Die Zahl der Coronavirus-Fälle in China steigt weiter rasant und das liegt auch an einer neuen Zählweise. Allein in der am schwersten betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina wiesen Ärzte innerhalb eines Tages 4.823 neue Infektionen nach, meldete das Staatsfernsehen mit Verweis auf Zahlen der örtlichen Gesundheitskommission in Hubei.

Damit haben sich landesweit fast 64.000 Menschen mit der neuartigen Lungenkrankheit angesteckt. Fast 1.400 Menschen sind nach Angaben der nationalen Gesundheitskommission inzwischen in Festlandchina an dem Virus gestorben.

Die neu vorgelegte Statistik brachte zunächst Verwirrung. So teilte die nationale Gesundheitskommission mit, sie habe Zahlen aus Hubei doppelt gezählt und deshalb frühere Fälle wieder aus der landesweiten Gesamtstatistik herausrechnen müssen. Schon am Vortag hatten Experten nach einem sprunghaften Anstieg der Neuinfektionen um 15.000 gewarnt, man müsse die neuen Zahlen mit Vorsicht lesen. Sie befürchten eine hohe Dunkelziffer.

Ursache für die starke Zunahme der Infektionszahlen an einem Tag ist eine neue Zählweise, mit der auch die klinischen Diagnosen der Covid-19 genannten Lungenkrankheit aus den vergangenen Wochen in die jüngsten Statistiken einfließen. DNA-Tests im Labor können häufig die Infektion nicht feststellen. Deshalb gestatten die Behörden es Ärzten jetzt, auch Fälle ohne Labortest zu melden, bei denen die für das Coronavirus typischen Symptome wie Lungenentzündung, Fieber und Atemprobleme auftreten.

Die neue Zählweise wird allerdings nur in der Provinz Hubei, nicht im Rest des Landes angewandt. Damit sollen die Patienten schneller angemessen behandelt und die weitere Ausbreitung des Virus wirksamer verhindert werden. Von den 5.090 in ganz China gemeldeten neuen Fällen fallen nach Angaben der Behörden 3.095 in diese Kategorie. 

Krankenhäuser sind völlig überfordert

Die Weltgesundheitsorganisation begrüßte das neue Vorgehen. Es erlaube, Betroffene in Hubei schneller zu isolieren und zu behandeln und Kontaktpersonen früher unter Beobachtung zu stellen. Weil das Krankenhauspersonal in Hubei angesichts der hohen Anzahl von Patienten völlig überfordert sei, seien inzwischen mehr als 21.000 medizinische Fachkräfte aus anderen Teilen des Landes in die Krisenregion entsandt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. 

Zusätzliche Ängste schürt eine Rückreisewelle von Millionen Chinesen, die jetzt aus den verlängerten Neujahrsferien aus ihren Heimatdörfern wieder an ihre Arbeitsplätze zurück reisen. Viele fürchten, sich im Zug anzustecken, nachdem chinesische Medien berichtet hatten, eine Reinigungskraft in einem Hochgeschwindigkeitszug sei positiv auf das Virus getestet worden.

Auch im Ausland verbreitet das Virus sich weiter und Experten schließen eine Pandemie nicht mehr aus. Die Krankheit ist inzwischen in mehr als zwei Dutzend Ländern aufgetreten. Ärzte betätigten 580 Fälle außerhalb Chinas, die meisten davon in Japan. Allein auf dem vor der japanischen Stadt Yokohama liegenden Kreuzfahrtschiff Diamond Princess befinden sich mehr als 200 Infizierte in Quarantäne. Asiatische Länder zögern deshalb, Kreuzfahrtschiffe in ihre Häfen einlaufen zu lassen. So konnte die AIDAvita mit rund 1.100 Passagieren und 400 Crew-Mitgliedern – die meisten davon aus Deutschland – nicht wie geplant in Vietnam anlegen. Dabei hatte die Reederei betont, es gebe keine Virusfälle an Bord und das Schiff habe auch keinen chinesischen Hafen angelaufen.

Kambodscha lässt Kreuzfahrtschiff Westerdam anlegen

Auch das US-Kreuzfahrtschiff Westerdam irrte tagelang durch die Gewässer Asiens, ohne Erlaubnis einen Hafen anzusteuern. Inzwischen ist das Schiff in einen kambodschanischen Hafen eingelaufen, wo mehr als 2.200 Passagiere und Besatzungsmitglieder nach 14 Tagen auf See erstmals an Land gehen konnten. Regierungschef Hun Sen begrüßte die ersten Urlauber persönlich am Hafen, sie wurden mit Blumen und traditionellen Schals behängt. An Bord war kein Fall des Virus nachgewiesen worden.

Coronavirus - Passagiere dürfen Kreuzfahrtschiff verlassen Nach einer zweiwöchigen Irrfahrt durfte die "MS Westermann" in Kambodscha anlegen. Blutproben zufolge ist kein Passagier mit dem Coronavirus infiziert. © Foto: gett

Die Coronavirus-Krise beeinträchtigt zunehmend die Wirtschaft. Der japanische Autohersteller Honda Motor nimmt wegen der Epidemie seine Anlage in der chinesischen Stadt Wuhan erst am 21. Februar wieder in Betrieb. Das sei eine Woche später als ursprünglich geplant, teilte der Pkw-Hersteller mit. An der Börse in Tokio fielen die Aktienkurse. In Deutschland beeinträchtigt das Coronavirus den Luftverkehr. So werde die Fluggesellschaft Air China ihre bisher zweimal wöchentlich stattfindenden Flüge nach Düsseldorf ab kommender Woche aussetzen, berichtet die Zeitung Rheinische Post unter Berufung auf eine Flughafenauskunft.