• Dieses Blog ist geschlossen. Das aktuelle Liveblog zum Coronavirus lesen Sie hier.
  • Das neuartige Virus breitet sich weiter aus. Auch in Deutschland sind Menschen an den Folgen des Virus gestorben.
  • Schulen und Kitas in allen Bundesländern sind bereits oder werden geschlossen. Auch Bars, Clubs, Museen, Theater und Konzerthäuser müssen zumachen. Spielplätze dürfen nicht mehr besucht werden. Bund und Länder vereinbarten außerdem die Schließung der meisten Geschäfte. Lebensmittelgeschäfte sind ausgenommen.
  • Das Robert Koch-Institut stuft die Risikoeinschätzung für Menschen als "hoch" ein, nach Einschätzung ihrer Experten könnte die Pandemie bis zu zwei Jahre dauern.
  • An vielen Grenzen führt Deutschland Kontrollen ein. Die EU untersagt den meisten Ausländern die Einreise. 
  • Das Coronavirus kann eine Atemwegserkrankung mit hohem Fieber auslösen und zu einer Lungenentzündung führen. Das trat bisher aber nur bei sehr wenigen Infizierten ein.
  • Die Weltgesundheitsorganisation benannte die Erkrankung Covid-19, das Virus heißt Sars-CoV-2. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Virus und der dadurch verursachten Krankheit lesen Sie hier.
  • Für unser Blog greifen wir neben eigenen Recherchen und Behördeninformationen auch auf Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters und AP zurück.
  • Das Liveblog der vergangenen Tage zum Thema Covid-19 können Sie hier nachlesen.
  • Alle weiteren Hintergründe und ausführliche Analysen zur Lungenkrankheit finden Sie auf unserer Themenseite.
Andrea Buhtz
Andrea Buhtz
Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

Die Bundeswehr bereitet sich darauf vor, in der Corona-Pandemie zu helfen, wenn die Durchhaltefähigkeit der zivilen Kräfte zu Ende geht. Die Bundeswehr könne beispielsweise durch die Beschaffung von Schutzausrüstung und medizinischen Geräten sowie Medizin helfen, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Unter anderem der Sanitätsdienst der Bundeswehr sei bereits jetzt in die Krisenhilfe eingebunden. Die Zahl der Isolationseinheiten in Bundeswehrkrankenhäusern werde erhöht.

Mehrere Politiker denken mittlerweile laut über eine Ausgangssperre nach, sollten die Bürgerinnen und Bürger die Vorsichtsmaßnahmen nicht einhalten. Darunter sind Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans sowie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU).

Die wegen der Corona-Pandemie von mehreren EU-Ländern eingeführten Grenzkontrollen behindern mehreren Verbänden zufolge die Lieferketten für Lebensmittel. Unterdessen hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem siebenseitigen Schreiben an Kanzleramtschef Helge Braun Vorschläge zur Sicherung der Versorgung mit Lebensmitteln gemacht.

Damit schließen wir dieses Blog. Alle aktuellen Entwicklungen finden Sie hier.
Andrea Buhtz
Andrea Buhtz
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat am heutigen Donnerstag ein Maßnahmenpaket für den Pflegebereich vorgestellt. "Es ist unser aller Ziel, dass Sie gesund bleiben", sagte er. Daher gehe es nun darum, die Pflege von jeder Form unnötiger Bürokratie zu entlasten.

So soll der Pflege-TÜV bis Ende September ausgesetzt werden und nur bei gemeldeten Misständen anlassbezogene Prüfungen durchführen. Außerdem werde die Pflegeeinstufung nicht mehr körperlich, sondern telefonisch oder über Video begutachtet und entschieden. Gleiches gelte bei Beratungen für pflegende Angehörige zu Hause, die verbindlichen Besuche werden hier ausgesetzt. Im medizinischen Dienst könne das Personal abgestellt werden, ohne dass eine Aufwandsentschädigung gefordert wird.
Michele Tantuss/Reuters
Pflegekräfte sind eine der tragenden Säulen unseres Gesundheitssystems.
Jens Spahn
Pflegeheime, die durch erkrankte Bedürftige oder betroffenes Personal in Not geraten, müssen dies Pflegekassen melden. Diese können dann unbürokratisch aus anderen Bereichen flexibel Personal einsetzen. Außerdem wird der Personalschlüssel befristet ausgesetzt, die Vergütung wird trotz Nichteinhaltung der erforderlichen Personalzahl nicht gekürzt. Spahn sicherte zu, dass durch das neue Coronavirus bedingte Kosten ausgeglichen würden. Dazu werde eine gesetzliche Grundlage geschaffen.

