Wird Grönlands Eisdecke bald für immer verschwinden und den Meeresspiegel rapide ansteigen lassen? Die Antwort sollen Zukunftsmodelle liefern. Um jene zu entwickeln, braucht es jedoch Erkenntnisse über die Vergangenheit.

Einem internationalen Forscherteam um Bo Vinther vom Niels Bohr Institut in Kopenhagen ist es nun gelungen, eine neue, mehrere Jahrtausende umfassende Rekonstruktion zu erstellen. Diese mache es möglich, die Entwicklung der Eisdecke von Beginn des Holozän bis heute nachzuverfolgen, schreiben die Forscher im Magazin Nature. Das Holozän ist die jüngste geologische Epoche der Erdgeschichte. Sie begann vor etwa 11.700 Jahren mit der Erwärmung des Klimas. Seitdem schmilzt das Eis auf Grönland.

Heute gibt es auf der größten Insel der Erde so wenig Eis wie nie. Die Eisschmelze hat sich beschleunigt und verläuft nach Aussagen von Klimaforschern viel schneller als befürchtet. "Ein Eisschild – diese Erkenntnis muss sich mal langsam durchsetzen – ist nicht statisch. Es hat eine zeitliche Entwicklung", sagt Frank Wilhelms vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven.

Die Kopenhagener Forscher untersuchten gut drei Kilometer Meter lange Eisbohrkerne aus unterschiedlichen Gebieten Grönlands. Ähnlich wie Jahresringe eines Baumes, verraten die Kilometer dicken Eisschichten etwas über das Klima in der Vergangenheit, denn sie entstehen, weil immer wieder neuer Schnee auf die Eisdecke fällt und gefriert.

So lassen sich seit Mitte der fünfziger Jahre zum Beispiel historische Temperaturschwankungen anhand von im Eis eingeschlossenen Isotopen ermittelt: Je niedriger die Temperatur zu einem bestimmten Zeitpunkt war, desto höher ist die Isotopen-Konzentration in der entsprechenden Schicht. Die Eisdicke wurde bislang anhand des Luftvolumens im Eis errechnet. "Nun ist es uns gelungen, auch die Dicke mit Isotopen zu bestimmen", sagt Vinther.