Auf Deutschlands Straßen reihen sich die Feinstaubschleudern. Denn die Abgase und der Reifenabrieb von Autos sorgen für die feinen, gesundheitsschädlichen Partikel in der Luft. Vor allem in Großstädten wird dies im Winter zum Problem.

Am Neckartor von Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart ist die Feinstaubbelastung bundesweit am größten. Hier wurde der vorgeschriebene Tagesmittelwert für die gesundheitsschädlichen Partikel in den vergangenen sechs Jahren im Höchstwert 190 Mal pro Jahr überschritten - erlaubt sind 35. Seit Montag sprüht die Stadt nun ein neuartiges Mittel gegen den Feinstaub auf die Straßen, um die Belastung der Abgasteilchen zu senken.

Hinter der als "Feinstaubkleber" bekannt gewordenen Chemikalie steckt eine Calcium-Magnesiumacetat (CMA) Lösung. Ursprünglich war sie in den vergangenen Jahren als Taumittel in Skandinavien im Wintereinsatz. Wieso die Lösung auch gegen Feinstaub helfen kann, wissen die Verantwortlichen nicht so genau: "Wahrscheinlich ist es so, dass es durch einen Zufall ganz nebenbei entdeckt wurde", sagt Thomas Heß, Geschäftsführer des kommunalen Eigenbetriebs Abfallwirtschaft in Stuttgart.

Ob und wie sie wirkt muss sich auch noch zeigen. Erste Versuche mit der Chemikalie gab es bereits in Halle an der Saale und im österreichischen Klagenfurt. Die Menge der dort aufgewirbelten Partikel soll um bis zu 30 Prozent verringert worden sein.

Doch was macht die CMA-Lösung eigentlich? Vor Beginn des Berufsverkehrs wird sie auf die Straße gesprüht. Sobald der Verkehr rollt, pusten Auspuffrohre und wirbeln Reifenabrieb Feinstaub-Partikel in die Luft. Normalerweise lagern sich die Partikel kaum auf der Straße ab, da Fahrzeuge die Teilchen immer wieder aufmischen. Ist der Asphalt aber dank der CMA-Lösung feucht, hält sich der Feinstaub am Boden und kann später abgewaschen werden.

Im Winter schaffte es das CMA, die Straßen in Österreich 2-3 Tage feucht zu halten. "Gerade zu dieser Jahreszeit ist die Feinstaubbelastung in den Städten besonders hoch. Die verschmutzte Luft mischt sich nur selten mit der unbelasteten Luft in der Atmosphäre", erklärt Peter Sturm von der Technischen Universität Graz. Die Feinstaubkonzentration steigt, denn kalte Luft wird von warmer überlagert. Die mit Staubpartikeln gespickte Luft ist wie unter einem Deckel eingeschlossen. Gerade Stuttgart ist von solchen Inversionswetterlagen betroffen, schließlich liegt die Stadt wie in einem Kessel in der Landschaft.

Eine Gefahr für die Umwelt stelle das Acetat kaum dar. "Wir konnten nachweisen, dass CMA eine gute Alternative zu anderen Taumitteln wie Natriumchlorid ist. Die CMA-Lösung ist zwar um einiges teurer, ist jedoch weit schonender für die Umwelt und gilt als verträglich", sagt Sturm, der an dem Pilotversuch in Klagenfurt beteiligt war.