Applaus für die Natur

Gefräßige Orchidee

Eine alte Bekannte ist zur "Orchidee des Jahres 2010" gewählt worden: Wie im Jahr 1996 ernannte der Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) den gelben Frauenschuh (Cypripedium calceolus) zum Gewinner. 

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Das Orchideen-Gewächs wird bis zu 60 Zentimeter hoch und blüht im Mai und Juni. Der eigentümliche Name der Insektenfalle ist auf den pantoffelförmigen Vorderteil der Blüte zurückzuführen. Dieser ist eine Kesselfalle.

So finden angelockte Insekten an den Rändern der Blüten kaum halt, da sie mit einem dünnen Ölfilm überzogen sind. Einmal hinein geraten, führt der einzig sichere Weg nach draußen an der Blütennarbe vorbei – und dabei wird die Pflanze bestäubt.

Die Flusslandschaft des Jahres

Ein Fluss voller Abwässer

Das Bundesumweltministerium, die Naturfreunde Deutschlands und der Deutsche Anglerverband haben die Emscher zur "Flusslandschaft des Jahres 2010/2011" gekürt.

Die Emscher ist der letzte oberirdische Abwasserkanal Deutschlands. Sie schwemmt die Fäkalien von zweieinhalb Millionen Menschen und den Dreck von zahllosen Industrie- und Bergwerksanlagen weg, wird nun jedoch renaturiert.

Zielsetzung dieser Wahl ist, "die gewaltigen Veränderungen, die die 'Kloake' Emscher erfahren hat, den Menschen bewusst zu machen und aufzuzeigen, dass auch das Ruhrgebiet wieder zu einer lebenswerten und gesunden Region werden kann."

Die Heilpflanze

Die Heilpflanze des Jahres 2010

Preisgekrönte Heilpflanze

Der Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum) wurde vom Naturheilverein Theophrastus zur "Heilpflanze des Jahres 2010" gekürt. Sie ist damit die erste Pflanze, die nicht aus Europa stammt.

Seine Wurzeln hat das schmerzstillende, verdauungsfördernde und stark belebende Heilmittel im tropischen Klima der Molukken (Indonesien). Jene Inseln wurden deshalb auch als die Gewürzinseln bekannt – auf ihnen errichteten die Niederlande ein Gewürzmonopol, das erst Anfang des 19. Jahrhunderts zerschlagen werden konnte, indem man Bäume aus dem Land schmuggelte und andernorts anbaute.

Der Fisch

Applaus für die Karausche

Die Karausche (Carassius carassius) aus der Familie der Karpfenfische ist der "Fisch des Jahres 2010" – das haben der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF), das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) entschieden.

Sie ehren damit einen besonders robusten Fisch: So kann die Karausche auch in kleinsten, verschlammten Tümpeln überleben. Denn wenn das Gewässer austrocknet, vergräbt sie sich einfach im Schlamm und harrt aus. Bis zu fünf Tage kann der in Europa verbreitete Fisch ohne Sauerstoff auskommen. Eingegraben im Schlamm kann er sogar den Winter vom Eis eingeschlossen überleben.

Der Vogel

© David McNew/Getty Images

Vogel des Jahres ist der Kormoran

1971 kürte der Naturschutzbund (Nabu) mit dem Wanderfalken erstmalig einen Vogel des Jahres. 2010 trägt diesen Titel der Kormoran. Der Nabu und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern wollen sich damit für den Schutz der Tiere einsetzen.

Denn nahezu alle Bundesländer haben spezielle Kormoran-Verordnungen erlassen, die die flächendeckende Tötung von Kormoranen selbst in Naturschutzgebieten und während der Brutzeit erlauben. Jährlich sterben in Deutschland so 15.000 Vögel.

Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein Meistertaucher: Er kann bis zu 90 Sekunden lang unter Wasser bleiben und in bis zu 30 Meter Tiefe tauchen. Die knapp einen Meter großen und zwischen zwei bis drei Kilogramm schweren Vögel sind also nicht bloß schön, sondern auch talentiert.

Der Pilz

Eine Auszeichnung für den Blaugestiefelten Schleimkopf

Schmackhaft schleimig: Der Blaugestiefelte Schleimkopf, oder auch Schleiereule (Cortinarius praestans), ist von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) zum Pilz des Jahres 2010 gewählt worden.

Wer auf Pilzsuche geht, erspäht den größten Vertreter aus der Gattung der Haarschleierlinge jedoch nur noch selten – in Nordrhein-Westfalen steht er auf der Roten Liste unter "stark gefährdet". In Norddeutschland ist er nicht mehr zu finden.

Die Blume

Sibirische Schwertlinlie

Die Stiftung Naturschutz Hamburg und die Stiftung Loki Schmid haben eine der seltensten Blütenpflanzen der Feuchtlebensräume zur "Blume des Jahres 2010" gewählt: Die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica).

Im Mai und Juni trägt die Iris, wie sie häufig genannt wird, auf einem bis einen Meter hohen Stängel filigrane, blauviolette Blüten. Am wohlsten fühlt sie sich in feuchten Streuwiesen und Niedermooren, sowie an Teichufern. Im Wollmatinger Ried am Bodensee findet man sich in Mengen.

Aufgrund von Trockenlegungen, Änderungen der Bewirtschaftung und vermehrtem Nährstoffeintrag gilt die krautige Pflanze in weiten Teilen Mitteleuropas als gefährdet.

Der Baum

Die Vogelkirsche wird Baum des Jahres

Zu jeder Jahreszeit ist die Vogelkirsche (Prunus avium) eine Pracht: Im April strahlt sie leuchtend weiß, im Sommer liefert sie begehrte Früchte und im Herbst präsentiert sie sich in orange bis rot gefärbten Blätterkleid.

Die Stiftung Menschen für Bäume ernannte das Familienmitglied der Rosengewächse zum "Baum des Jahres 2010". So sei die Vogelkirsche, die maximal 150 Jahre alt werden kann, schließlich die Mutter aller Süßkirschen – diese sind eine Zuchtform von ihr.

Die weiteren "Natur des Jahres 2010"-Gewinner aus den Bereichen Amphib, Weichtier, Insekt, Schmetterling, Spinne, Giftpflanze, Gemüse und Höhlentier werden in Kürze bekannt gegeben.