Die neuartige Lungenkrankheit – ausgelöst durch ein Coronavirus – hat in China weiteren Patienten das Leben gekostet und wurde nun mit einem ersten Fall auch in Taiwan bestätigt. Wie die Gesundheitsbehörde der chinesischen Metropole Wuhan mitteilte, wurden nun sechs Todesfälle bestätigt. Zudem gab die Nationale Gesundheitskommission allein an diesem Dienstag 77 neue Infektionen bekannt. Damit registrierten die chinesischen Behörden 291 Fälle seit Beginn des Ausbruchs der Atemwegserkrankung im Dezember.

Demnach soll das neuartige Coronavirus erstmals auf einem Fisch- und Geflügelmarkt in Wuhan aufgetreten sein. Tatsächlich gibt es in der Stadt die meisten registrierten Erkrankten. Allerdings findet sich das Virus inzwischen auch in anderen Provinzen, etwa in Guangdong, Sichuan und Yunnan, sowie in den Metropolen Peking und Shanghai. Rund 900 Menschen stehen landesweit wegen einer möglichen Infektion unter Beobachtung.

Neben Taiwan wurden auch Nachweise aus Thailand, Japan und Südkorea bekannt. Betroffen waren stets Menschen, die zuvor in China waren. Je ein Verdachtsfall wird derzeit in Australien und auf den Philippinen geprüft.

Erinnerungen an Sars-Epidemie

Dabei wächst die Angst vor einer raschen Ausbreitung des Virus, nachdem die chinesischen Behörden am Montag bestätigt hatten, dass das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Derzeit machen sich in China anlässlich des bevorstehenden Neujahrsfests Millionen Menschen auf den Weg, um Verwandte und Freunde zu besuchen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief für diesen Mittwoch ihren Notfallausschuss ein. Sollte sie einen internationalen Gesundheitsnotstand ausrufen, könnten weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit eingeleitet werden. Dazu gehören auch Grenzkontrollen und das Einrichten spezialisierter Behandlungszentren.

Die Krankheit weckt Erinnerungen an das – aus derselben Virusfamilie stammende – schwere akute Atemwegssyndrom (Sars), das ebenfalls in China seinen Ursprung hatte. An der Sars-Epidemie starben in den Jahren 2002 und 2003 weltweit fast 800 Menschen. So wie damals klagen auch die nun Erkrankten über Fieber und Atemprobleme. Diese Symptome – bis hin zu einer Lungenentzündung – treten allerdings auch bei anderen Atemwegserkrankungen auf, daher sind weitere Untersuchungen nötig.

Ungeachtet der nun bestätigten Mensch-zu-Mensch-Übertragung hält das Robert Koch-Institut (RKI) die Gefahr für Deutschland weiter für gering. Laut einem Sprecher gibt es bislang keine Belege dafür, dass das Virus wie bei einer Grippe einfach so übertragen wird. Dies geschehe nun in ganz bestimmten Ausnahmefällen.

"Deutsches Gesundheitssystem dafür gut ausgestattet"

An der Berliner Charité – dem größten deutschen Krankenhaus – bereitet man sich indes auf erste mögliche Patienten vor. Man habe bereits "alle Testsysteme hochgefahren", um eine Infektion bei Bedarf schnell nachweisen zu können, sagte der Virologe Christian Drosten im Deutschlandfunk. "Wir müssen damit rechnen, dass wir Fälle nach Deutschland bekommen, und wir müssen uns im gesamten Gesundheitssystem darauf vorbereiten", so der Experte.

Drosten zufolge müssen die Gesundheitsbehörden das neuartige Virus "sehr ernst" nehmen. "Das ganze Bild nimmt jetzt doch mehr Ähnlichkeit mit der damaligen Sars-Epidemie an", sagte er.  Die nun für das neue Virus erwiesene Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch mache es gefährlicher.

Der Virologe hält das Gesundheitssystem in Deutschland aber für gut ausgestattet. Es gebe hierzulande zur Vermeidung von Epidemien "sehr gute Strukturen" wie einen nationalen Pandemieplan und eine sehr gute Koordinierung von Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen durch das Robert Koch-Institut. "Ich glaube auch nicht, dass man jetzt als Bürger da Sorge haben muss um die eigene Gesundheit", sagte Drosten.