Coronavirus - Erster Krankheitsfall in Deutschland bestätigt In Bayern hat sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein Mann mit dem tödlichen Coronavirus infiziert. Er sei isoliert und befinde sich in einem guten Zustand. © Foto: Reuters TV

In Deutschland ist am späten Montagabend erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern habe sich infiziert, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München mit. 

Der Patient befindet sich nach Angaben der Task-Force Infektiologie des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) klinisch in einem guten Zustand, wie es in der Mitteilung hieß. "Er wird medizinisch überwacht und ist isoliert." Menschen, die engen Kontakt mit dem Patienten hatten, würden ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege informiert.

Das bayerische Gesundheitsministerium und das LGL wollen die Öffentlichkeit am Dienstagvormittag bei einer Pressekonferenz informieren. Der Ministeriumssprecher betonte: "Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der Task-Force Infektiologie des LGL und vom Robert Koch-Institut (RKI) derzeit als gering erachtet."  

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland gut vorbereitet. "Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht. Der Fall aus Bayern zeigt aber, dass wir gut vorbereitet sind", sagte er. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung bleibe nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts weiterhin gering.

Weltweit 4.000 Infektionen bestätigt

Mittlerweile sind weltweit mehr als 4.000 Infektionen mit dem von China ausgehenden Virus 2019-nCoV bestätigt. Die Zahl der Toten in China stieg am Dienstag auf 106. Die Bundesregierung diskutiert, Deutsche aus den betroffenen Gebieten in China auszufliegen. Zudem haben bereits mehrere Länder explizite Reisewarnungen ausgesprochen. Die ersten Fälle in Europa traten in Frankreich auf.

Eine Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung gibt es nicht. Die Symptome können aber mit Medikamenten abgemildert werden. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, möglicherweise sogar ohne Symptome. Von den in China registrierten Todesfällen gehen die meisten nach bisherigen Erkenntnissen auf ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen zurück. 

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht Ärzte und Kliniken in Deutschland zudem gut auf Fälle des neuartigen Coronavirus vorbereitet. "Krankenhäuser und Ärzte sind sensibilisiert", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum der Rheinischen Post. "Bei Patienten, die über akute Erkältungssymptome klagen und kürzlich in China waren, wird eine zielgerichtete Anamnese durchgeführt." Lasse sich der Verdacht nicht ausräumen, werde der Patient in einem Krankenhaus isoliert, auf das Virus getestet und genau untersucht.

Baum verwies zudem auf Krankenhausalarmpläne, die die genauen Abläufe bei außergewöhnlichen Lagen in den Bundesländern regeln. "Die Krankenhäuser sind auf Seuchen vorbereitet und proben regelmäßig den Ernstfall." RKI-Präsident Lothar Wieler sagte in einem ZDF-Interview, dass auch die deutschen Flughäfen, über die das Virus nach Deutschland eingeschleppt werden könnte, "sehr gut gewappnet" seien.

Chinesen sollen Auslandsreisen verschieben

Die japanische Regierung hat unterdessen damit begonnen, Japanerinnen und Japaner aus der abgeriegelten chinesischen Stadt Wuhan zu holen. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo teilte Außenminister Toshimitsu Motegi mit, eine erste Chartermaschine werde rund 200 Menschen zurück nach Tokio bringen. Weitere Flüge seien geplant, da rund 650 Japanerinnen und Japaner aus Wuhan in ihre Heimat zurückwollten. Bis Ende vergangener Woche lebten 710 Japanerinnen und Japaner in der Provinz Hubei, deren Hauptstadt Wuhan ist.

In Japan wurden bisher vier Fälle der neuen Lungenkrankheit bestätigt. Die Regierung hat die Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus im Land verstärkt und den Erreger als "designierte Infektionskrankheit" eingestuft. Damit erhält der Staat rechtlich die Möglichkeit zur zwangsweisen Einlieferung von Betroffenen in Krankenhäuser. Die Behandlung für zwangseingelieferte Patientinnen und Patienten will die japanische Regierung aus Steuergeldern bezahlen. Außerdem können Erkrankte durch die Klassifizierung des Erregers daran gehindert werden, zur Arbeit zu gehen.

In China haben die Behörden derweil die Bevölkerung aufgerufen, geplante Auslandsreisen möglichst zu verschieben. Bürgerinnen und Bürger, die ins Ausland wollten, sollten "den Zeitpunkt der Reise mit Vernunft wählen", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die nationale Verwaltung für Ein- und Ausreisen. "Wenn keine besondere Notwendigkeit besteht, wird empfohlen, den Zeitpunkt der Reise zu verschieben."

Lesen Sie hier, was durch den ersten bestätigten Fall in Deutschland auf uns zukommt und alle wichtigen Informationen über die Lungenkrankheit durch das neue Coronavius.