Es geht mit hohem Fieber einher, Husten, vielleicht einer Lungenentzündung. Manchmal führt es sogar zum Tod durch Lungenversagen: Ein neues Virus breitet sich gerade in China aus. Täglich werden neue Zahlen dazu bekannt, wie viele Menschen infiziert sind. Hunderte dürften es schon sein, möglicherweise längst Tausende. Und wie bei jedem neuen Erreger, der Menschen befällt, stellen sich die großen Fragen: Wie ansteckend ist das Virus? Wird es von Mensch zu Mensch übertragen? Droht vielleicht eine neue Pandemie?

Zum ersten Mal tauchte das Virus, das Forscherinnen und Forscher mittlerweile 2019-nCoV nennen, Ende Dezember 2019 auf. Zu diesem Zeitpunkt meldeten die chinesischen Behörden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erste Fälle von Lungenentzündungen unklarer Ursache. Die ersten Infizierten waren Verkäufer eines Marktes in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, auf dem neben Fisch und Meeresfrüchten allerlei andere Tiere verkauft wurden, zum Beispiel Schlangen, Kaninchen und Fasane. An Neujahr schlossen die Behörden den Fischmarkt und desinfizierten ihn.

Nachdem es einige Zeit nur wenige neue Informationen zu Ansteckungen gab, stieg die Zahl der Infizierten zuletzt sprunghaft an. Offiziell registriert hat China mittlerweile mehr als 200 Menschen, die das Virus in sich tragen. Allein am vergangenen Wochenende kamen in Wuhan 136 neue Fälle hinzu. Vier Menschen starben, acht sollen sich in kritischem Zustand befinden. Erstmals meldeten die chinesischen Behörden zudem auch Fälle in anderen Orten des Landes: in der Hauptstadt Peking, in Schanghai und in den Provinzen Guangdong, Sichuan und Yunnan. Einzelne Infizierte haben China zudem verlassen. In Südkorea, Japan und Thailand wurden Menschen mit dem Virus diagnostiziert. Alle hatten Wuhan besucht. Wissenschaftlerinnen und Forscher des Imperial College London gehen aber von weit mehr Fällen aus. 1.700 Menschen könnten bereits infiziert sein, hieß es in einer am Freitag vorgestellten Studie, die anhand von Modellrechnungen die Dunkelziffer von Infektionen abschätzt.

China - Zahlreiche Menschen an neuartigem Coronavirus erkrankt Chinesische Gesundheitsbehörden haben 140 weitere Fälle der neuen Atemwegserkrankung registriert. Drei Menschen seien an den Folgen des Virus gestorben. © Foto: Mark Schiefelbein/​AP/​dpa

Das neue Virus ähnelt Sars

"Dieser Ausbruch ist äußerst beunruhigend. Wir hören von immer mehr Fällen in China und anderen Ländern, und höchstwahrscheinlich werden viele weitere Fälle in einer ganzen Reihe von Ländern hinzukommen", sagte Jeremy Farrar, Arzt und Leiter des Wellcome Trust, ZEIT ONLINE. Er geht davon aus, dass sich das Virus bereits von Mensch zu Mensch übertragen hat, das bestätigten dann auch die chinesischen Behörden. Farrar warnt davor, den Ausbruch zu unterschätzen. Einer der Gründe dafür: Da das Virus in vielen Fällen nur milde oder gar keine Symptome verursachen könne, dürften viele Ansteckungen gar nicht registriert werden.

Um was für ein Virus es sich genau handelt, wissen Mediziner und Forscherinnen schon seit zehn Tagen. Nur eine Woche nachdem die chinesische Regierung die Fallmeldung an die WHO übermittelt hatte, gelang es einem Forscherteam der Pekinger Akademie für Ingenieurwissenschaften, das Virus bei einem der Patienten zu isolieren und dessen Gensequenz zu entschlüsseln. Und nur eine Woche später hatten Wissenschaftler um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité einen ersten diagnostischen Test entwickelt. Drosten hatte bereits maßgeblich zur Entdeckung und der Entwicklung von Tests für andere, dem neuen Virus ähnliche Coronaviren beigetragen.

Auch das neue Virus gehört zur Gruppe der Coronaviren. Diese Erreger erscheinen unter dem Mikroskop als rundliche Gebilde und tragen auf ihrer Oberfläche stachelartige Auswüchse. Seuchenexperten und Virologinnen haben bereits Hunderte von Arten beschrieben. Sie können bei Menschen und Tieren Krankheiten verursachen, meist sind – wie auch aktuell – die Atemwege betroffen. Das Spektrum reicht von harmlosen Erkältungen bis zum Atemnotsyndrom Sars. An der Sars-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003 waren knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie fast 300 weitere in Hongkong gestorben. Das Erbgut von 2019n-CoV ähnelt dem des Sars-Virus.