Wie gesteht man einen peinlichen Fehler ein? Besser nicht, in dem man verschwurbelt formuliert: "Kürzlich" habe man "zur Kenntnis genommen", dass bewährte Standards "nicht richtig angewendet" worden seien. So reagierte gestern der Weltklimarat in Genf mit einer dürren, einseitigen Mitteilung auf eine offenkundige Falschaussage: Der Rückgang der Gletscher im Himalaya ist im letzten IPCC-Report an einer Stelle stark übertrieben worden.

Diese könnten bis zum Jahr 2035 verschwinden, hieß es im Bericht der Arbeitsgruppe II. Diese Aussage steht im Widerspruch zu anderen Prognosen in dem knapp 1000-seitigen Band. "Gletscherschätzung auf dünnem Eis", titelt die Wissenschaftszeitschrift Nature in ihrer heutigen Ausgabe. Sie zitiert mehrere Glaziologen, welche die Zahl als "falsch" und "irreführend" bezeichnen. Und IPCC-Chef Rajendra Pachauri kündigt an, der Rat prüfe, ob der Bericht geändert werden müsse. Das wäre ein "höchst ungewöhnlicher" Vorgang, kommentiert Nature zurückhaltend.

Die Publikumsmedien, besonders die englischsprachigen, sind weniger zurückhaltend. Das Wort "Gletschergate" macht die Runde. Der konservative Nachrichtensender Fox-News spricht gleich vom "Gletscherdesaster", die auflagenstarke US-Tageszeitung USA Today schimpft: "verpfuschte Klimavorhersage". Aber auch die FAZ spricht von der "Gletscherlüge", ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung ist treffend mit "Kleine Zahl, großer Mist" überschrieben.

Nach der – im Nachhinein offenbar überzogenen – Aufregung um gestohlene E-Mails von Wissenschaftlern der britischen Universität von East Anglia im Dezember gerät die Arbeit des Weltklimarats erneut in Misskredit. Es ist zwar nur ein Absatz in fast tausend Seiten, aber er zeigt einen peinlichen handwerklichen Fehler.

In ihrem Bericht von 2007 schrieben die Autoren im Unterkapitel 10.6.2 über den Rückgang der Himalayagletscher: "(...) falls die gegenwärtige Entwicklung andauern sollte, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie bis zum Jahr 2035 oder vorher verschwinden, wenn die Erde sich weiter so erwärmt wie gegenwärtig."

Das ist nicht nur erkennbar unplausibel, sondern auch falsch zitiert – und zwar aus einer Quelle, die wissenschaftlichen Kriterien nicht standhält. IPCC-Chef Pachauri "bedauert" nun. Unangenehmer wird die Aufarbeitung werden. Drei Fragen wirft der Gletscher-Fehler auf: