Neun Meter. So hoch war nach Augenzeugenberichten die Flutwelle, die Dienstagabend unserer Zeit auf die Küsten der Samoa-Inseln schlug. Als die Welle Menschen, Autos und ganze Dörfer mit sich riss, hatte sie schon rund 200 Kilometer zurückgelegt. Sie entstand infolge eines Seebebens, das in etwa zehn Kilometer Tiefe unter dem Meeresboden des Westpazifiks seinen Ursprung hatte.

Wie kam es zu dieser Flutwelle?

Bei dem Beben der Stärke 8,2 wurde der Meeresboden um etwa einen Meter ruckartig nach oben versetzt, schätzt Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ), nach einer ersten Analyse der seismischen Daten. Daraufhin wurde die darüberliegende Wassersäule angehoben und eine wenige Zentimeter hohe Welle ausgelöst. Mit mehreren Hundert Kilometern pro Stunde jagte die kleine Welle über den tiefen Ozean. Wenn das Meer flacher wird, etwa an Küsten, bekommt das Wasser ein Platzproblem. Ein Tsunami türmt sich auf.

Wurden die Bewohner gewarnt?

"Für den Südpazifik gibt es kein eigenständiges Warnsystem", sagt der GFZ-Wissenschaftler Kind. Das übernimmt das "Pacific Tsunami Warning Center" der US-Meeresbehörde NOAA, das eigentlich für den Nordpazifik zuständig ist. Demzufolge ist das Netzwerk der Messgeräte sehr grob. In diesem Falle genügte es aber, um die Bevölkerung etwa eine Viertelstunde vor dem Eintreffen der Flutwelle zu warnen. Die NOAA setzt auf Seismografen, die Erdbebenwellen erfassen. Weil aber nicht jede Erschütterung zu einem Tsunami führt, müssen auch die potenziellen Flutwellen nachgewiesen werden.

Sonst würde es oft Fehlalarm geben und keiner würde den Behörden mehr glauben. Die Wellen werden von Pegelstationen und speziellen Bojen erfasst, die im gesamten Pazifik verteilt sind. Vor dem schweren Tsunami im Dezember 2004 habe die NOAA vier oder fünf solcher Bojen gehabt, berichtet Kind. Heute seien es zehnmal so viele. Aus seiner Sicht sollten es noch mehr sein. "Bei einem drohenden Tsunami geht es um jede Minute", betont er. Gerade in einer so gefährdeten Region wie dem Südpazifik sollten weitere Sensoren aufgestellt und mit einem fähigen Computersystem vernetzt werden