Die EU-Gesundheitsministerinnen und -minister kommen wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus an diesem Donnerstag zu einem Sondertreffen zusammen, teilte der EU-Rat mit. Die Ministerinnen und Minister wollen dabei nicht nur die Lage bewerten, sondern sich auch über gemeinsame Maßnahmen verständigen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) etwa hatte vergangene Woche eine EU-weite Debatte über schärfere Einreisekontrollen gefordert. An dem Treffen soll auch ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilnehmen. 

Spahn hatte vor einigen Tagen bei einem Treffen mit seiner französischen Kollegin Agnès Buzyn auf die Verschärfung der Bestimmungen durch die USA verwiesen. Buzyn wiederum hatte zu der Frage eine "abgestimmte Haltung im Schengenraum" gefordert, in dem Reisen ohne Personenkontrollen möglich sind.

In den USA hingegen gilt derzeit ein Einreiseverbot für Menschen, die gerade in China waren. Ausgenommen sind jedoch aus China einreisende US-Bürgerinnen und -Bürger. Ausnahmen werden überdies bei engen Familienmitgliedern von US-amerikanischen Staatsangehörigen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung gemacht. Aber auch US-Bürgerinnen und -Bürger, die sich in der chinesischen Provinz Hubei aufhielten, werden zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt werden.

Inzwischen hat auch die britische Gesundheitsbehörde am Montag verschärfte Maßnahmen angeordnet. Menschen, die an dem Coronavirus erkrankt sind, dürfen nun zwangsweise unter Quarantäne gestellt werden und es stehe ihnen nicht mehr frei, zu gehen, kündigte die Behörde an.

Coronavirus - Wuhan-Rückkehrer bisher symptomfrei Die 20 Deutschen, die aus dem chinesischen Wuhan nach Berlin gebracht wurden, zeigen bisher keine Symptome des Coronavirus. 14 Tage sollen sie in Quarantäne bleiben. © Foto: Reuters/Annegret Hilse

Die neuen 20 Rückkehrer in Berlin haben sich nicht angesteckt

Auch in Berlin müssen die 20 deutschen Staatsangehörigen, die am Sonntag aus Wuhan zurückgekehrt sind, zwei Wochen lang in Quarantäne bleiben. Am Morgen bekamen die 16 Erwachsenen und vier Kinder die Nachricht, dass sie sich nicht mit dem Virus infiziert haben. "Wir sind erleichtert. Alle Testergebnisse auf das neuartige Coronavirus der Rückkehrerinnen und Rückkehrer in Berlin sind negativ", sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

Derzeit befinden sich die Familien in einem Krankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Südosten der Stadt in Quarantäne, wo sie auch noch zwei Wochen lang bleiben sollen. Kalayci zufolge sei die 14-tägige Quarantäne – also für die Dauer einer längstmöglichen Inkubationszeit unter Beobachtung – "eine Maßnahme, um die Betroffenen selbst und die Bevölkerung zu schützen". Der Bevölkerungsschutz habe höchste Priorität für sie, betonte die Berliner Senatorin.

Die Rückkehrenden waren mit einer Bundeswehrmaschine von Wuhan ausgeflogen worden und in Berlin-Tegel gelandet. Von dort aus wurden sie umgehend in die Quarantänestation gebracht, die auf dem Klinikgebiet in Köpenick eingerichtet worden war. Nach Angaben des DRK-Klinikums befindet sich die Station nicht unmittelbar in der Klinik, sondern in einem Verwaltungsgebäude, strikt getrennt von der regulären Patientenbetreuung. In den kommenden 14 Tagen werden sie auch von verschiedenen Personen betreut, die aber nicht zum Mitarbeiterstamm der DRK-Kliniken gehören. 

Bereits am Sonntag waren die Rückkehrer und Rückkehrerinnen auf das Virus untersucht worden, die Auswertung der Proben erfolgte am Universitätsklinikum Charité. 

Laut Gesundheitsorganisation WHO kann eine Infektion mit dem Virus milde Symptome wie Schnupfen, Halsweh, Husten und Fieber hervorrufen. Aber auch eine Lungenentzündung und Atembeschwerden sind möglich.

Mehr als 900 Menschen an Coronavirus gestorben

Es war die zweite Rückholaktion mit einem Bundeswehrflugzeug: Vor gut einer Woche waren rund 100 deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie Familienangehörige in Frankfurt am Main angekommen. Auch diese Passagierinnen und Passagiere wurden unter Quarantäne gestellt – die meisten in einer Kaserne im pfälzischen Germersheim.

Derweil steigt die Zahl der Infizierten auf dem chinesischen Festland. Dort gibt es nach Angaben von Chinas Gesundheitskommission nun mehr als 40.000 Fälle. Die Zahl der neu nachgewiesenen Erkrankungen stieg um 3.062 auf 40.171 Fälle. In den vergangenen 24 Stunden wurden landesweit weitere 97 neue Todesfälle bestätigt – insgesamt sind bisher 908 Menschen an dem Virus verstorben. Allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei, wo das Virus ursprünglich in der Stadt Wuhan ausgebrochen war, kamen 2.618 neue Infektionen und 91 Todesfälle hinzu.

Außerhalb des chinesischen Festlands sind bisher 300 Erkrankungsfälle bestätigt – 14 davon in Deutschland. Mit den neuen Infektions- und Todeszahlen sind an dem neuen Coronavirus mittlerweile mehr Menschen erkrankt oder sogar verstorben als an dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Sars). Bei der Pandemie 2002/2003 waren laut WHO 8.096 Menschen erkrankt, weltweit starben daran 774 Personen. Allein in Festlandchina und Hongkong hatte es 648 Todesfälle geben.