Die Maßnahmen seien ein Signal auch an Pflegebedürftige, dass man sich um sie kümmere. "Pflege ist vor allem weiblich", ergänzte Spahn. Durch die Schließung von Kitas und Schulen seien viele einer Doppelbelastung ausgesetzt.
Carla Baum
Carla Baum
Syrien hat die USA und die Europäische Union aufgerufen, ihre Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus wegen der Ausbreitung des Coronavirus sofort aufzuheben. Die USA und die EU hielten weiter an einseitigen und illegalen restriktiven Maßnahmen gegen mehrere Länder fest, hieß es am Donnerstag aus dem syrischen Außenministerium, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. Die Verbündeten trügen somit die Verantwortung für jedes Opfer der Pandemie, weil sie Bemühungen zu deren Eindämmung behinderten. Syrien hat bisher offiziell noch keinen Coronavirus-Fall gemeldet. Hilfsorganisationen warnen aber, das Virus könnte vor allem für die Millionen Vertriebenen im Bürgerkriegsland eine große Gefahr sein.
Alexandra Endres
Alexandra Endres
Die Bundeswehr bereitet sich darauf vor, in der Corona-Krise zu Hilfe zu kommen, wenn die Durchhaltefähigkeit der zivilen Kräfte zu Ende geht. "Wir stellen uns auf den Worst Case ein",  sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf einer Pressekonferenz am Donnerstagmittag. "In schwierigen Zeiten können sich die Bürger auf die Bundeswehr verlassen." Diese werde so lange helfen, wie sie gebraucht werde.

Die Bundeswehr könne beispielsweise durch die Beschaffung von Schutzausrüstung und medizinischen Geräten sowie Medizin helfen, sagte Kramp-Karrenbauer. Unter anderem der Sanitätsdienst der Bundeswehr sei bereits jetzt in die Krisenhilfe eingebunden. Die Zahl der Isolationseinheiten in Bundeswehrkrankenhäusern werde erhöht.

Die Ministerin verglich den Kampf gegen die Pandemie mit einem Marathon. Zunächst gehe es darum, den eigenen Kernauftrag sicher zu erfüllen und die Angehörigen der Bundeswehr selbst zu schützen. Dann könne man in der Corona-Krise helfen. Die Ministerin verwies erneut darauf, dass Reservisten mobilisiert werden sollen, um die Pandemie besser bekämpfen zu können. Bereits jetzt hätten sich 2.336 Reservisten für den Kampf gegen die Corona-Krise gemeldet. Insgesamt gebe es 75.000 Reservisten, sagte Kramp-Karrenbauer. 28.000 davon sind "beordert", das heißt, sie nehmen regelmäßig an Übungen teil. Die Bundeswehr hat mehr als 180.000 Soldaten.

Die Ministerin warnte aber auch vor zu großen Erwartungen. Sie wies unter anderem darauf hin, dass die Bundeswehr und ihre Krankenhäuser mit rund 3.000 Ärzten nur ein kleiner Teil des Gesundheitssystems seien.
 
Annegret Kramp-Karrenbauer auf einer Pressekonferenz im Februar
Annegret Kramp-Karrenbauer auf einer Pressekonferenz im Februar. REUTERS/Michele Tantussi
Sarah Lena Grahn
Sarah Lena Grahn
Die Europäische Union fordert Netflix und andere Streamingdienste auf, Videos nicht mehr in hoher Auflösung zu zeigen. Das Netz könnte angesichts von Homeoffice und Videostreaming infolge der Coronavirus-Pandemie zu stark belastet werden, twittert der EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, Thierry Breton. Er habe am Mittwochabend mit Netflix-Chef Reed Hastings gesprochen und ihn gebeten, vorerst auf ein Angebot in HD-Qualität zu verzichten. So könne gewährleistet werden, dass alle in der Bevölkerung Zugang zum Internet haben.
Jakob Pontius
Jakob Pontius
Die Aktion Mensch versammelt auf einer neuen Internetseite barrierefreie Informationen zur Corona-Pandemie.

