Lange war es ruhig um den entlegendsten aller Kontinente, die Antarktis. Gut 20 Jahre nach der Entdeckung des Ozonlochs war Ruhe eingekehrt im ewigen Eis. Selbst der Klimawandel schien einen Bogen um die kälteste Region der Erde zu machen.

Das ewige Eis schien der globalen Erwärmung zu trotzen und zeigte über einen langen Zeitraum sogar Abkühlungstendenzen. Die Antarktis: ein Garant für die Stabilität des Weltklimas? Schreckten auch immer neue Alarmmeldungen aus der Arktis die Menschen hoch, so schien im tiefen Süden der Erde die Klima-Welt noch in Ordnung zu sein.

Doch der neueste, gerade in London veröffentlichte Bericht der internationalen SCAR-Group (Scientific Committee on Antarctic Research) mit dem Titel Antarctic climate change and the environment zeigt jetzt ein neues Bild: Längst ist der Klimawandel auch in der Antarktis angekommen. Und mehr noch: einer der größten Erfolge des internationalen Umweltschutzes der letzten 20 Jahre, der Stopp von Flourchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs), erweist sich im Nachhinein als kontraproduktiv gegen das Ansteigenden der Temperaturen.

Die wichtigsten Erkenntnisse der SCAR-Kommission lassen sich schnell zusammenfassen: Es werden derzeit die höchsten CO2-Werte der vergangenen 800.000 Jahre gemessen. Die Erwärmung des Südozeans führt zu drastischen Veränderungen in den Ökosystemen und zu einer Verschiebung der Windgürtel um die Antarktis.

Als unmittelbare Folge der Verschiebung der Windgürtel wird mehr Wärme zur antarktischen Halbinsel geleitet, wodurch die dortigen Gletscher schneller abschmelzen und große Mengen Eis verlieren. An die Stelle des Eises treten an Land immer neue Pflanzengemeinschaften, die den ehemals eisbedeckten Boden besiedeln und den Treibhauseffekt regional verstärken.

Anders als in der Arktis findet sich eine zehnprozentige Zunahme des Meereises um die Antarktis – mit unmittelbaren Folgen für die marine Nahrungskette und die Pinguinkollonien. Schlussfolgernd sehen die Forscher eine Erwärmung der Antarktis in diesem Jahrhundert von rund drei Grad Celsius und befürchten einen stärkeren Anstieg des weltweiten Meeresspiegels als bisher vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostiziert.