Eine Schwangerschaftskonfliktberatung soll während der Coronavirus-Krise auch online oder am Telefon ermöglicht werden. Darauf hat sich Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) nach eigenen Angaben mit den zuständigen Landesministern geeinigt. Eine Beratungsbescheinigung zur Wahrung der Frist könne dann per E-Mail oder Post versendet werden, teilte Giffey auf Instagram mit. Das persönliche Erscheinen der Schwangeren sei nicht notwendig.

Giffey hatte die Landesminister bereits am vergangenen Freitag aufgefordert, die digitalen Möglichkeiten einer Beratung zu prüfen. Dazu gehörten "alle Formen von digitalen Beratungsformaten, die anzuerkennen sind". Das Schwangerschaftskonfliktgesetz biete ausreichend Spielraum für pragmatische Lösungen, so die Ministerin.

Pandemie führt zu Einschränkungen bei Beratung

Die Schwangerenberatungsstellen beraten Frauen in Konfliktsituationen und können dabei auch einen sogenannten Beratungsschein ausstellen. Dieser ist Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch. Wegen der Coronavirus-Pandemie kommt gibt es bei den Beratungsterminen allerdings zu Einschränkungen.

Ärzte und Verbände wie Pro Familie hatten deshalb gefordert, Video- und Telefonberatung zu ermöglichen. Zudem plädierten sie, per Videoberatung einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zu Hause mit telemedizinischer Begleitung bis Ende der neunten Woche zuzulassen. Zudem wollten sie Abbrüche als notwendige medizinische Leistung im Sinne der Pandemiebestimmungen anerkennen lassen. 

Die Ärztinnen und Beratungszentren mahnten, dass das die Gesundheit von Frauen bedroht sei. Es könne sein, dass Frauen durch die Krise wieder zu unsicheren Abtreibungsmethoden griffen, "mit der Gefahr von gesundheitlichen Schäden wie Entzündungen, Sterilität, Blutungen bis hin zum Tod", sagte die Gießener Ärztin Kristina Hänel.

Auch die Grünen forderten den uneingeschränkten Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in der Coronavirus-Krise. "Der Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen ist medizinisch notwendig", sagte die Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws und Kirsten Kappert-Gonther. Schwangerschaftsabbrüche seien nicht aufschiebbar.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws, sagte dazu, kein Bundesland dürfe sich weigern, die nun vorgelegten Regelungen umzusetzen. Eine ortsgebundene Beratungspflicht in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten sei unverantwortlich.