Dort wird das neue Virus einfach erklärt, in leichter Sprache. Die Lebenshilfe und das Bundesgesundheitsministerium geben Hinweise und erklären die Folgen der Krankheit.

Außerdem finden Sie dort Links zu aktuellen Nachrichten der ARD und des MDR in Gebärdensprache.
Jakob Pontius
Jakob Pontius
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es gestern Abend noch einmal betont: Jetzt kommt es auf uns alle an. Das heißt auf jede Einzelne und jeden Einzelnen. Was Sie persönlich tun können, hat ZEIT ONLINE in dieser Übersicht grafisch aufbereitet.

Ob Sie den Empfehlungen der Wissenschaft streng genug folgen, können Sie jetzt mit einem Werkzeug überprüfen, das Ihren Pandemie-Fußabdruck misst. Dieser berücksichtigt nicht nur Ihr individuelles Verhalten, sondern auch Ihre Kontakte zu Infizierten und Personen aus besonders gefährdeten Gruppen. Das Tool bezieht auch ein, ob und wie oft Sie sich in den letzten Wochen in Risikogebieten aufgehalten haben.
Alexandra Endres
Alexandra Endres
Die wegen der Corona-Pandemie von mehreren EU-Ländern eingeführten Grenzkontrollen behindern mehreren Verbänden zufolge die Lieferketten für Lebensmittel. Interessenverbände von Landwirtinnen und Landwirten, Händlerinnen und Händlern sowie der Lebensmittel- und Getränkeindustrie teilten mit, bei Agrargütern und einigen Lebensmitteln sowie Verpackungsmaterialien sei es zu Verzögerungen und Unterbrechungen von Lieferungen gekommen.

Unterdessen hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in einem siebenseitigen Schreiben an Kanzleramtschef Helge Braun Vorschläge zur Sicherung der Versorgung mit Lebensmitteln gemacht. Das teilte ihr Ministerium mit.  Demnach fordert Klöckner unter anderem, die Arbeitsregeln für Saisonkräfte zu lockern, Anreize für eine vorübergehende Beschäftigung in der Landwirtschaft zu setzen und Liquiditätshilfen auch für landwirtschaftliche Unternehmen zu gewähren. Essenziell sei es auch, die Rohstoffversorgung aus dem Ausland zu sichern.

Die Güterverkehrschefin der Deutschen Bahn, Sigrid Nikutta, warb angesichts der angespannten Situation für mehr Transporte auf der Schiene. "Wir fahren problemlos über die Grenzen und haben dort keine Stausituation wie die Lastwagen vor der polnischen Grenze", sagte sie. Derzeit würden durch den Ausfall weiter Teile der deutschen Industrieproduktion Kapazitäten im Güterverkehr frei. Lebensmittel, Hygieneprodukte und Arzneimittel könnten jetzt über die Schiene transportiert werden.

Welche Schwierigkeiten die Grenzkontrollen für die Logistikbranche bedeuten, können Sie hier nachlesen.
Unser Netzwerk fährt und ist aufnahmefähig.
Sigrid Nikutta, DB-Güterverkehrschefin
Jakob Pontius
Jakob Pontius
In Spanien und im Iran ist die Zahl der Virus-Toten innerhalb eines Tages jeweils sprunghaft gestiegen. In Spanien erlagen am Mittwoch 209 Menschen der Lungenkrankheit Covid-19, damit starben dort bislang insgesamt 767 Personen an einer Infektion mit dem Coronavirus. 17.147 Infektionsfälle seien inzwischen registriert worden, teilt das spanische Gesundheitsministerium mit. Einen Tag zuvor waren es noch 13.716.

Im Iran seien binnen 24 Stunden 149 Menschen an den Folgen der Viruserkrankung gestorben, teilt das dortige Gesundheitsministerium mit. Damit sind im Land mittlerweile 1.284 Menschen Covid-19 erlegen. Die Zahl der entdeckten Infektionsfälle kletterte um 1.046 auf insgesamt 18.407.

