Donnernde Vierziger und rasende Fünfziger, eiskaltes Wasser durch das immer wieder riesige Eisberge schippern: Die Meere rund um die Antarktis rangieren unter den ungemütlichen Gefilden des Planeten Erde. Für das globale Klima gehören sie jedoch eindeutig zu den Schlüsselgebieten, meint Samar Khatiwala vom Lamont–Doherty Observatory der Columbia University in Palisades [1]: "Wir haben schon immer vermutet, dass die Südozeane eine kritische Rolle als Senke für unser Kohlendioxid spielt. Doch nun können wir ihre ganze Dimension erstmals mit Daten belegen."

Rund 40 Prozent des gesamten Kohlendioxids, das die Ozeane aufnehmen, gelangt in diesen südlichen Breiten ins Wasser, kalkuliert der Forscher zusammen mit seinen Kollegen: Das Gas löst sich im kalten und dichten Salzwasser besser als in tropischen Gewässern. Allein 2008 verschwanden knapp eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid aus menschlichen Quellen im Südpolarmeer – fünf Mal so viel wie rund um die Arktis. Seit Beginn der Industrialisierung schluckten die Ozeane insgesamt 140 Milliarden Tonnen Kohlenstoff und damit mindestens ein Drittel der in dieser Zeit aus Kraftwerken, Autos, Waldrodungen und Zementwerken freigesetzten Emissionen des Treibhausgases, so die Rechnung von Khatiwalas Team.

Ab 1950 wurden die Meere demnach mit steigender Tendenz vollgepumpt – Ausdruck der stark wachsenden Weltbevölkerung und um sich greifenden Industrialisierung. Doch seit der Jahrtausendwende stagniert ihre Senkenfähigkeit. "Je mehr Kohlendioxid sich im Ozean löst, desto saurer wird er, was wiederum seine Aufnahmekapazität für neues CO2 verringert", erklärt der Ozeanforscher. "Wegen dieser chemischen Reaktion nimmt die Leistungsfähigkeit der Ozeane im Laufe der Zeit ab. Zu unserer Überraschung mussten wir feststellen, dass es dafür schon jetzt erste Anzeichen gibt." Denn obwohl der CO2–Ausstoß seit Jahren weiter steigt, verharren die ozeanischen Speicher auf gleichem Niveau: Der prozentuale Anteil des Kohlendioxids, den sie aufnahmen, nimmt im Vergleich zur Gesamtmenge mittlerweile langsam ab und liegt heute wohl um ein Zehntel niedriger als noch im Jahr 2000.