Am Sonntagvormittag ist ein Flugzeug mit rund 20 deutschen Rückkehrern aus der chinesischen Stadt Wuhan am Berliner Flughafen Tegel gelandet. Sie waren gemeinsam mit 200 Britinnen und Briten sowie anderen Staatsbürgern zuvor auf einem britischen Militärflughafen in der Nähe von Oxford angekommen.

Der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zufolge wurden sie zunächst an Bord am militärischen Teil des Flughafens von einem Amtsarzt begutachtet und auf das Coronavirus getestet. Sie werden zwei Wochen in einem Isolierbereich der DRK-Kliniken in Berlin-Köpenick untergebracht. Das Ergebnis der Tests soll am Montagmittag vorliegen.

Bereits vor einer Woche waren etwa 100 deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger und deren Familienangehörige mit einer Maschine der Bundeswehr nach Frankfurt am Main geflogen. Zwei von ihnen wurden positiv auf das Virus getestet.

Die Zahl der Todesopfer durch das neue Coronavirus hat derweil die der Sars-Pandemie vor 17 Jahren überstiegen. Chinas Gesundheitsbehörde meldete am Sonntagmorgen 89 neue Todesfälle. Weltweit sind damit bisher 811 Menschen durch die Lungenerkrankung getötet worden. Durch die Atemwegserkrankung Sars waren 2002/2003 weltweit 774 Patienten gestorben.

Die Fluggesellschaft Air China kündigte in der Nacht zum Sonntag an, ihre Verbindungen zwischen China und den USA wegen der Coronavirus-Epidemie "anzupassen". Der Webseite der Gesellschaft ist zu entnehmen, dass zahlreiche Flüge zwischen Peking und Washington sowie in andere US-amerikanische Städte bis zum 28. März gestrichen wurden. Einige der Verbindungen zwischen Peking und Los Angeles sowie San Francisco und New York werden der Airline zufolge jedoch weiter bedient.

Lungenerkrankung - Mehr Todesfälle durch Coronavirus als durch Sars Durch das neuartige Coronavirus wurden bisher über 800 Menschen getötet – mehr als 2002/2003 durch Sars. Weltweit sind mittlerweile fast 40.000 Menschen infiziert. © Foto: Zhou Mu/Xinhua/dpa

Etwa 37.000 Infizierte in China

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen stieg in China zuletzt auf circa 37.200. Außerhalb der Volksrepublik gibt es in mehr als zwei Dutzend Ländern mehr als 270 weitere Fälle, davon 14 Erkrankungen in Deutschland.

China plant für den Kampf gegen die Epidemie umgerechnet fast zehn Milliarden Euro ein. Mit dem Geld solle unter anderem sichergestellt werden, dass sich alle Chinesen einen Virustest und eine Behandlung leisten können, teilte das Finanzministerium mit. Auch solle verhindert werden, dass finanzielle Engpässe den Einsatz zur Eindämmung von Corona in den einzelnen Regionen behinderten.

Die wachsende Zahl an Infektionen und Todesfällen durch das neue Virus ängstigt viele Chinesen, die am Montag nach den verlängerten Neujahrsferien an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. In den sozialen Medien wurden Unmut gegenüber den Behörden und Zweifel an den offiziellen Fallzahlen laut. Die Ferien waren verlängert worden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.  

In Spanien ist unterdessen eine zweite Infektion mit dem Coronavirus bestätigt worden. Auf Mallorca sei eine Person positiv auf den Erreger getestet worden, teilte das Nationale Mikrobiologiezentrum mit. Tests bei drei weiteren Personen seien negativ ausgefallen. Die vier seien mit jemandem in Frankreich in Kontakt gewesen, bei dem die Erkrankung anschließend diagnostiziert worden sei. Zuvor waren in Frankreich fünf neuer Fälle gemeldet worden.  Die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn teilte mit, ein Kind und vier Erwachsene mit britischer Staatsbürgerschaft seien in Frankreich positiv auf das Virus getestet worden. Zwölf Fälle in Deutschland gehen auf eine chinesische Mitarbeiterin des bayerischen Autozulieferers Webasto zurück. Auch wurden zwei aus China ausgeflogene Rückkehrer positiv getestet. Zudem gibt es nach Angaben (Stand von Freitagabend) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Fälle in Italien, Großbritannien, Russland, Belgien, Finnland und Schweden. In Europa gibt es damit mindestens 37 Infizierte.

WHO arbeitet mit Social Media gegen Falschinformationen

Die WHO geht nach eigenen Angaben gegen die Verbreitung von Falschinformationen bezüglich des neuen Virus vor. Sie sorgten für Verwirrung und Angst in der Bevölkerung, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Wir bekämpfen daher auch die Trolle und Verschwörungstheoretiker, die falsche Informationen verbreiten und damit die Arbeit gegen den Ausbruch unterlaufen", sagte Tedros. Man sei dafür mit zahlreichen sozialen Netzwerken in Kontakt. "Wir haben sie gebeten, falsche Informationen herauszufiltern und korrekte Infos von vertrauenswürdigen Quellen zu begünstigen." Über Instagram und YouTube habe die WHO zudem den Kontakt zu Influencern und Influencerinnen gesucht und darum gebeten, sachliche Nachrichten über das Virus zu verbreiten. Dabei liege der Fokus laut Tedros auf der Region Asien-Pazifik.

Laut einer Studie chinesischer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen könnte das neuartige Virus auch über Fäkalien übertragbar sein. Einige Patienten in einem Krankenhaus in Wuhan hätten vor dem Auftreten von Fiebersymptomen und Atembeschwerden zuerst unter Durchfall und Übelkeit gelitten, heißt es in einer im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Arbeit.

Der Krankheitsverlauf habe bei zehn Prozent von 138 Erkrankten mit Durchfall und Übelkeit begonnen, schreiben die Wissenschaftler. Sie gaben an, sich bei den frühen Fällen der erstmals im Dezember in Wuhan aufgetretenen Krankheit vor allen auf Atemwegssymptome konzentriert zu haben. Dabei könnten mit dem Verdauungstrakt verbundene Symptome übersehen worden sein.

Auch das Sars-Virus, das genauso wie die neuartige Erkrankung durch Coronaviren ausgelöst wird, hatte sich während der Epidemie Anfang der Nullerjahre teilweise so übertragen. David Fisman, Epidemiologe an der Universität Toronto warnte, die Ansteckung über Fäkalien könne vor allem in Krankenhäusern eine neue Herausforderung für die Eindämmung der Viruserkrankung darstellen. Als Hauptübertragungsweg des Virus gilt weiterhin eine Tröpfcheninfektion über den Husten eines Erkrankten.

Coronavirus - Keine wirksame Therapie in Aussicht Experten zufolge dauert die Entwicklung eines Impfstoffs 12-18 Monate. Auch ein deutsches Biotechnologie-Unternehmen forscht an Mitteln gegen das Coronavirus. © Foto: GettyImages