In Belgien ist zumindest die Zahl der Neuinfektionen deutlich gestiegen. 309 neue Fälle seien am Mittwoch bestätigt worden, so viele wie noch nie an einem Tag, teilt das Gesundheitsministerium mit. Außerdem seien sieben Menschen infolge der Infektion gestorben. Insgesamt hätten sich 1.795 Menschen angesteckt, 21 seien der Lungenkrankheit erlegen.
Carla Baum
Carla Baum

Mehrere Politiker richten dringende Appelle an die Bürger und denken mittlerweile laut über eine Ausgangssperre nach, sollten die Bürgerinnen und Bürger die Vorsichtsmaßnahmen nicht einhalten:

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat eindringlich an die Bürger appelliert, sich an die Einschränkungen zur Eindämmung des grassierenden Coronavirus zu halten – und schärfere Maßnahmen bei Zuwiderhandlung in Aussicht gestellt. "An die Vorgaben muss sich jeder halten", sagte der Grünenpolitiker. Ob man in Zukunft ein Ausgangsverbot erteile, wisse man nicht. Man wolle ein solches Verbot vermeiden. Aber wenn sich die Bürgerinnen und Bürger nicht an die neuen Regelungen hielten, werde es wohl kommen.  

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat eine "schnelle und harte Ausgangssperre" gefordert, sollten Bürgerinnen und Bürger Auflagen wegen der Corona-Krise weiter nicht befolgen. "Die Lage ist ernst – jeder muss sein Leben einschränken", sagte Hans den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sollten sich weiterhin viele nicht an die Auflagen halten, bleibe "nur eine schnelle und harte Ausgangssperre als Instrument". Ob die bisherigen Maßnahmen griffen, werde sich erst in einigen Tagen zeigen. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir alle diszipliniert sind – nicht nur zu unserem eigenen Schutz, sondern zum Schutz der anderen", sagte Hans.


Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) rief die Bürger ebenfalls erneut mit Nachdruck dazu auf, in der Coronakrise den bereits geltenden behördlichen Auflagen Folge zu leisten. Wenn jeder sich an die Vorgaben halte, "dann haben wir die Chance, das zu vermeiden", sagte Laschet. Er erinnerte zugleich daran, dass es 14 Tage daure, bis die nun beschlossenen Maßnahmen zum Verlangsamen der Infektionsausbreitung Wirkung entfalten könnten. "Wenn man eine Maßnahme angepackt hat, muss man sie dann auch mal wirken lassen", sagte der Düsseldorfer Regierungschef.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wählte scharfe Worte der Kritik am Verhalten vieler Menschen in ihrer Stadt. "Ich möchte Ihnen sagen, dass ich entsetzt darüber bin, dass auch in Köln einige anscheinend noch nicht verstanden haben, wie ernst die Lage ist", sagte die parteilose Politikerin in einer am Donnerstag verbreiteten WhatsApp-Nachricht. "Es geht darum, dass wir soziale Kontakte auf das Notwendigste reduzieren. Ein Kaffee oder ein Kölsch mit Freunden in der Sonne mag verlockend sein, aber es ist jetzt nicht mehr möglich." Sollten die Appelle verhallen, würden die staatlichen Behörden nicht zögern, weitere Maßnahmen ergreifen. "Sie haben in der Hand, wie es weiter geht", sagte Reker.


Es kann nicht sein, dass jetzt junge Leute zu Corona-Partys rennen. Wenn nicht alle ihr Verhalten grundlegend umstellen, dann kommen wir um härtere Maßnahmen und Sanktionen nicht herum.
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident in Baden-Württemberg
Jakob Pontius
Jakob Pontius
Der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf beginnt mit der Produktion von 500 Tonnen Desinfektionsmittel zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie. In einem ersten Schritt soll dieses vorrangig für Kliniken sowie Polizei und Feuerwehren europaweit bereitgestellt werden, teilt das Unternehmen mit.

Der Konzern habe in den vergangenen Wochen die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen und starte nun mit der Serienproduktion. Die Herstellung laufe parallel in den Werken in Hamburg, Waldheim (Sachsen) sowie dem spanischen Tres Cantos in der Nähe von Madrid.
Carla Baum
Carla Baum
Auch EU-Brexit-Unterhändler Michel Barnier ist nach eigenen Angaben mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Er sei postiv getestet worden, twitterte Barnier am heutigen Donnerstag. "Es geht mir gut und die Moral ist gut." Er werde jetzt den nötigen Empfehlungen folgen, ebenso sein Team.

