Es ist das schwebende Risiko im Klassenzimmer. Das Coronavirus, vor dem sich Schülerinnen, Lehrpersonen und Betreuer schützen müssen, wenn sie in der Schule zusammenkommen. Schulklassen müssen zurzeit regelmäßig den Unterricht unterbrechen und die Fenster aufreißen, um etwaige Viruspartikel, die sich im Raum ausgebreitet haben könnten, von einem kräftigen Luftzug hinauswehen zu lassen. Das Lüften vertreibt Krankheitserreger sehr effizient. Doch die Schülerinnen und Schüler sitzen nun ständig in der kalten Zugluft. Das geht auch anders.

Zumindest dachten sich das wohl Forschende des Max-Planck-Instituts für  Chemie in Mainz. Sie haben an einer Mainzer Gesamtschule den Prototypen einer Lüftungsanlage gebaut, der so einfach konstruiert sein soll, dass Schulen in ganz Deutschland das System jetzt nachbauen können.

Über den Schultischen brachten sie an der Decke des Klassenraums Hauben an, die ähnlich wie ein Lampenschirm aussehen. So eine Haube soll die Aerosole aus der Atemluft einfangen, bevor sie sich im Raum verteilen können. Die Technik macht sich dabei zunutze, dass warme Luft nach oben steigt. Jede Haube ist mit einem kleinen Rohr verbunden, das die Partikel abtransportiert. Sie alle münden in ein größeres Rohr, das zu einem gekippten Fenster führt, wo ein Ventilator die Luft nach draußen weht.

Dass diese Konstruktion funktioniert, haben die Erbauer nach Institutsangaben in einem Praxistest schon erfolgreich erprobt. Dafür nutzen sie künstlich erzeugte Aerosole und dazugehörige Messgeräte, etwa ein Aerosolspektrometer und ein Gerät, das die Luftbewegung über den Tischen misst. "Unsere Messungen haben gezeigt, dass das Abluftsystem mit den Hauben über 90 Prozent der Aerosole kontinuierlich entfernt", erklärt der Physiker und Erbauer des Systems, Frank Helleis, in einer Mitteilung.

So soll das selbst gebaute Lüftungssystem aussehen. © Andrea Koppenborg /​ Max-Planck-Institut für Chemie

Das System soll möglichst einfach und günstig sein

Bei der Wahl der Materialien habe man darauf geachtet, nur solche zu verwenden, die in jedem Baumarkt zu finden sein dürften und außerdem erschwinglich sind. Dazu brauche es nur eine Steckdose für den Ventilator und ein kippbares Fenster für das Rohr.

Hält das System tatsächlich, was es verspricht, sorgt es also für einen regen Luftaustausch im Klassenzimmer, müssten Fenster nicht mehr so häufig ganz geöffnet werden, sodass weniger Wärme aus dem Raum verloren geht. Das ist kein Ersatz für die gängigen Hygienekonzepte, jedoch möglicherweise eine sinnvolle Ergänzung. Dazu sieht Helleis einen weiteren Vorteil: "Unser System löst auch das lange bekannte CO2-Problem in Klassenräumen", sagt der Physiker. Denn es befördere nicht nur Aerosole nach draußen, sondern auch die CO2-Moleküle, die sich mit jedem Ausatmen ebenfalls im Raum verteilen. So könnten sich die Schüler besser auf den Unterricht konzentrieren.

Aktuell arbeitet das Team des Max-Planck-Instituts daran, eine Bauanleitung zu erstellen, die sich jeder von der Website herunterladen kann. Jetzt schon können sich Interessierte über ein Kontaktformular anmelden, um benachrichtigt zu werden, sobald die Vorlage verfügbar ist.