Immer mehr Menschen in Deutschland haben keine Krankenversicherung. Waren es 2015 noch 79.000 Betroffene, gab es im vergangenen Jahr 143.000 Menschen ohne Krankenversicherung, berichtete die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Das entspreche einem Anstieg um fast 80 Prozent. In Westdeutschland waren den Angaben nach zuletzt 117.000 Menschen ohne Krankenversicherung und in Ostdeutschland 26.000. Insgesamt habe es 78,94 Millionen Krankenversicherte im vergangenen Jahr gegeben.
Gründe für den deutlichen Anstieg der Nichtversicherten konnte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung nicht angeben. Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) konnte für die Zahlen keine Erklärung finden. "Selbst wenn Menschen ihre Kassenbeiträge aus persönlichen Gründen nicht begleichen können, verlieren sie trotzdem nicht ihre Krankenversicherung", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz. Ihm zufolge gibt es in solchen Fällen individuelle Lösungen für die Betroffenen. "Das heißt, es werden zum Beispiel Beträge gestundet und Nachzahlungen vereinbart", sagte Lanz. Allerdings würde für säumige Beitragszahlerinnen nur ein eingeschränkter Leistungsumfang, etwa bei akuten Krankheiten und Schmerzbehandlungen gelten.
Linke fordert Fonds für Menschen ohne Krankenversicherung
Insbesondere
Selbstständige, Arbeitssuchende und Obdachlose stehen nach
Einschätzung von Expertinnen häufig ohne Krankenversicherung da. Die
Linke-Sozialpolitikerin Sabine Zimmermann forderte deshalb in der
Saarbrücker Zeitung
politische
Nachbesserungen. "Die Bundesregierung muss dringend dafür sorgen,
dass für jeden Menschen das Recht auf medizinische Versorgung
gewährleistet wird", sagte Zimmermann. Wie wichtig ein intaktes
Gesundheitssystem sei, zeige sich gerade in der Corona-Pandemie.
Zimmermann schlug die sofortige Einrichtung eines Fonds vor, um die Behandlung von Menschen ohne Krankenversicherung zu finanzieren. Außerdem müssten freiwillig Versicherte wie etwa Selbstständige mit geringen Einkünften noch deutlich stärker entlastet werden.