In Bayern sind drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden. Sie stünden in Zusammenhang mit dem ersten bestätigten Fall der neuen Lungenkrankheit in Deutschland, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. Auch die drei neu angesteckten Patienten seien Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der der erste Betroffene beschäftigt ist.

"Es wurde entschieden, dass auch die drei neuen Patienten in der München Klinik Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert werden", teilte das Ministerium weiter mit. "Bei einigen weiteren Kontaktpersonen läuft derzeit ein Test, ob auch hier eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt."


Webasto teilte am Dienstagabend mit, seinen Stammsitz im oberbayerischen Gauting bis Sonntag zu schließen. Bis dahin sollten Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen.

Am Montagabend war erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Deutschland bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern hatte sich bei einer Kollegin aus China angesteckt. Die Frau hatte sich demnach bei ihren aus der besonders betroffenen Stadt Wuhan in Zentralchina stammenden Eltern infiziert. Symptome entwickelte sie aber erst beim Rückflug nach China am 23. Januar.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte der Mitteilung zufolge: "Es wurden insgesamt rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt, die als enge Kontaktpersonen infrage kommen. Die Betroffenen sollen am Mittwoch vorsichtshalber getestet werden." 

Zahl der Infizierten inzwischen bei über 6.000

Das Coronavirus 2019-nCoV kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits 132 Menschen gestorben sind. Die meisten von ihnen waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 6.000 gestiegen, 80 davon außerhalb von China. In Europa wurden neben den vier Fällen in Deutschland auch vier Infizierte in Frankreich gemeldet. Damit ist die Zahl der Infektionen durch das neue Virus in China nun höher als bei der Sars-Epidemie 2002/2003.

Die EU plant, europäische Staatsbürger noch diese Woche aus der betroffenen Region um die Stadt Wuhan in China auszufliegen. In einer ersten Rückholaktion sollen bereits am heutigen Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China in Sicherheit gebracht werden.

Das erste Flugzeug der durch die EU mitfinanzierten Mission werde am Morgen von Paris starten, erklärte die EU-Kommission. In den kommenden Tagen solle ein weiteres Flugzeug hundert EU-Bürger anderer Nationalitäten zurück nach Europa holen. Ein Charterflug mit 240 US-Bürgern an Bord ist bereits aus Wuhan losgeflogen. Auch Japan hat bereits die ersten Landsleute aus dem chinesischen Wuhan zurückgeholt. Australien will auf der Weihnachtsinsel eine eigene Quarantänezone einrichten, in der sich ausgeflogene Staatsbürger zunächst 14 Tage aufhalten müssten.

Das Auswärtige Amt in Berlin erließ eine Reisewarnung für die besonders stark betroffene chinesische Provinz Hubei, in der die Stadt Wuhan liegt. Für den Rest der Volksrepublik heißt die neue Empfehlung aus Berlin, nach Möglichkeit nicht unbedingt notwendige Reisen nach China zu verschieben.

Nachzucht des Virus für Impfstoffproduktion bereits gelungen

US-Forscherinnen und -Forscher arbeiten derweil an der Entwicklung eines Impfstoffs. Der Direktor des NIH-Instituts für Allergien und Infektionserkrankungen, Anthony Fauci, sagte, der Forschungsprozess werde voraussichtlich langwierig sein, "aber wir gehen vor, als müssten wir einen Impfstoff einsetzen".

Einem Team australischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gelang bereits die Reproduktion des Coronavirus im Labor. "Mit dem echten Virus haben wir jetzt die Möglichkeit, alle Testmethoden zu validieren und zu verifizieren und ihre Empfindlichkeiten und Besonderheiten zu vergleichen", sagte Julian Druce, Leiter des Labors für Virusidentifikation am Peter Doherty Institute in Melbourne. Die gezüchtete Virusprobe könne so bei der Entwicklung eines Impfstoffs helfen.

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