Nach dem Ausbruch einer mysteriösen Lungenkrankheit in der zentralchinesischen Stadt Wuhan sind vier weitere Infektionen bestätigt worden. Die Zahl der Fälle in der Stadt steigt damit auf 45, wie Gesundheitsbehörden mitteilten. Zwei Patienten sind an dem durch ein neuartiges Coronavirus ausgelösten Lungenleiden gestorben, fünf Fälle wurden als ernst beschrieben.

Auch in Japan und Thailand sind zwei Infektionen von Reisenden bestätigt, die aus Wuhan kamen. Gleich 81 Verdachtsfälle wurden in Hongkong gemeldet, allerdings ist keiner davon bisher bestätigt worden. Auch aus Taiwan, Südkorea, Singapur, Vietnam und Nepal kamen Berichte von Verdachtsfällen, die aber bislang ebenso unbestätigt sind. 

Mehrere Nachbarländer Chinas haben vorsorglich Fieberkontrollen bei der Einreise am Flughafen eingeführt. Auch die Flughäfen in New York, San Francisco und Los Angeles kontrollieren Passagiere aus Wuhan. China selbst hat bisher keine Reisebeschränkungen erlassen, plant aber umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen für das anstehende chinesische Neujahrsfest. Unter anderem werden Fieber-Messstationen eingerichtet.

Expertenangaben zufolge ähnelt der neue Erreger dem Sars-Virus, das 2002 und 2003 knapp 800 Menschen in China und Hongkong getötet hatte. Unterschiede gibt es demzufolge bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andockt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch soll unwahrscheinlich sein, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Der Ursprung des Virus wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf einem Fischmarkt in Wuhan vermutet. Der Markt wurde am 1. Januar geschlossen. 

Londoner Wissenschaftler vermuten 1.700 Fälle

Ein in London vorgelegter Forschungsbericht des Zentrums für die Analyse globaler Viruserkrankungen schätzt unterdessen die Zahl der Fälle wesentlich höher ein als bisher von chinesischen Behörden gemeldet. Mehr als 1.700 Menschen sollen den Forschern zufolge inzwischen mit dem Virus infiziert sein. 

Ihre Schätzung begründeten sie mit dem Auftreten des Virus in Thailand und Japan. Dass die Krankheit auch ins Ausland gelangt sei, setze voraus, "dass es viel mehr Fälle gibt, als gemeldet worden sind", sagte der Studienautor Neil Ferguson der BBC. "Ich bin deutlich besorgter als noch vor einer Woche."

Um Alarm zu schlagen, sei es aber zu früh, sagte Ferguson. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass allein die Übertragung vom Tier auf den Menschen Ursache der Infektionen sei. Nachgewiesen sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch aber bislang nicht, wie auch die WHO mitgeteilt hat.