Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind im vergangenen Jahr 140.000 Menschen an Masern gestorben. Die meisten davon sind Kinder unter fünf Jahren. Im Langzeitvergleich ist die Zahl der Todesopfer damit gesunken: Im Jahr 2000 starben noch 535.000 Menschen an der Krankheit. Jedoch wird der Trend bestätigt, dass die Zahl der Maserntodesopfer in den vergangenen Jahren wieder steigt. So gab es 2018 den WHO-Schätzungen zufolge rund 16.000 Maserntote mehr als 2017.

Ähnlich wie die Todeszahlen veränderten sich zuletzt auch die geschätzten Infektionen, die nach einem drastischen Rückgang ebenfalls wieder angestiegen sind. Nach WHO-Schätzungen gab es 2018 knapp 9,8 Millionen Masernfälle, im Jahr davor fast 7,6 Millionen. Da in vielen Ländern keine Meldepflicht besteht, wird laut WHO nur ein Bruchteil der Masernfälle bekannt.

"Die Tatsache, dass ein Kind aufgrund einer Krankheit wie Masern stirbt, der durch Impfung vorgebeugt werden kann, ist offen gesagt ein Frevel und ein kollektives Versagen beim Schutz der Verletzlichsten", sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. Der Organisation zufolge sind die Impfraten im vergangenen Jahrzehnt aber weltweit konstant geblieben.

Die WHO schätzt, dass 86 Prozent der Kinder eine erste Impfung erhalten, nur rund 70 Prozent dann aber die empfohlene zweite Dosis. Nach WHO-Angaben ist eine Impfrate von 95 Prozent mit zwei Dosen in jedem Land nötig, um die Bevölkerung vor der Krankheit zu schützen.

Mehr Tote durch Masern als durch Ebola

Besonders verbreitet sind Masern in der Demokratischen Republik Kongo. Die Behörden gehen davon aus, dass allein dort mehr als 5.000 Menschen an Masern gestorben sind – weit mehr als beim Ebola-Ausbruch seit Sommer 2018 mit rund 2.200 Toten bislang. Ebenfalls stark betroffen sind die afrikanischen Staaten Liberia, Madagaskar und Somalia. Aber auch in der Ukraine kam es zu einem großen Ausbruch mit fast 57.000 gemeldeten Masernfällen. Auf diese fünf Staaten entfällt letztlich fast die Hälfte aller gemeldeten Masernfälle. Auch in den USA – die einst als masernfrei galten – gibt es wieder mehr Masernerkrankungen, das Land verzeichnete so viele Fälle wie seit 25 Jahren nicht mehr. Erst in der vergangenen Woche sind zudem im polynesischen Inselstaat Samoa mindestens 53 Menschen bei einem Masernausbruch gestorben.

Ein Grund für die zunehmende Zahl der Masernerkrankungen ist laut der WHO eine zu niedrige Impfrate. Expertinnen und Experten beklagen unter anderem Lücken in der Versorgung mit den Impfstoffen. "Die Gesundheitssysteme sind in manchen Ländern sehr geschwächt. Da gibt es dann oft Lücken in der Versorgungskette, insbesondere beim Masernimpfstoff", sagte Marcus Bachmann, der für Ärzte ohne Grenzen mehrmals Einsatzleiter im Kongo war. Der Masernimpfstoff müsse zudem bis zur Verabreichung permanent gekühlt werden, was in vielen Ländern eine große Herausforderung sei.

Speziell im Kongo steht laut Bachmann zudem der Kampf gegen Ebola im Mittelpunkt, was sich auch finanziell deutlich bemerkbar mache. "Die Menschen vor Ort können dieses Ungleichgewicht gar nicht verstehen. Sie haben große Sorgen wegen der Masern, weil die ihre Kinder oft töten", sagte Bachmann. Für das kommende Jahr gibt es ihm zufolge wenig Grund für Optimismus. Die typischen Probleme in einigen Ländern – schlechte Überwachung und zu langsame Prüfung neuer Fälle, fehlende Impfungen und grundsätzlich Unsicherheit durch Konflikte – ließen sich schließlich nicht "von heute auf morgen" lösen.

501 Masernerkrankungen in Deutschland

In Deutschland wurden bis November 501 Masernfälle gezählt – 2018 waren es im selben Zeitraum 528 Fälle. Die Zahlen in Deutschland schwanken von Jahr zu Jahr jedoch sehr. Sie lagen in den vergangenen zehn Jahren zwischen 165 und 2.465 Fällen pro Jahr.

Zum stärkeren Schutz vor der hoch ansteckenden Krankheit hat der Bundestag im November ein Gesetz für eine Impfpflicht beschlossen. Es soll zum 1. März 2020 in Kraft treten. Eltern müssen dann vor der Aufnahme in Kitas oder Schulen nachweisen, dass ihre Kinder geimpft sind. Für Kinder, die schon zur Kita oder in die Schule gehen, muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 vorliegen. Bei Verstößen drohen bis zu 2.500 Euro Bußgeld. Greifen soll die Impfpflicht auch für Lehrkräfte und Erzieherinnen sowie für Personal in medizinischen Einrichtungen.

Zu den Masernsymptomen zählen ein Ausschlag der Mundschleimhaut und die charakteristischen bräunlich-rosafarbenen Hautflecken. Die Infektion schwächt vorübergehend das Immunsystem, sodass es leichter zu Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung oder Durchfall kommt. Eine besonders gefürchtete Folge sind bestimmte Hirnentzündungen, die tödlich enden können.