Die Folgen für die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen der Europäischen Union zu Großbritannien waren zunächst nicht absehbar. Großbritannien hatte die EU Ende Januar verlassen, doch hat sich wegen einer bis Jahresende angesetzten Übergangsphase im Alltag noch nichts geändert. Sollte jedoch bis Ende der Frist keine Vereinbarung über ein Freihandelsabkommen gelingen, droht ein harter Bruch – mit neuen heftigen Belastungen für die Wirtschaft.
Carla Baum
Carla Baum

Die Coronavirus-Pandemie birgt nach Einschätzung der Lufthansa die Gefahr, dass die Luftfahrtbranche künftig nur noch mit staatlicher Unterstützung überleben kann. Die Verbreitung des Virus habe die gesamte Weltwirtschaft und auch die größte deutsche Fluggesellschaft "in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt", erklärte Konzernchef Carsten Spohr am Donnerstag. Bei der Lufthansa bleiben derzeit rund 90 Prozent der Maschinen am Boden.

Die Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Reisen zwingt Fluggesellschaften weltweit derzeit zu drastischen Einschnitten. Die Internationale Luftverkehrsvereinigung IATA rechnet inzwischen damit, dass die Airlines weltweit Nothilfen in Höhe von bis zu 200 Milliarden Dollar (186 Milliarden Euro) benötigen.

Die Coronavirus-Pandemie könnte auch die Lufthansa-Tochter Swiss zu radikalen Schritten zwingen. "Wir können die vorübergehende Einstellung des Flugbetriebs nicht ausschließen", sagte Swiss-Chef Thomas Klühr am heutigen Donnerstag bei einer virtuellen Pressekonferenz in Zürich. "Es kann sein, dass wir die Entscheidung schnell und zügig treffen müssen."

Die Ausbreitung des Virus sei eine der größten Krisen, die die Luftfahrt je gesehen habe. Einzigartig sei die Wucht, mit der sie gekommen sei. "Für alle Airlines gilt: Zur Überwindung dieser Krise wird vermutlich temporär staatliche Hilfe notwendig sein", sagte Klühr. Für die meisten der 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde Kurzarbeit beantragt.
Sarah Lena Grahn
Sarah Lena Grahn
Der ehemalige Grünenchef Cem Özdemir ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der 54-Jährige veröffentlichte am heutigen Donnerstag auf Instagram ein Video, in dem er sagt, dass es ihm gut gehe. "Um mich muss man sich erst mal keine Sorgen machen." Er wolle seine Ansteckung öffentlich machen, "um deutlich zu machen, dass sich jede und jeder von uns anstecken kann".

Der Bundestagsabgeordnete rief dazu auf, zu Hause zu bleiben und die Lage ernst zu nehmen. "Es geht jetzt darum, alle anderen zu schützen", sagte er. "Bitte bleibt zu Hause." Er selbst habe sich schon vor dem Testergebnis freiwillig weitgehend in Quarantäne begeben und müsse jetzt nicht mehr viel ändern.
Alexandra Endres
Alexandra Endres
Die Bundesregierung plant in der Coronavirus-Pandemie ein Hilfspaket von mindestens 40 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen.


Nun sind direkte Zuschüsse im Gespräch, um Pleiten zu verhindern. Daneben soll es Darlehen geben. Am Montag soll das Kabinett die Hilfen beschließen. Weitere Details sind noch unklar – allerdings hieß es aus Teilnehmerkreisen, man spreche über Zuschüsse von 9.000 bis 10.000 Euro für Firmen bis fünf Beschäftigte und bis zu 15.000 Euro für Firmen bis zehn Beschäftigte. Das Geld solle für eine Dauer von bis zu drei Monaten gezahlt werden. Wie der Spiegel berichtete, sollen insgesamt zehn Milliarden Euro als direkte Zuschüsse vergeben werden, der Rest von 30 Milliarden Euro als Darlehen.

Alexandra Endres
Alexandra Endres
In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mittlerweile 10.999 Infektionsfälle bestätigt – Stand Donnerstag 0 Uhr sind das 2.801 mehr als am Tag zuvor. Es seien 20 Todesfälle bekannt.

