie aus dem Jahr 2011. Wie sowohl der Sender als auch Lobbycontrol und die Süddeutsche Zeitung berichten, kommt Schmitz darin mit anderen Wissenschaftlern zu eindeutigen Ergebnissen: Würde man in Deutschland auf den Einsatz von Glyphosat verzichten, drohe ein "Wohlstandsverlust" in Milliardenhöhe. Die zweite betroffene Studie stammt aus dem Jahr 2015 und befasst sich laut den Recherchen mit den ökologischen Folgen des Mitteleinsatzes. Kein Problem, resümieren Schmitz und seine Kollegen darin: Glyphosat schone den Ackerboden und senke den CO2-Ausstoß.

Den Medienberichten zufolge entstand letztere Studie an einem "Institut für Agribusiness", das Schmitz Anfang der Neunzigerjahre mit Landwirtschaftspolitikern und Lobbyisten aus der Agrar-, Saatgut- oder Pflanzenschutzindustrie gegründet haben soll. Vorgestellt und auch veröffentlicht wurden die Ergebnisse aber mit Verweis auf die Alma Mater des Professors, auch wenn die Justus-Liebig-Universität Gießen mit dieser privaten Auftragsarbeit nichts zu tun hatte.

"Entspricht nicht den Grundsätzen des Unternehmens"

Nachzulesen waren beide Glyphosat-Studien im Journal für Kulturpflanzen, dem Fachjournal der Bundesforschungsstelle des Julius-Kühn-Instituts, sowie in der Glyphosat-Information der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und in der Literaturliste des Bundestages. Verwendet wurde der Text auch im Zuge des Zulassungsverfahrens von Glyphosat in der EU, wie die Süddeutsche schreibt.

Nach Informationen des gesamten Lobbyverbunds nutzte auch der Bayer-Konzern, zu dem das US-Unternehmen Monsanto inzwischen gehört, bis zuletzt eine der Studien von Schmitz für seine Öffentlichkeitsarbeit. Auf seiner weltweiten Info-Seite zu Glyphosat tauchte sie bis vor wenigen Tagen als ganz normale Informationsquelle auf. Inzwischen wurde sie dort gelöscht. Der Süddeutschen Zeitung bestätigte Bayer, dass Monsanto die Studien "in Auftrag gegeben und mitfinanziert" hat. Bayer teilte auf Anfrage mit, der fehlende Hinweis auf die Finanzierung entspreche nicht den Grundsätzen des Unternehmens. Man habe aber "keinen Anlass, an den Methoden, Inhalten oder Ergebnissen der Studien zu zweifeln".