Im besonders schwer von Sars-CoV-2 betroffenen Italien liegt das Alter von mehr als drei Viertel der gemeldeten Patientinnen und Patienten bei über 50 Jahren, ungefähr 40 Prozent sind älter als 70. Das könnte einer der Gründe sein, warum dort aktuell viele Menschen mit Sars-CoV-2 sterben. Derzeit sind mehr als 1.000 Tote gemeldet. Hier wissen wir auch: Die Intensivstationen der Krankenhäuser gerade in der Lombardei sind derzeit überlastet. Und das, obwohl die Kliniken in der Region um Mailand zu den am besten organisierten des Landes gehören, wie Italiens bekanntester Virologe Roberto Burioni im Interview mit ZEIT ONLINE erklärt. "Wenn die Epidemie sich nun auch in anderen, strukturschwächeren Regionen ausbreitet, könnte alles noch schlimmer werden", sagt Burioni.

In solch einer Situation können mehr Menschen sterben, die unter normalen Umständen überleben würden (The Lancet: Ji et al., 2020). Zum Beispiel, wenn für Patienten mit einer schweren Herzerkrankung oder Nierenproblemen keine Intensivbetten mehr frei sind und sie deshalb wichtige Therapien gar nicht oder verspätet bekommen. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft gibt es von solchen Betten rund 28.000 in Deutschland, und im Winter sind sie trotz Grippemitteln, Antibiotika und Impfungen oft von Patientinnen mit Influenza oder bakteriellen Infektionen belegt. "Deutschland ist zum Glück noch weit weg von einer Situation wie in Italien", sagt Clemens Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing. Das Wichtigste sei jetzt, den Ausbruch so zu verlangsamen, dass möglichst wenig Corona-Erkrankte auf einmal medizinisch versorgt und beatmet werden müssen.

Die einzige Möglichkeit, das zu schaffen, haben nun auch die Bundesregierung und die Kanzlerin empfohlen: Soziale Kontakte reduzieren, wo es nur geht. Für dieses Social Distancing werben Wissenschaftler und Politikerinnen seit Wochen. Denn wichtig bleibt: Es sollten sich derzeit so wenige Menschen wie möglich mit Sars-CoV-2 anstecken, um Zeit zu gewinnen. Tage und Wochen, die helfen können, Kliniken, Pfleger und Ärztinnen zu entlasten. Nur wenn jede und jeder Kontakte meidet, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass vor allem unentdeckte Infizierte mit nur leichten Symptomen all jene Personen anstecken, die schwer an Covid-19 erkranken könnten.

Gelingt dies nicht, könnte es schwierig werden: "Mehr Viren werden dann unerkannt in Krankenhäuser getragen, Personal – das sowieso schon knapp ist – und weitere Patienten stecken sich an und es entstehen chaotische Zustände", sagt Jonas Schmidt-Chanasit. Solche Situationen, in denen der Krankenhausbetrieb gestört ist, würden dem Hamburger Virologen zufolge auch Patientinnen und Patienten schaden, die eigentlich nichts mit dem Coronavirus zu tun haben.

Die jungen Gesunden müssen Alte und Kranke schützen

Zwar kann sich auch eine kerngesunde 26-jährige Studentin mit dem neuen Coronavirus anstecken. Die Infektion kann bei ihr schwer verlaufen, und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie an der neuen Covid-19-Lungenentzündung stirbt. Nur ist das nicht wahrscheinlich. Denn bei den meisten jungen Menschen verläuft eine Infektion mit Sars-CoV-2 mild. Das bedeutet, eine Erkrankung lässt sich zu Hause auskurieren, vielleicht mit etwas Fieber und Husten oder ähnlichen Symptomen. Von den knapp 45.000 Infizierten aus der zweiten großen Studie aus China, ist nur eine einzige Person aufgeführt, die Alter zwischen zehn und 19 Jahren war und starb, unter den Patienten zwischen 20 und 29 Jahren waren es sieben.

Aus diesem Grund spielen junge Erwachsene, Kinder und Schwangere im aktuellen Ausbruch von Sars-CoV-2 vor allem die Rolle der Überträgerinnen und Überträger. Sie bringen das Virus zu den Alten und Kranken, etwa beim sonntäglichen Familientreffen, auf dem Schützenfest, im voll besetzten Theater oder wenn Oma und Opa nachmittags für ein paar Stunden auf die Kleinen aufpassen.

Für die meisten können die Symptome von Covid-19 so harmlos wirken, dass ihnen unter normalen Umständen kaum bewusst sein dürfte, dass sie eine Gefahr für andere sind: Etwa 88 Prozent der Krankenhauspatienten aus der WHO-Studie hatten Fieber, rund zwei Drittel trockenen Husten. Etwas seltener waren Symptome wie Kopfschmerzen, eine verstopfte Nase oder noch seltener Durchfall. Wirklich gefährlich wurde das Virus weniger als einem Fünftel der Infizierten. Schwere Verläufe mit Atemnot erlebten knapp 14 Prozent und kritisch verliefen etwa sechs Prozent der Fälle. Das heißt, Erkrankte mussten künstlich beatmet werden.