Das chinesische Politbüro hat sich zu einer Krisensitzung getroffen, um über die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu beraten. Die Sitzung fand unter Leitung von Staats- und Parteichef Xi Jinping statt. Nach Angaben des Staatsfernsehens hat das zentrale Machtorgan der Partei entschieden, eine Arbeitsgruppe zum Umgang mit der neuen Lungenkrankheit einzusetzen. "Wir sind sicher, dass wir die Epidemie durch Prävention und Kontrolle besiegen können", sagte Xi den chinesischen Staatsmedien, wie die New York Times schreibt.

Mit dem Vorgehen demonstriert die Partei- und Staatsführung die Bedeutung, die sie dem Kampf gegen die Ausbreitung von 2019-nCoV beimisst. Das Virus hat sich inzwischen auf fast alle Regionen des Landes mit der Ausnahme Tibets ausgebreitet. Nach den jüngsten Angaben sind mehr als 1.300 Fälle in China bestätigt, 41 Menschen sind gestorben. Allerdings könnte die Zahl der Betroffenen allein in Wuhan, wo das Virus erstmals ausgebrochen ist, nach Schätzungen von Londoner Wissenschaftlern inzwischen bei mehr als 4.000 liegen.

Auch hat China seine Versuche, das Virus in der Region um Wuhan herum einzudämmen, intensiviert. Zuletzt wurden Bus-, Bahn- und Flugverbindungen des Gebiets mit mehreren Millionenstädten unterbrochen. Nun wird in Wuhan auch der private Autoverkehr ins Stadtzentrum eingestellt. Wie staatliche Medien meldeten, dürften nur noch Wagen mit Sondergenehmigung etwa für den Transport von Versorgungsmitteln fahren. In unterschiedlichen Vierteln seien 6.000 Taxen im Einsatz, um Anwohner notfalls zu transportieren, schrieb die Zeitung China Daily.

56 Millionen Menschen von Außenwelt abgeschnitten

Zum chinesischen Neujahrsfest hat der Staat fünf weitere Städte in der Region abriegeln lassen. Auch in ihnen ist der öffentliche Verkehr ausgesetzt worden. Auch Autobahnen wurden gesperrt. Inzwischen sind 56 Millionen Menschen vom Rest des Landes abgeschnitten. Gruppenreisen sind landesweit ab Montag verboten, das gilt auch für Reisen ins Ausland. Ausnahmen von den Reiseverboten gelten lediglich für medizinisches Personal. Normalerweise reisen um das Neujahrsfest Millionen Chinesinnen und Chinesen durchs Land, um ihre Familien zu besuchen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Maßnahme befürwortet. Zusätzlich haben die Behörden mit dem Bau einer Notfallklinik in Wuhan begonnen, die 1.000 Betten fassen und bis zum 3. Februar fertiggestellt werden soll. Auch der Bau einer weiteren Klinik mit 1.300 Betten, die binnen 14 Tagen errichtet werden soll, ist inzwischen angekündigt worden. 

Die Ärzte in Wuhan erhalten Hilfe: Am Freitag schickte die Regierung 450 Militärmediziner in die Stadt, von denen einige bereits Erfahrung in Einsätzen gegen die SARS-Epidemie und Ebola haben. Ein 62-jähriger Krankenhausarzt ist inzwischen an dem Virus gestorben. Ausländische Hersteller von Atemmasken und Schutzanzügen sind um weitere Lieferungen nach Wuhan gebeten worden, wo die Bestände sehr knapp seien, sagte ein Behördenvertreter.

Das Virus hat sich nicht nur innerhalb Chinas ausgebreitet. In zahlreichen weiteren Ländern im ostasiatischen Raum wurden inzwischen Fälle in zumeist einstelliger Höhe registriert. Auch die USA verzeichneten eine infizierte Person, am Freitag wurden drei Infizierte in Frankreich registriert. In Australien hat sich die Zahl der Infizierten zuletzt von einer auf vier Personen erhöht. Zahlreiche Länder führen inzwischen Kontrollen an Flughäfen durch, manche Staaten bereiten auch Evakuierungsmaßnahmen vor.

So spricht Russland der Nachrichtenagentur RIA zufolge mit den chinesischen Behörden darüber, russische Staatsbürger aus Wuhan in Sicherheit zu bringen. In Russland sind bisher keine Infektionen festgestellt worden. 

Einem Bericht der New York Times zufolge hat auch das US-Außenministerium damit begonnen, seine Konsulatsmitarbeiter aus Wuhan abzuziehen. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf eine mit den Plänen vertraute Person schreibt, sei für Sonntag ein Charterflug für 230 Personen organisiert worden.

Notstand in Hongkong verhängt

In Hongkong hat Regierungschefin Carrie Lam indessen den Notstand ausgerufen. Nach den Neujahrsfeiertagen sollen Schulen und Universitäten weitere zwei Wochen geschlossen werden, auch ein für den 9. Februar geplanter Marathon mit Zehntausenden erwarteten Teilnehmern ist abgesagt worden. In Hongkong sind bisher fünf Infektionen gemeldet worden.  

Das Virus soll seinen Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan haben und gehört zur Gruppe der Coronaviren. Diese lösen meist Atemwegserkrankungen aus, die in ihrer Schwere variieren können, normalerweise aber lediglich zu Erkältungen führen. Allerdings gehörte auch der Erreger der Krankheit SARS zu der Virengruppe. SARS hatte 2002 und 2003 ungefähr 800 Menschen in China und Hongkong getötet.