Die weiterhin rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat in China zu ersten größeren politischen Konsequenzen geführt. Wie der Staatssender CCTV berichtete, ist der Parteisekretär der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei ersetzt worden. Jiang Chaoliang wurde demnach von Ying Yong, dem bisherigen Bürgermeister von Shanghai, abgelöst. Bereits am Dienstag waren die Chefs der Gesundheitskommission in der Provinz entlassen worden.

Zuletzt war in China immer mehr Kritik an der Untätigkeit oder langsamen Reaktion der Behörden auf den Ausbruch laut geworden. Für landesweite Bestürzung und Anteilnahme sorgte vergangene Woche der Tod des Arztes Li Wenliang, der frühzeitig vor dem Ausbruch des Coronavirus gewarnt hatte, aber laut Berichten gezwungen wurde, diese "Gerüchte" nicht weiter zu verbreiten. Der 34-Jährige starb, weil er sich mit dem Virus angesteckt hatte. 

Enormer Anstieg der Todesfälle

Die Behörden in Hubei hatten zuvor einen besonders sprunghaften Anstieg der Todesfälle bekannt gegeben. Die Zahl der an den Folgen der Infektion verstorbenen Menschen stieg demnach seit Mittwoch um 242. Dies war der größte Anstieg der Totenzahlen innerhalb eines Tages seit Ausbruch der Epidemie. Die offizielle Gesamtzahl der Toten in Festlandchina wuchs damit auf mindestens 1.355.

Lungenerkrankung - Mobile World Congress aus Gesundheitsgründen abgesagt Die spanische Technikmesse wird dieses Jahr wegen des Coronavirus ausfallen. Mehrere große Firmen hatten sich aus Sorge um die Gesundheit von Mitarbeitern zurückgezogen. © Foto: Lluis Gene/AFP/Getty Images

Der Gesundheitsausschuss der Provinzregierung teilte außerdem mit, dass in Hubei weitere 14.840 Fälle von Ansteckungen mit dem Erreger bestätigt worden seien. Die offizielle Gesamtzahl der Krankheitsfälle in Festlandchina stieg damit auf fast 60.000. Die meisten Todes- und Infektionsfälle treten weiterhin in Hubei auf. Die Behörden haben die Provinz weitgehend von der Außenwelt abgeschottet.

Die jüngste besonders deutliche Zunahme der Toten- und Infektionszahlen hängt nach Angaben der Behörden damit zusammen, dass die Mediziner inzwischen die Verfahren zur Diagnose des Virus Covid-19 ausgeweitet haben. Demnach wird mittlerweile nicht nur das Standardverfahren des Nukleinsäure-Tests angewendet, sondern auch sogenannte Bildgebungsverfahren zur Untersuchung der Lunge.

Dutzende neue Infektionen auf Kreuzfahrtschiff

Auch auf dem vor der japanischen Küste unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff gibt es Dutzende neue Infektionen. Weitere 44 Menschen auf der Diamond Princess seien positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte das japanische Gesundheitsministerium mit.

Auf dem Kreuzfahrtschiff befinden sich noch immer mehr als 3.500 Passagiere und Crewmitglieder, darunter zehn deutsche Staatsbürger. Seitdem das Schiff am 3. Februar am Hafen der Stadt Yokohama, südlich von Tokio, ankam, wurden 713 Menschen getestet, 218 von ihnen positiv. Alle Passagiere und Crewmitglieder zu testen, sei wegen angeblich begrenzter Testgeräte logistisch schwierig, hatte es zwischenzeitlich geheißen.

Die Quarantäne gilt noch bis zum 19. Februar. Gesundheitsminister Katsunobu Kato gab jedoch bekannt, dass die Regierung Senioren mit chronischen Krankheiten früher von Bord gehen lassen werde, als geplant, sofern sie negativ getestet wurden. Möglicherweise schon an diesem Freitag. In diplomatischen Kreisen sind zunehmend Zweifel an der Art und Weise aufgekommen, wie die japanische Regierung mit dem Fall des Kreuzfahrtschiffes umgeht.

Ein anderes Schiff, das aus Hongkong kommende Kreuzfahrtschiff Westerdam, ist derweil vor Kambodscha eingetroffen. Es durfte wegen der Coronavirus-Angst an mehreren asiatischen Häfen nicht anlanden. Das Schiff mit rund 1.500 Gästen und 800 Besatzungsmitgliedern an Bord liege 2,5 Kilometer vom Hafen entfernt, heißt es von der Hafendirektion. Unter den Passagieren sind nach Angaben der Reederei Holland-America Line 57 Deutsche. Alle Gäste an Bord seien gesund, es gebe bislang keine Fälle von Infizierten.

Den Angaben zufolge sollen am Donnerstag erst einmal 600 Menschen das Schiff verlassen, 800 am Freitag. Die Passagiere werden demnach medizinisch untersucht und auf Fieber überprüft. Die Gäste würden dann mit Charterflügen in die Hauptstadt Phnom Penh gebracht, um von dort die Heimreise anzutreten.

Olympische Spiele sollen stattfinden

Ungeachtet der Ausbreitung des Virus will Japan wie geplant die Olympischen Spiele im Sommer austragen. Der Chef des japanischen Olympischen Komitees, Yoshiro Mori, bekräftigte bei einem Treffen mit dem Internationalen Olympischen Komitee in Tokio, dass die Planung für die Spiele nicht durch die neue Lungenkrankheit beeinträchtigt werde. "Ich möchte noch einmal klarstellen, dass eine Absage oder Verschiebung der Tokio-Spiele nicht erwogen wurden", sagte Mori. Man werde mit der japanischen Regierung zusammenarbeiten und "ruhig" mit jeglichen Problemen infolge des neuartigen Virus umgehen.

Die US-Fluglinie United Airlines erklärte unterdessen, dass sie ihre Verbindungen nach China bis Ende April weiterhin aussetze. Ursprünglich sollte die Strecke ab dem 21. Februar wieder bedient werden. Mit der Ankündigung der United haben nun alle US-Passagierfluggesellschaften, die China regulär anfliegen, ihre Flüge bis Ende April aus ihrem Flugplan gestrichen. Grund sei ein dramatischer Rückgang der Nachfrage.