Zusätzlich zu den Daten des RKI recherchiert ZEIT ONLINE täglich selbst nach Fällen, die neu hinzukommen und möglicherweise erst am kommenden Tag in die RKI-Statistik aufgenommen werden. Damit kommt ZEIT ONLINE derzeit auf mehr als 12.000 Infizierte.
Carla Baum
Carla Baum
Zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben nun auch die Niederlande ein faktisches Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger angeordnet. Es gelte ab Donnerstag 18.00 Uhr für zunächst 30 Tage, teilte das Presseamt der Regierung mit..

Derweil schließe die Regierung in Den Haag weitere Maßnahmen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus nicht aus, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Allerdings seien das Kabinett und eine große Mehrheit der Abgeordneten bislang gegen eine totale Ausgangssperre.
Sarah Lena Grahn
Sarah Lena Grahn
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Ifo-Institut halten wegen der Coronavirus-Krise eine Rezession für unvermeidlich. "Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr sicher in eine Rezession stürzen", sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Wie genau es weitergehe, sei derzeit unvorhersehbar. Denkbar seien zwei Szenarien. "Entweder ein V, also baldige Nachholeffekte von Produktion und Konsum nach einem rapiden Absturz, so wie es bei anderen Epidemien wie Sars, der Schweine- oder Vogelgrippe der Fall war", sagt der Experte. Dann könnte das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,1 Prozent schrumpfen.

"Es kann aber – und das scheint derzeit realistisch – auch zu einem L-Verlauf der Wirtschaft kommen, in dem nach dem Absturz eben erst mal nichts groß nachgeholt wird und Konsum und Produktion auf einem deutlich niedrigeren Niveau bleiben", sagt Michelsen. "Die Rezession würde dann noch deutlich schwerer ausfallen." Eine konkrete Prognose dazu wollte das DIW nicht wagen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank nach vorläufigen Ergebnissen auf 87,7 Punkte, nach 96,0 Zählern im Februar. "Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate verfinsterten sich wie nie zuvor." Auch die Einschätzungen zur Lage seien deutlich gefallen.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Die Berliner Klinik für Corona-Patienten mit bis zu tausend Betten soll in wenigen Wochen fertig sein. Projektkoordinator Albrecht Broemme zeigte sich im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zuversichtlich, ein gutes Ergebnis in "vielleicht 20 Tagen, vielleicht 15 Tagen" zu erzielen.

Entstehen soll die Klinik in Zusammenarbeit unter anderem mit den Berliner Krankenhäusern und Hilfsorganisationen in einer Messehalle. Auch mit der Bundeswehr will der Senat zusammenarbeiten. Als Helfer meldeten sich bereits pensionierte Ärzte und Pflegekräfte sowie Studierende, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) im RBB sagte.

Die Klinik soll ergänzend und zur Vermeidung eines Engpasses genutzt werden und leicht Erkrankte sowie Notfallbeatmungspatienten versorgen. Bis Mittwochabend gab es 519 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus in der Hauptstadt, wobei 25 Patienten stationär behandelt wurden.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat für Donnerstag die Lieferung von zehn Millionen Atemschutzmasken für das Gesundheitswesen in Deutschland angekündigt. In der Sendung stern TV Spezial sagte Spahn am Mittwochabend, die ersten zehn Millionen Masken könnten endlich an Ärzte, an kassenärztliche Vereinigungen und an die Bundesländer ausgeliefert werden. "Es hat lange gedauert, wir haben viel auch auf der Welt nach Lieferanten suchen müssen."

Mancherorts waren Atemschutzmasken wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus knapp geworden. Angesichts teilweiser Engpässe auch bei den Testverfahren räumte Spahn ein: "Wir können und schaffen es nicht, Hunderttausende Bundesbürger jeden Tag zu testen." Das gäben die Kapazitäten nicht her, obwohl Deutschland weltweit mit die größten Testkapazitäten habe. Bei den Tests müsse man sich "auf die konzentrieren, wo es tatsächlich auch sinnvoll ist". Das seien diejenigen, die aus Risikogebieten kommen und auch Symptome zeigen.

Auf die Frage, ob eine generelle Ausgangssperre in Deutschland in nächster Zeit auszuschließen sei, sagte der Minister, zunächst müssten die bereits getroffenen Maßnahmen wirken.