Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 ist längst in Deutschland angekommen. Seit Wochen steigen die Fallzahlen, inzwischen gibt es mehr als 12.000 registrierte Infektionen. Täglich kommen aktuell mehr als tausend hinzu. Aber die Zahl der Toten ist in Deutschland bisher weiter gering. Stieg in China die Zahl der Todesfälle infolge einer Covid-19-Infektion Anfang des Jahres binnen weniger Wochen von einem Dutzend auf mehr als 2.500, haben in Deutschland bis zum Mittag des 19. März 2020 nach bisherigen Informationen gerade einmal 34 Männer und Frauen die Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 nicht überlebt – eine Zahl, die in den kommenden Wochen deutlich steigen dürfte, wenn viele der jetzt Infizierten in die kritische Phase der Erkrankung eintreten.

Über fast alle bisherigen Todesfälle liegen ZEIT ONLINE nähere Informationen vor, gesammelt aus Meldungen von Landes- und Kreisbehörden. Bereitgestellt wurden sie von den Betreibern der Informationsplattform coronavirus.jetzt.

Das ist bisher über die Opfer der Sars-CoV-2-Infektion bekannt:

  • In Deutschland starben bisher überwiegend Männer mit einer Sars-CoV-2-Infektion. Unter den 33 Gestorbenen, von denen ZEIT ONLINE das Geschlecht bekannt ist, sind mit 21 etwa zwei Drittel männlich. Zwölf waren weiblich.
  • Der jüngste verstorbene Patient war 67 Jahre alt, die älteste Verstorbene 94.
  • Die meisten Todesfälle gab es in den besonders betroffenen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Besonders viele, nämlich neun Verstorbene kamen aus dem Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen.
  • Bei mindestens drei Personen wurde die Infektion erst festgestellt, als sie bereits verstorben waren.
  • Die Mehrheit, mindestens 20 der Patientinnen und Patienten, hatte chronische Erkrankungen. Welche, darüber ist nur wenig bekannt. Vereinzelte Berichte zeigen, dass es sich unter anderem um Krebsleiden oder Erkrankungen der Lunge handelte.
  • Soweit bekannt, lebten sieben Personen in Seniorenresidenzen oder Pflegeheimen. Mindestens drei davon gemeinsam in einem Altenpflegeheim in Würzburg.

Was sagen diese Daten aus? Vor allem, dass das neue Coronavirus in Deutschland bisher ähnliche Folgen hervorgerufen hat wie in anderen Teilen der Welt. Gerade zu den umfassenden Daten aus China gibt es viele Parallelen.

Von rund 44.000 chinesischen Patientinnen und Patienten, deren Fälle in einer groß angelegten Studie von der chinesischen Behörde CCDC zusammengetragen wurden, starben 1.023 – zwei Drittel davon waren Männer (PDF – CDC Weekly: CPERE Novel, 2020). Ähnlich wie in Deutschland. Nicht bei allen, die verstarben, war bekannt, ob sie Vorerkrankungen hatten. Bei denen aber, von denen es die Wissenschaftler wussten, zeigte sich: Wer unter Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelitten hatte, wies ein höheres Sterberisiko auf. Ungefähr vier von fünf Verstorbenen waren älter als 60 Jahre. Wer 80 Jahre alt war oder älter, starb besonders häufig. Fast jeder Fünfte in dieser Altersgruppe überlebte eine Infektion mit Sars-CoV-2 nicht.

Der bisherige Ausbruch in Deutschland spiegelt zudem wider: Besonders verwundbar sind etwa Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen oder ein Altersheim. Im Landkreis Würzburg etwa hat ungefähr die Hälfte von mehr als 80 Infizierten eine Beziehung zu einem solchen Heim, heißt es in Berichten des Gesundheitsamts.

Es werden mehr Alte und Kranke sterben

"Die Charakteristika der verstorbenen Patienten in Deutschland entsprechen den Daten, die wir aus anderen Ländern bereits haben", sagt Berit Lange, Epidemiologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Dass alte Menschen, vor allem wenn sie krank sind, besonders betroffen sind, sei auch in China und anderen stark betroffenen Regionen erkennbar. "Wir wissen auch aus den Daten anderer Länder, dass auch jüngere Infizierte versterben können. Insbesondere, wenn sie Vorerkrankungen haben", so Lange. Welche das sind und warum, darüber gebe es abgesehen von den Daten der chinesischen Studie bisher noch wenige Informationen.

Ansteckungsgefahr - "Viele Menschen verhalten sich, als ob nichts passiert wäre." Eine Ärztin, die Menschen auf das Coronavirus testet, fordert drastischere Maßnahmen zur Senkung der Infektionen. Im Alltag solle man sich nicht direkt ansprechen. © Foto: Reuters TV

"Dieses Wissen ist der Hintergrund vieler Maßnahmen, mit denen die Pandemie aktuell bekämpft wird", sagt Lange. Es gehe vor allem darum, Menschen aus Risikogruppen zu schützen. Aber um das zu tun, müssten gerade die Jungen nun radikal ihre sozialen Kontakte einschränken. Denn es scheint so, als wären gerade junge Menschen, bei denen die Erkrankung mild verläuft, diejenigen, die die Ausbreitung ankurbeln. Und je weniger Überträger – Gesunde in ihren Zwanzigern, Dreißigern oder Vierzigern – sich infizieren, desto schlechter kann es zu jenen vordringen, die besonders gefährdet sind. Es sind vor allem die sozial aktiven jungen Menschen, die den Ausbruch bremsen können. Die Leidtragenden aber sind – das zeigen die Daten aus Deutschland wieder einmal – die Alten und Kranken, die daran sterben.